Versunkene und vergessene Reyche

Unbekannt ·Reychsgeschichten

Beschreibung

Übersicht und Geschichten versunkener Reyche von Canisa (4a) bis Gerulia (292)

Volltext

Versunkene Reyche
Vergessene Reyche
Kriegsreyche
C h r o n i k B a n d I V d e r A l l s c h l a r a f f i a ® m i t I n h a l t s v e r z e i c h n i s d e r 4 C h r o n i k e n O s t e r m o n d 1 5 3 , L a n g s a m , P s e u d o - S c h w a b , T a u r r i e s e u s
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VERGESSENE REYCHE
Eine historische Studie
Verfasst von Rt Diabest (4), Archivar des h.R. Grazia
Vielen Schlaraffen ist mangels historischer Unterlagen oder aus anderen Gründen nicht bekannt,
dass in den Stammrollen so manche Reyche bzw. Colonien aus der Frühzeit unseres Bundes fehlen.
In dieser Zeit - wer hätte damals gedacht, dass sich der schlaraffische Gedanke so schnell über die
ganze Erde ausbreiten würde - gab es noch keine geordneten Gründungsregeln. Reyche entstanden
spontan, oft ohne Ankündigung oder Zustimmung der Praga (der Begriff Allmutter entstand erst
später) - manche davon verschwanden bald wieder vom schlaraffischen Horizont und sind heu-
te vergessen. Sicher waren solche „Reyche” oft nur Künstlerstammtische, die mehr oder weniger
schlaraffischen Gebräuchen huldigten und waren nicht ernst zu nehmen.
Wie bei der Gründung der Praga durch die Künstler wirkte diese Strömung noch viele Jahre nach
und so waren bei den Neugründungen jener Zeit Künstler die treibenden Kräfte. Vor allem waren
Sänger, Schauspieler, Regisseure, Kapellmeister und Männer mit artverwandten Berufen an den
Gründungen beteiligt. Die meisten dieser Künstler weilten jedoch oft nur kurze Zeit, manchmal
über die Dauer eines Gastspieles in einer Stadt, sie wechselten häufig, oft mehrere Male im Jahr
ihre Engagements und mussten daher eine Neugründung bald wieder verlassen. So konnte oft ein
neugegründetes Reych nicht als festes Gefüge entstehen und war zum Untergang verurteilt.
Die ersten Gründungen nach der Prager Schlaraffia entstanden gleich als „fertiges” „Reych” (ohne
Vorstufe über die Colonie) - Berolina, Lipsia, Grazia, Wratislawia usw. und es bedurfte für diese
Reyche weder einer Gründungsbewilligung noch einer Sanktion durch die Praga.
Erst ab Ostermond 1581 (a.U. 22) begann sich eine Organisation abzuzeichnen. Praga verfügte,
dass ab nun bei Neugründungen ein Reych als Mutterreych auftreten musste und die beabsichtigte
Gründung einer Tochter der Prag mitteilen und bei dieser befürworten musste. Die Praga behielt es
sich aber vor, diesem neuen Reych (eine Neugründung durfte sich auch damals noch von Anfang
an „Reych” nennen) eine einjährige Probezeit aufzuerlegen, nach deren Ablauf das Reych von der
Praga endgültig sanktioniert wurde. Eine endgültige Regelung erfolgte beim II. Concil zu Prag (22.-
24.10.a.U. 24). In der Neufassung des Spiegels wurde festgelegt, dass „eine neugegründete Heim-
stätte des Schlaraffentums für die Folge Schlaraffen-Colonie heißt... und eine einjährige Probezeit
zu bestehen habe”. Diese anfänglich chaotischen Zustände bewirkten, dass die Praga selbst in
dieser Frühzeit unseres Bundes oft die Übersicht über die Neugründungen verlor. Auch die damals
mangelhaften Verständigungsmöglichkeiten trugen dazu bei.
All diese Umstände waren ausschlaggebend dafür, dass einige Reyche nur kurz bestanden (oder
nur Vorgänger später am gleichen Ort entstandender Reyche waren - wie wir aus den späteren
Ausführungen ersehen werden) - und sang- und klanglos erloschen. Aber die Mitglieder dieser ver-
gessenen Reyche waren doch auch - der Ausdruck passt zeitlich zwar nicht - unsere Uhubrüder, die
wir nicht der völligen Vergessenheit anheim fallen lassen sollten. Daher nach diesen einführenden
Erläuterungen nun in „medias res” - zu den vergessenen Reychen Schlaraffias.
Als a.U. 22 (1581) der damaligen schlaraffischen Zeitrechnung die erste Stammrolle erschien,
