Beschreibung
Kishon, Ephraim (auch Hoffmann, Ferenc)
Titel: Blaumilch
Reych: Nr. 168 Dornbirna (Dornbirn)
Geb.: 23.08.1924 in Budapest
Gest.: 29.01.2005 in Meistersrüte
Volltext
israelischer Satiriker und Schriftsteller Er hat uns in fast fünf Jahrzehnten mehr Heiterkeit gestiftet als es diese, unsere Zeit eigentlich zulässt. Es gibt kaum einen Schriftsteller dessen Humorstruktur sich so nahtlos eins zu eins mit unserer schlaraffischen Auffassung von Witz und heiterem Geist deckt. Im Grunde war Kishon schon immer Schlaraffe, er wusste es nur nicht. Jetzt weiß er’s! Seine Einstellung zur modernen Kunst, nämlich zu dem Teil, der die Bezeichnung „Kunst“ nur unter großem Vorbehalt verdient, war bis zur Radikalität sehr deutlich. Kishon war als Fachmann ein „Leidender“ am Niedergang dieses Teiles der modernen Kunst. Er rechnete mit dem Kunstmarkt unsrer Tage unerbittlich ab, sehr provokant aber auf eine sehr amüsante Weise. Kishon zum Thema: „Ich habe niemals daran gezweifelt, dass die Wellenreiter der heutigen Kunst in Wahrheit lupenreine Humoristen sind. Künstler, die innerhalb von fünf Minuten aus einem alten Vogelkäfig, einer defekten Nähmaschine und einigen Küchenresten ein modernes Kunstwerk entstehen lassen und neben ihrer „Collage“ mit todernstem und feierlichem Gesichtsausdruck posieren, können nur hochkarätige Satiriker sein, die auf diese Weise in aller Öffentlichkeit ihre tiefe Verachtung für geistig zurückgebliebene Mitmenschen zum Ausdruck bringen. Erkennt man den Unterhaltungswert solcher Aktionen, dann kann man sie wirklich genießen. Daher besuche ich, so oft es mir möglich ist Ausstellungen avantgardistischer Kunst. Das dort gebotene Kunstkabarett gehört zum Amüsantesten was derzeit an Unterhaltung geboten wird. Ich frage, welcher Humorist kann schon mit einem „Gemälde“ konkurrieren, das lediglich aus einem Rahmen besteht? Im Katalog steht: Die Wand hinter dem Werk bildet den dialektischen Impetus zur illuminösen Ambivalenz, deren Identität als Mythos unserer Zeit erscheint. Man sollte eigentlich gar nicht die Bilder aufhängen – sondern die dazugehörigen Kommentare! Und zwischen all diesen unergründlichen Kunstwerken bewegen sich auf Zehenspitzen andächtige Schwachköpfe mit verzücktem Gesicht, halten krampfhaft am luxuriösen Katalog fest und murmeln verstört vor sich hin: Na ja vielleicht…..wer weiß…..wenn’s alle sagen…..es muss doch irgendwas dahinter stecken. Aber ich kann Euch beruhigen. Nichts steckt dahinter, nichts außer einem fetten Geschäft für wichtig – und geheimnisvoll tuende Kunsthändler!! Denn die Schönheit ist für die heutige Kunst gestorben, sie lebt nur noch in Werken die hundert oder mehr Jahre alt sind und Immunität genießen. Die Gegenwart gehört der Ästhetik von Mülldeponien. Manchmal frage ich mich wie lange das Publikum sich diese monströse Fopperei noch gefallen lässt. Wie lange kann man mit dem gesunden Menschenverstand Verstecken spielen? Anscheinend ewig!!“ Und was sagte Pablo Picasso in seinem künstlerischen Testament? „Ich habe die Kritiker mit den zahllosen Scherzen zufrieden gestellt, die mir einfielen und die sie umso mehr bewunderten, je weniger sie ihnen verständlich waren. Ich bin heute nicht nur berühmt, sondern auch reich. Wenn ich aber allein mit mir bin, kann ich mich nicht als Künstler im großen Sinne des Wortes betrachten. Ich bin nur ein Clown, der seine Zeit verstanden und alles herausgeholt hat aus der Dummheit, der Lüsternheit und Eitelkeit der Zeitgenossen.“ Picasso war natürlich kein Clown, er war auch kein Scharlatan. Er war ein sarkastischer Kommentator seines verwirrten Zeitalters, ein genialer Archivar der menschlichen Dummheit, denn man kann viele Leute einige Zeit und einige Leute lange Zeit, aber alle Leute ewig zum Narren halten. Aber Freunde, Uhu sei Dank, wir Schlaraffen stehen über den Dingen. Wir beurteilen das alles unaufgeregt, tolerant, mit kühlem Kopf aber mit wachen Augen und natürlich auch kritisch. Jeder von uns hat seinen eigenen persönlichen Standpunkt, den er für richtig hält. Aber ich glaube es kann nicht schaden, manchmal mit der Realität konfrontiert zu werden. Kishon hat bekanntlich viele Facetten. Unter anderem eben auch diese provokante Sicht des heutigen Kunstmarktes. Wichtig scheint mir, das er uns anregt, darüber nachzudenken und sich selber zu opotionieren. Seine Breitseite ist und bleibt aber die Ironie und die Satire. So bleibt er auch bei uns. Und wir werden ganz sicher immer wieder bei unserem Ehrenschlaraffen Blaumilch aus dem Vollen schöpfen können. Er hat uns dafür genügend Material hinterlassen. Kishon hat längst seinen Platz in der Literatur gefunden und er wird ihn behalten. (Text (leicht gekürzt): Rt. Artanis (168))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt