Der goldene Liederschatz Schlaraffias

Unbekannt ·Reychsgeschichten

Beschreibung

Die schlaraffischen Lieder und ihr musikalisches Erbe

Volltext

von den ungeheuersten Gefahren bedrohten Zeit zu hüten und ihm zu dienen
.dadurch, daß wir innerhalb unserer Möglichkeiten im Streben nach dem Er~
reidlbaren unser Bestes leisten.
Deshalb muß für Allschlaraffia heute mehr denn je die Losung heißen:
"Die wahren Lebenswerte liegen und gipfeln in der Kunst!", so wie es Fried~
rich Schiller, der zu früh Vollendete, in seiner unvergleichlichen Dichtung "Die
Künstler" zum Ausdruck brachte: Herrliek u~d groß ist die Me~scki1eit ge­
worden, stolz iur Geist, überragend ihre Gewalt, aber sie ist i~ Gefaur zu ver­
gesse~, wem sie dies Alles verda~ht: der Kunst, die dem lVle~sd!e~ i~ der
muuen, rohen Welt die Harmonie und die Sekönl1eit wies ~md in der SekÖI1­
Ijett die Wakrheit."
Die Kunst ist die höchste Blüte des Geistes - Anfang und Ende aller Kulturl
Deshalb die Mahnung:
"Der Me~sdlheit Würde ist in eHre HalId gegebel1,
bewahet siel
Sie sinht mit euek! Mit euek "arm sie siek fleben I"
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Lebensfreude,
und Humor
H um 0 r ist im Konzert des sChlaraffisChen Dreiklanges der tonangebende,
führende,
junge Solist und
der im SChalksgewand mit SChelmen­
kappe, mit einem weinenden und einem lachenden Auge, bald besinnliCh, bald
im närrischen Übennut Begeisterung und Lebensfreude auslöst und uns zum
Begriff des befreienden, erlSsenden,
Ladlens geworden ist.
Es ist seltsam, daß gerade die als Pessimisten bezeiChneten großen Denker
und die durch Armut und Entbehrung und Sdlicksalsschläge (wie Jean PauL
Raabe, Reuter) gegangenen Dichter, SChriftsteller, den reinsten Ausdruck für
das Wesen des Humors gefunden haben. So sagte Schopenhauer in seinem
Aufsatz "Zur Theorie des Lächerlichen" u. a. folgendes: daß
i,1 der deutschel1 Literatur "nu~lOristiscll" durchgäl1gig il1 der Be­
detltultg VOlt Iwmiscll überhaupt gebraucltt wird, oltspri11gt aus der erbärm­
lickel1 Sucht, de11 Di11ge11 ei11e11 vomeJHuerc11 Nametl zu gebe11, als in/ieH zu­
hommt, nämlich deH eilter über ilmel1 stekel1del1 Klasse; so will
Wirts­
nmts Hotel, jeder Geldwecllsler Bmlhier,
Reiterbude Zirkus etc.
deHmach
HCll15Wurst Humorist. Das Wort Hu,nor (das eigeHtlicll aus
lateil1iscl:eVl 111 Verbil1d/mg mit der Armeikul1de stmwl1t) ist 11011 dCI1 El1g­
läYldem eH iletl1tt, um eil1e bei il1I1el1 zuerst bemerkte, ganz eige11tiJmliche, sogar
dem Ertwbe/1eH verwa11dte Art des LächerlicheH auszuso11dem ul1d Z~I beuich·
l1eH, l1iclt! aber UHt jedot Spass uld jede Ha/1swurstiade dau1it zu betiteln, wie
es jetzt
olme Oppositior,t, gesdJielJt, 11011 LiterateH tmd Geleur­
teH, weil der wanre Begriff jel1er Abart, jener Geistesricht!mg,
Kil1des
des Liicherlichel1 und Erl1abei1e11 zu subtil und ZH feilt seift würde,
il1l'
welcltel11 zu gefalleft sie betnüht sind,"
Der wahre Humor hat von dem Leben
Es ist der Humor, der aus
der Tide des Gemütes bricht und uns alle in den Bann zwingt, der Humor, der
nicht ätzt und sticht, sondern streidlelt und wohltut. indem er
bei Jean
Paul) das ärmlic.~ste Dinge unter die Sonne liickt und mit deren leuchtenden
Strahlen
So ist der feine, herzlid1e Humor eigentlich immer eine
Babenbergia
Reychsfehde
Kyborgia
-
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ernste Sache. Er entspringt im Tiefsten dem Gemüt und dem Herzen und ist
nicht an Possenreißerei gebunden. Nicht die Fülle des Komischen macht den
Humoristen. Humor will die stete Lebensheiterkeit, der Komik genügt die
augenblickliche Erheiterung und will letztere die Lustigkeit, so ist der Humor
Lust an sich.
In Schlaraffia fließen in dem Sammelbegriff "Humor" beide ineinander. Hier
werden keine Grenzen gezogen. Zweck ist uns die allgemeine "L e ben s ­
fr e u d e und der "F roh m u tU, die uns über den profanen Alltag erheben
und uns die Kraft geben, im Kampf mit den Widerwärtigkeiten, Nöten und Un­
vollkommenheiten des Lebens zu bestehen.
F roh mut, herzwarm und echt, dazviischen Schelmenblick und fröh­
licher Geiß eis chlag I Das Goldene Lachen, das aus dem schlaraffischen Ge­
