Reych Nr. 231

Reichl, Josef

Unbekannt ·P-R

Beschreibung

Reichl, Josef
Titel: Bliamal das Hoanzngmüat
Reych: Nr. 231 Ferrostadia (Eisenstadt)
Geb.: 19.06.1860 in Güssing
Gest.: 09.12.1924 in Wien

Volltext

österreichischer Schriftsteller Josef Reichl (bis 1911 Reichel geschrieben) ist als Sohn eines Landarbeiters geboren und kam nach der Hutmacherlehre als Handwerksgeselle durch viele Städte der österr.-ungarischen Monarchie und Deutschlands bis nach Brüssel. Mit 26 Jahren kehrte er nach Wien zurück, wo er 1892 Geschäftsführer einer Hutfabrik wurde, bis er sich schließlich selbstständig machte. Die Bekanntschaft mit Patry brachte Reichl, der sich für den Anschluss Westungarns an Österreich einsetzte, in Verbindung mit dem Verein zur Erhaltung des Deutschtums in Ungarn, in dem er eine rege Vortragstätigkeit entwickelte. Seine ersten Arbeiten erschienen in Zeitungen und Zeitschriften wie „Meggendorfer Blätter", „Die Jugend" und „Von der Heide“ (1914) und behandeln das Heanzenland (Raabtal) und die soziale Notlange der Kleinbauern. Als 1918 sein erstes Gedichtbändchen, „Hinta Pfluag und Aarn" erschien, war Reichl bereits allgemein bekannt. Ein Gedichtband nach dem anderen folgte und beglückte uns, „Va Gmüat za Gmüat" (1923), „Vamischts", „Loandflucht und Hoamweh" (1924). Damischen erschien ein Bändchen Dorfgeschichten, „Hulzschnitt" betitelt. Neben seinen Mundartgedichten verfasste er auch Prosa. Sein Volksstück „Landflucht“ wurde in seinem Sterbejahr in Wien aufgeführt. Das Burgenland, bis 1918 zu Ungarn gehörend, beherbergte als Grenzland schon immer verschiedene Volks- und Sprachgruppen. Neben den Ungarn, den Kroaten waren es Österreicher und die sogenannten Heinzen, die schon 1076 unter Heinrich IV (daher der Name) als oberfränkische Kolonisten ins Land kamen und ihren Hoinzen - auch Heanzen - Dialekt bewahrten. Reichl war der erste Dichter des neugeschaffenen Burgenlandes und trug auch als erster die Mundart der „Hoinzen" über die Grenzen des Landes hinaus. Er artikulierte die soziale und kulturelle Problematik dieser Minderheit und machte ihre Sprache literaturfähig. Josef-Reichl-Bund, bedeutendste burgenIändische „Mundartendichter-Vereinigung", in Güssing weiter wahrgenommen. (Text: Rt. Schmierfex (231))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt