253 Möllmia
Im Sinne des Wortes 25 bewegte Jahre der Möllmia. Die Sassen mussten mit ansehen, wie ihre
Burg Nibelheim gleich zweimal trotz erbitterter Gegenwehr geschliffen wurde. Der Vertreibung aus
den Hinterzimmern des Hotels Handelshof folgte in der Winterung 138/139 ein Neubeginn in den
Räumen der evangelischen Gemeinde am Kirchenhügel.
Hier blieb dem Burgvogt nur wenig Spielraum zur Ausschmückung des Rittersaales. Umso eifriger
und fröhlicher ließen sich aber die Sassen vom schlaraffischen Spiel mitreißen.
Es war eine Zeit, in der gerade die Unvollkommenheit der Burg die Sassen scheinbar zur Vollkom-
menheit im Spiel animierte, etwa dann, wenn Rt Don Akkordo (Musikdirektor Arnold Kempkens)
zuliebe Heerscharen von Musizi einritten und der Kunst huldigten.
Regelmäßig zählten diese Sippungen zu den Höhepunkten, insbesondere aber die 1.417. am 1.1.
a.U. 132, als das Reich im Rittersaal des Schloss Broich mit vielen Freunden ein Feuerwerk schlaraf-
fischen Tuns erleben durfte.
Zu den herausragenden Festlichkeiten gehörten auch das 66. Stiftungsfest am 7.12 a.U. 131 sowie
das 77. am 8.12. a.U. 142 jeweils im Festsaal des Hotels Handelshof.
Der Schwung ließ auch nicht an jenen Tagen nach, als gegen Ende der Winterung 144/145 wieder
die Burg aufgegeben werden musste und man von den tristen Äußerlichkeiten ungetrübt im Keller
eines im Umbau befindlichen Sportgeschäftes sippte. Seither hat das Reich nun Unterschlupf im
Logenhaus Friedrichstraße gefunden. Auch hier gilt es, der Phantasie Raum zu geben und sich von
der Nüchternheit des Rittersaales das Spiel nicht verderben zu lassen.
Aber vielleicht ist gerade das ein Markenzeichen der Möllmia, dass sie es allen Äußerlichkeiten zum
Trotz versteht, den güldenen Ball im Spiel zu halten. Dies gelingt offenbar ganz gut, denn die Anzahl
der Sassen steigerte sich in den 25 Jahren trotz einiger schmerzlicher Ahallaritte kontinuierlich.
Im Jahre a.U. 124 führte die Stammrolle 20 Ritter, 4 Junker und 2 Knappen. Zu Beginn der Win-
terung a.U. 148/149 besteht das Reich aus 23 sesshaften Rittern, 2 Fahrenden, 5 Junkern und 5
Knappen. Die stattliche Anzahl an Nachwuchs lässt sich wohl an Rt Heppiness (Gerhard Schnürch)
festmachen, der sich seit Amtsantritt als Junkermeister mit viel Freude seiner Aufgabe widmet und
seine Pflicht nicht am Ende der Sippungen als erledigt ansieht.
Der Aufschwung des Reiches hat aber auch noch andere Ursachen. So prägen nicht beinharte Be-
achtung von Spiegel und Ceremoniale die Sippungsabende. Es ist vielmehr die Besinnung auf den
Ursprung der Schlaraffia und im Zweifel wird deshalb der Fröhlichkeit Vorrang gegeben.
Auf diese Weise werden in der Möllmia die Regeln niemals zum Selbstzweck. Für diese Einstellung
standen und stehen die seit a.U. 124 amtierenden Oberschlaraffen, insbesondere, obwohl sie ei-
gentlich als profane Richter zur strengsten Einhaltung der Gesetze erzogen sein müssten, die Rtt
Ju-krates (Karlheinz Joswig) und Histörchen (Erhard Wetterich), der erstmals a.U. 127 gewählt nach
kurzer Unterbrechung seit a.U. 138 wieder einen Platz auf dem Thron einnimmt. Dass die Möllmia
den Scharm von jenem „kleinen gallischen Dorf” hat und als „schräges” Reich gilt, wie es Rt His-
törchen einmal formulierte, wird auch vom Sprengelfürsten Don Attakko (166) toleriert, denn nach
ihm kann sich jeder Sprengel eine Möllmia leisten.