müte kommt und Siegel und Gipfel ist oder reine Freude am Scherze und dazu
jenes Lächeln, das ein Stück Lebensweisheit bedeutet! Teils ernst und besinn­
lich, teils leicht und übermütig, aber niemals schlüpfrig und wider die Sitte um
eines Knalleffektes wegenl Die gar zu Zimperlichen und Prüden und insbe­
sondere die Seichten und Lüsternen, sie haben bei uns nichts zu sucheIl. Und
die gar zu Literarischen und ewig Naseriimpfenden auch! Und wenn sie uns
Narren nennen, so sind wir Narren unseres Gefühls, unserer Lebensfreude und
unseres Glaubens an das unverlierbare und unsterbliche Göttliche im Men­
schen, im Sinne der Ewigkeitswerte und Ideale unseres Bundes!
EbHkt. L e n a u hat die begeisterten und begeisternden Worte gefunden:
"Wir wolleH das Bmmer der Freude durch die Lande tragen, wir wollen ladlen
~md glauben, daß der MensdJ ein Redlt hat auf SOHne lmd Glück! Dal1l1 wird
;eder VOll uns das sein, WOZ~j ihn eil1st der Rittersdl1ag verpflichtet hat, eiH
atjfrechter Streiter für eine frolte Welt, ein Troubadortr der Freude!
"Drum lebe hoch der ,Köl1ig Humor',
der Herrsdler 111 diesem LaHde!" (UrschI. Box)
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Das heilige Lachen
von R. C Cl r m eH, deHt Vie1saitigen, M011iu;hia
"VOH eiHel11 alten Sc111araffen":
Wie viele Jahre stad hingerauscht
seit wir zum ersten 1I1ale
vor Uhus Altären Schwüre getauscht,
berausdtt VOIN Ideale!
Die Stirn Wal' glatt und das Herz Will' jung
ilild üppig 110di die Behaamng.
Wir lausdJien lNit Jugel1dbegeistenmg
des U/m Offeflbi1l'Ltng
seitdem ist millIdIes Jahr;
wurden zu Alten;
der Bart und schütter das Haar,
voll Sorgenfalten.
Doch i"ll1g gebiiebca ist IHlser Herz
und seiH froltbegeistertes Pochen.
Und immer zieht es UI1S ultuwiirts
YJacl1 lal1gel1. sauerel1 Wochel1.
UHd sitzeH wir frott iH der Jugel1d Kreis,
mädlt'ge Gestaltel1,
wie schlägt UftS das Herz so froh UHd heiß!
Wie siHd i/mg geblieben die Altelil
Was ist es -
sagt -, was im Wuste der
im wilden Lebensgetriebe,
das Herz des Schlar"ffeH so jUHg
so jung erhält seiHe Liebe?
Das ist die "östliche Medizil1,
die alleiNe gesul1d IWI1i1 IJwchen,
d"s Itolte Erbgut, d"s UIIS verlieltl1,
das el'löseHde, l1eilige Lacheu!
Das YH"dlt das Herz Uft5 50 jt!l1g und froll,
wie's kaum in der Jugel1d
d"s Ist unsres BrJHdes A
und sein HreigeHstes WeselJ.
MaHch aHderer Bund führt der Freund·
[sch"ft PaHler,
die KUHst IHal1ch alldel'e lobeu;
doch das Iteilige LacheN habeil IHlf wir
ul1sere FaltHe erhobeil !
Es zie!;t durch UHsere Gebräuche hin,
durch utlSel' Raten uHd TateH;
selbst I!nsre heiligstel1 Zerer!toHiell,
sie hÖHHel1 seiH nicht el1trateJ1.
Nur Schwulst und BOl1tbast bedeHteten sie,
I1U;' leeres FormelgepräHge,
wem! nidlt des LachetlS Melodie
/1e11silbem d"zwisd1en
Des Ernstes bietet der Allt"g gelJllg,
dod1 im schlaraffischeH Lebeil
soll Itoch UHS zu der Sterne Zug
d"s giittlielle Ladleu erhebeN.
DeYH Pltilistertul1t lind der Eitel/eelt
soll m"l1chel1 Possen es spieletl,
al1 DÜl1he1 uHd alt Empfindlidtluit
seilt A1ütchen "UelI tapfer kaltlen.
Ul1d 11aute es selbst eiftYH,,1 tiber die Schnur
<md wUrd' es auch /teci, Ufle! verwegen ­
wollt doch elH Sdteluteftwiirtlell1 mir
f1idlt gleich auf die Goldwage legelI!
DeHht HEr) v,Jle wär' es t1J1i HHS hesrellt,
weHH das fröhliche Lacheu versiegte
lmd rmser Reyd1 wie dl'außeH die Welt
in verdrießlidwl1 Ernste sid1 wiegte!
Dfiotl41 He/m!t es, Schl"1'(1ffel1, il1 Eure RHt
es treulidl stets zu bew"ltreH
als UHseres Blmdes Itöstlichstes Gut:
d"s f r 0 11 e, das 11 eil i g e Ladw! !
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Frcttndsmaft und Brüderlichkeit
"Kunst und RUluor, die hdlren Geistespfilmzen,
sie treibetl, blühen aus Sd!laraffias Sdtoß I
Die Preundsd!aft aber wölb' sidt überm Gal1Zen,
madt' uns Sdtlaraffen reld! und gut und groß /"
Zum "Freundschaftschließen" und zur "Brüderlichkeit" gehören mindestens
immer zwei. Freundschaft und Brüderlichkeit sind wie ein hoher, reiner Him~
meL sich spannend von einem Herzen zum andern oder viele überwölbend.
Und ein Drittes gehört noch dazu: das "Vertrauen". Es ist die Blüte der Be~
währung wirklicher reiner Lieb

[… Fortsetzung im Originalband]
Quelle: Chronik Band I, S. 345-363