enthielt diese knapp 30 Reyche - und diesen wurden - wohlgemerkt - noch keine Reychsnummern
zugeordnet. Erst in der Stammrolle a.U. 26/27, also vier Jahrungen später, bekamen die Reyche
chronologisch geordnete Reychsnummern.
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Und so kam es, dass einige Reyche, die noch in den vorhergehenden Stammrollen angeführt aber
vor a.U. 26 untergegangen waren, nun in der chronologischen Reihenfolge fehlten bzw. nicht be-
rücksichtigt wurden. Sie wurden auch nicht in den folgenden Stammrollen geführt - sie waren
„vergessen”.
Das Reych Canisa - in Nagy (Groß)-Kanizsa in Ungarn westlich vom Plattensee
Erst ab a.U. 106 begann sich Rt Splendidus vom h.R. Kyborgia darüber Gedanken zu machen und
mit Hilfe der einzigartigen Unterlagen, die ihm der damalige Archivar des Reyches Grazia zur Verfü-
gung stellte und weiteren Nachforschungen rekonstruierte Rt Splendidus eine Chronik des bis da-
hin gänzlich unbekannten Reyches Canisa - und bezeichnete es als „Findelkind Allschlaraffias”. Es
kam zutage, dass dieses Reych unmittelbar nach der Grazia a.U. 15 (1574) gegründet worden war.
Da der Begriff Mutterreych damals noch nicht offiziell bestand, ist bis heute nicht zu eruieren, wer
die Mutter dieses Reyches war. Vermutlich war es die Praga selbst, wahrscheinlicher aber war es die
Grazia. Auch das genaue Datum des Unterganges dieses Reyches blieb unbekannt - vermutlich 1583
(a.U. 24). In einer allerersten Stammrolle (als Beilage zur Schlaraffenzeitung 1576 (a.U. 17) ist es mit
18 Sassen angeführt, in der Stammrolle 1581 (a.U. 22) mit 22 sesshaften und 6 fahrenden Rittern, 7
Junkern und 19 (!) Knappen, und auch noch 1582 (a.U. 23) mit 23 sesshafte, 6 fahrenden Rittern, 10
Junkern und 15 Knappen. In vielen Zeyttungsmeldungen hat die Canisa im Laufe ihres achtjährigen
Bestehens rege Zeugnisse davon abgegeben, dass es zu seiner Zeit ein blühendes Reych war. Für
die Stammrolle 1583 (a.U. 24) hat das Reych kein Sassenverzeichnis mehr eingeschickt und die h.
Praga notiert am 18. November 1582 in ihrer „Chronologia: „Das Reych Canisa hebt seine Sippun-
gen auf”. Es gilt ab nun auf rätselhafte Weise als verschollen und vergessen. Es scheint in keiner
der folgenden Stammrollen mehr auf. Auf Grund dieser Forschungsergebnisse des Rt Splendidus
über Canisa wurde dieses Reych a.U. 113 mit der Reychsnummer 4a wieder in die Stammrollen
aufgenommen und so der ewigen Vergessenheit entrissen.
Das „erste Reych Hammonia”
Ähnliches wie von der Canisa ist zu berichten über eine frühe Gründung eines ersten Reyches im
profanen Hamburg. Dieses Reych wurde Ende des Christmonds a.U. 15 (1574) als sechstes Reych
des damaligen Uhuversum ins Leben gerufen. Seine Mutter ist ebenfalls nicht mehr mit Sicherheit
festzustellen. Zweifelhaft ist eine Angabe aus früheren Zeiten, dass die h. Grazia die Mutter war. Es
ist eher anzunehmen, dass der h. Berolina dieses Privileg zusteht. Nachdem die erste Hammonia
in den ersten Stammrollen und in den Zeyttungsmeldungen präsent und als reges Reych erkennbar
war, wurde es nach siebenjährigem Bestehen im Windmond a.U. 22 (1581) von der h. Praga als
erloschen erklärt. Aber nur drei Monde danach, im Eismond (damals noch Schneemond genannt)
a.U. 23 entstand auf den Ruinen der ersten Hammonia eine neue Hammonia mit der Reychsnum-
mer 36.
Auch in diesem Falle bedurfte es der Rekonstruktion einer Chronik für die Erweckung der Erinne-
rung an diese vergessene erste Hammonia. Viele Jahre bemühte sich der Kantzler der neuen Ham-
monia, wld Rt Kon-ticki. Mit Hilfe einer Chronik, die der Archivar des Reyches Grazia, Rt Diabest,
ausarbeitete und Rt Kon-ticki zur Verfügung stellte, konnte letzterer den Allschlaraffenrat überzeu-
gen, sodass a.U. 135 die „alte Hammonia” mit der Reychsnummer 4b wieder in die Stammrolle
aufgenomme

[… Fortsetzung im Originalband]
Quelle: Chronik Band IV, S. 173-237