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255 Guntia
Ab der Jahrung a.U. 124 konnte die Guntia, die bislang mit 38 Sassen ein in sich geschlossener Kreis
war, einen langsamen, aber stetigen Zuwachs an sippungsfreudigen Sassen verzeichnen.
Wenn auch so einzigartige Sassen wie die Rtt Allotria, Brunnozulus oder Scheri die Rittertafel ver-
lassen mussten, so hatte die Guntia a.U. 130 schon 46 Freunde, die sich wöchentlich trafen. Die
Junkertafel war stets gut besetzt und das Reych hatte keine Nachwuchssorgen.
Unter einem Junkermeister Sauerzipfl, der gerade die Jungen förderte und stets zu neuen Aktivitä-
ten animierte, wuchsen Ritter heran, die langsam in die Fußstapfen der Altvorderen traten. Hatten
diese in schwierigen Zeiten unser Reych wiederbelebt, übernahmen nun die Jüngeren langsam das
Ruder.
Die Rtt Acanthurus, Siebenriem und Quartus bildeten auf dem Thron eine harmonische Einheit
aus Funktion und Führung des Reyches. Die sogenannten Palmeselritte der Hkt Acanthurus und
Siebenriem, die alljährlich mit wechselnden Freunden ins Uhuversum veranstaltet wurden, sind
noch heute in Erinnerung.
Die Bande der Freundschaft, die sie knüpften und auch pflegten, verbinden unser Reych noch im-
mer mit vielen Reychen der Süddeutschen Gemarkungen. Besonders zu erwähnen sind die frie-
densstiftenden Bemühungen der damaligen Fungierenden bei der Gründung des Reyches 410, die
nicht ganz schmerzlos aber letztlich doch freundschaftlich erfolgte.
Die Jahrungen von a.U. 130 bis a.U. 135 verliefen harmonisch, aber wir hatten auch wieder schmerz-
liche Verluste. Die Ahallaritte unserer Freunde Fest am Seil und Sven Hindus haben uns besonders
getroffen. Die geistvollen Beiträge unseres Freundes Sven Hindus sind bis heute unerreicht geblie-
ben.
Zahlreiche Einritte von Freunden aus umliegenden und erfreulicherweise auch aus weit entfernten
Reychen bescherten uns manch fröhlichen Sippungsabend und die nachfolgenden Krystallinen in
der Guntia sind weithin bekannt und beliebt. Der Gedankenaustausch unter Freunden dauerte an
manchen Abenden bis weit über die Mitternachtsstunde hinaus.
Wechselnde Themen zu den Sippungsabenden haben dazu beigetragen, dass für viele Freunde ein
Ausritt in die Guntia bleibende Erinnerungen hinterlassen hat. Auch wir erinnern uns noch gern an
die Ausritte mit unseren Burgfrauen in das hohe Reych Linzia, zur Urgroßmutter Grazia und zu den
Freunden d.h. Reyches Aurelia Aquensis.
Wir haben viel erlebt und gesehen als eine große schlaraffische Familie. Das herausragende Ereignis
war unser 75. Stiftungsfest in der Jahrung 141. Aus 46 Reychen gaben uns 170 Ritter mit Ihrem Tross
die Ehre und unsere Stadthalle war mit nahezu 500 Personen bis auf den letzten Platz gefüllt. Die
Fechser der geschlossenen Fechsungsliste brachten uns Beiträge zu Gehör, die für alle unvergessen
bleiben werden.
Das neue Jahrtausend begann für die Guntia erfreulich. Die Zahl der Sassen hatte sich auf nahezu
50 erhöht. Wir hatten viele Einritte und der Thron war dank Uhu in guten Händen. Oho schmälerte
unser Wohlfühlgefühl bedauerlicherweise aber erheblich, indem er in den letzten Jahrungen Ritter
wie Siebenriem, Acanthurus, Kuhlombo und zuletzt unseren Schatzmeister Laniculus, der 52 Jahre
unseren Mammon verwaltete, an die ewige Rittertafel abberufen hat. Trotz einiger Rückschläge
schauen wir aber positiv in die Zukunft. Das Reych ist gut aufgestellt und wir erwarten die nächsten
Jahrungen frohgemut. Die Guntia wird nicht spektakulär glänzen, sie bleibt im Uhuversum aber ein
Reych der Freunde für Freunde.
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