Reych Nr. 153

Federer, Heinrich

Unbekannt ·D-F

Beschreibung

Federer, Heinrich Dr. h.c.
Titel: Hans Guckebueb
Reych: Nr. 153 Galla Helvetica (St. Gallen)
Geb.: 06.10.1866 in Brienz
Gest.: 29.04.1928 in Zürich

Volltext

schweizer Priester und Schriftsteller Paul Federer, Heinrichs Vater, stand bereits unter einem sinkenden Stern, als sein Sohn Heinrich geboren wurde. Von der Münchner Kunstakademie, wo er Kaulbachs Malschüler war, ging er zur Bildhauerei über und wurde nach Brienz an die Schnitzerschule berufen. Hier hat er die junge Witwe Verena, geb. Nägeli, geheiratet. Paul Federer war ein ruheloser Geist und nicht in der Lage, seiner Familie eine gesicherte Existenz zu bieten. Zu der durch des Vaters unstetes Vagabundenleben verschuldeten Armut kam in frühesten Jahren das den jungen Heinrich schwer bedrängende Asthmaleiden, das ihn zeitlebens bedrohte. Nach dem Umzug nach Samen ging Federer dort ins Gymnasium. Seine benediktinischen Lehrer hatten es verstanden, die Talente des begabten Schülers zur Entfaltung zu bringen. Schmerzvoll war die Wunde im Herzen Heinrichs, als ihm im gleichen Jahre wie der Vater auch seine treusorgende Mutter entrissen wurde. Im Herbst 1887 verließ er Obwalden, um die Gymnasialstudien am Kollegium in Schwyz zu beenden, trat dem Schweizenschen Studentenbund bei und veröffentlichte in der Zeitschrift „Monatrosen" seine ersten Gedichte. Immer mehr befasste er sich mit der Berufsfrage Benediktiner oder Weltgeistlicher. Federer begann sein Theologiestudium im Seminar zu Eichstätt mit weiteren Stationen in Luzern und Freiburg / Uchtland. Mühevoll schleppte sich der Asthmakranke in die Hörsäle, musste 1891 das Studium unterbrechen, um in Sachseln Erholung zu suchen und machte eine Nachkur in Locarno. Neben der Dichtkunst beseelte ihn auch das Interesse an der Malerei und Skulptur, wie einst seinen Vater. Nach Beendigung seines Theologiestudiums in St. Georgen bei St. Gallen wurde er dort zum Priester geweiht und als Kaplan in der Pfarrei Jonschwil eingesetzt. Dort schrieb er für den Jünglingsverein ein Drama „Colombo". Die Bühne schien ihm das beste Mittel, seinen Namen bekannt zu machen und so begann er mit der Aufzeichnung seines Dramas „Thomas Bekket", das 1898 aufgeführt wurde. Immer wieder suchte er in den Bergen und in dem Obwalder Ländchen Erholung und Linderung seines 1899 gab er den Priesterberuf auf, um sich ganz der Schriftstellerei widmen zu können. Er ließ sich zunächst als Journalist und Redakteur von den katholischen „Züricher Nachrichten" engagieren, bevor er ab 1902 als freier Schriftsteller in Zürich tätig war. Häufige Aufenthalte in Italien, Graubünden und im Appenzellerland wurden notwendig, um den Kampf um sein Leben als Asthmatiker immer weiterführen zu können. Es waren magere Jahre mit wenig Verdienst. Er schrieb einen Napoleonroman für die Schublade „Wessen Sohn?". 1910 brachte endlich eine Wende. Seine Novelle „Vater und Sohn im Examen" wurde in Berlin preisgekrönt und Erstdrucke seiner Werke folgten in mehreren Zeitschriften, wie „Schweiz“, „Westermanns Monatshefte", „Velhagen und Klassings Monatshefte" und „Alte und Neue Welt", von denen die bekanntesten genannt sein sollen: „Berge und Menschen", „Pilatus", „Jungfer Therese", „Regina Lob“, „Lachweiler Geschichten", „Sisto e Sesto", „Patria", „Umbrische Reisegeschichten", „Der Fürchtemacher", eine Geschichte aus der Urschweiz, ferner „Wander- und Wundergeschichten", das Märchen „Fritz Nock", „Der heilige Franz von Assisi" und das Buch „Am Fenster". 1915 erhielt Federer von der Schillerstiftung 1000 Franken. 1919 wurde der Dichter von der philos. Fakultät der Universität Bern zum Dr. phil. h. C. ernannt. Für den Roman „Papst und Kaiser im Dorf' erhielt er den Gottfried-Keller-Preis der Martin-Bodmer-Stiftung mit 6000 Franken und zum 60. Geburtstag als Auszeichnung seines Lebenswerkes von der Schweizer Schillerstiftung die Ehrengabe von 2000 Franken (1926). Zwei Jahre später fand der Ehrenbürger von Sachseln und Obenvalden auf dem Rehalp-Friedhof in Zürich seine letzte Ruhestätte. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt