Beschreibung
Kubin, Alfred
Titel: Zwickledter
Reych: Nr. 211 Scardinga (Schärding / Oberösterreich)
Geb.: 10.04.1877 in Leitmeritz
Gest.: 20.08.1959 in Zwickledt
Volltext
Zeichner und Buchillustrator Alfred Leopold Isidor Kubin wurde 1877 in Leitmeritz in Nordböhmen geboren. Nach dem Tod der Mutter waren Alfreds Kinder- und Jugendjahre unruhig und von missratenen Schul- und Ausbildungsversuchen erfüllt. Er konnte die Erwartungen seines strengen und autoritären Vaters nicht erfüllen. So erlernte er schließlich bei einem Verwandten in Klagenfurt das Fotografenhandwerk. Vom Frühjahr 1898 an durfte er in München studieren. Zwei Jahre an der privaten Kunstschule des Malers Schmidt-Reutte, anschließend an der Kunstakademie Grafik und Malerei. Die wichtigsten Anregungen für sein künstlerisches Schaffen bekam Kubin aber nicht durch das Studium, sondern in der Pinakothek durch die Werke von Künstlern wie Klinger, Munch, Redon und Goya, wie auch durch seine Freundschaft mit Paul Klee. Zu einem regulären Abschluss der Studien gelangte er nicht, weil ihn etwa von 1901 an eigener Schaffensrausch überfiel. Immerhin konnte der Künstler mit seinen ersten selbständigen Werken bereits 1902 in Berlin debütieren. Er bevorzugte Themen von fantastischer spukhaft-unheimlicher Irrealität. Mit der Verlobung mit Emmy Bayer hatte sein irdisches Glück seinen Höhepunkt erreicht. Doch die Braut erkrankte und starb. Verzweifelt begann Kubin sich gesundheitlich und finanziell zugrunde zu richten. Doch da lernte er Hedwig Gründler kennen. Sie war gebildet und wohlhabend und wurde 1904 seine Frau. Sie konnte seinem Leben eine gesicherte Basis und seinem Schaffen den Segen einer geordneten Atmosphäre bieten. Sein Vater, inzwischen in Schärding ansässig vermittelte den Kauf des Schlösschens in Zwickledt. Hier sollte er die restlichen 53 Jahre seines Lebens verbringen. Der Tod seines Vaters 1907 brachte sein bildnerisches Schaffen zum Stocken. Um diesen inneren Druck abzubauen, schrieb er den phantastischen Roman „Die andere Seite“. 1909 trat er in die von Wassily Kandinsky gegründete „Neue Künstlervereinigung“ ein und bildete 1911 mit Kandinsky, Franz Marc und Gabriele Münter die Gemeinschaft „Der blaue Reiter“. Im Laufe der Zeit beschränkte sich Kubin fast ausschließlich auf Federzeichnungen und verzichtete auf getönte Farben und Flächen und war damit zu einer leicht reproduzierbaren Druckvorlage gelangt, welche die Voraussetzung für sein zweites Arbeitsgebiet, die Illustration, bildete. Eingeleitet wurde die Fülle dieser folgenden Buchgraphiken mit einer 6-bändigen Ausgabe der Werke Edgar Ellen Poes 1908 bis 1911. Es folgten Illustrationen für Autoren wie Dostojewsky, E.T.A. Hoffmann, Voltaire, Honore de Balsac, Gerhard Hauptmann, Franz Werfel, Hermann Hesse, Thomas Mann, Gogol, Turgenjew, u.v.a. Daneben schuf er Mappenwerke, Zyklen, und Lithographien in unübersehbarer Zahl. Im 1. Weltkrieg entstand nicht von ungefähr sein umfangreicher Totentanz. Die Zwischenkriegszeit führte auch qualitativ zum Höhepunkt seines Schaffens. Die nie zu verschmerzende Lücke hinterließ aber Hedwig Kubin, seine kluge, mütterlich sorgende Frau, die 1948 sterben musste. Seine außerordentliche Gesamtleistung wurde 1955 – abermals mit Zeichnungen für phantastische Erzählungen Poes abgeschlossen. Am 20. August 1959 erlosch sein Dasein in einer winzigen Kammer seines Wohnsitzes Zwickledt: still und vereinsamt. An seinem Grab ragte unter allem, was im Namen in- und ausländischer Institutionen gesprochen wurde, ein Wort des damaligen LH Heinrich Gleissner hervor, der feststellte, dass dieses Bundesland nach Anton Bruckner, Adalbert Stifter und Franz Stelzhamer, (übrigens alle Ehrenschlaraffen) im verewigten Alfred Kubin einen vierten unvergänglichen Genius aufgenommen habe. (Text (gekürzt): Rt. Tri-Gnom (319))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt