Beschreibung
Reuter, Fritz
Titel: Bräsig
Reych: Nr. 344 Perla Sylta (Westerland)
Geb.: 07.11.1810 in Stavenhagen
Gest.: 12.07.1874 in Eisenach
Volltext
deutscher Dichter Als Sohn des Bürgermeisters seiner Vaterstadt besuchte er die Gymnasien in Friedland und Parchim und ging gegen seinen Willen auf Befehl seines Vaters nach Rostock auf die Universität, um Jura zu studieren. Er widmete sich aber mehr einem leichten Leben, als seinem Studium und hatte daher ständig briefliche Kämpfe mit seinem Vater zu bestehen. 1832 siedelte Reuter nach Jena über und trat in eine Burschenschaft ein, schied aber bereits nach einem Jahr wieder aus eigenem Entschluss aus. Vom Vater zurückgerufen, wurde er zur Fortsetzung seiner Studien nach Berlin geschickt. Reuter zog es aber vor, nach Leipzig zu gehen. Da man ihm dort die Immatrikulation verweigerte, weil er sich in Jena an einem Exzess beteiligt haben solle, wollte er die Heimreise über Berlin antreten, wo er verhaftet und auf die Festung Silberberg überführt wurde (1834). Erst 1837 erfuhr er das Urteil „Todesstrafe“, das in dreißigjährige Festungshaft umgewandelt wurde. Nach wiederholten Bemühungen seines Vaters wurde die Strafe auf 8 Jahre herabgesetzt und eine Auslieferung an Mecklenburg bewilligt. Die Amnestie beim Regierungsantritt Friedrich Wilhelm IV. gab ihm seine Freiheit wieder. Zunächst ließ er sich abermals zur Fortführung seines Studiums bewegen, ging nach Heidelberg, wo er seinem durch die Festungshaft verstärkten Laster des Trunks verfiel, dass er auf das Studium verzichtete und sich nun mit väterlicher Erlaubnis der Landwirtschaft widmete. Die dreijährige Ausbildung tat ihm körperlich und seelisch gut. Damals entstanden seine ersten schriftstellerischen Versuche ohne sie zu veröffentlichen. Als 1845 sein Vater starb und das Testament einer Enterbung Reuters gleichkam, wechselte er seinen Beruf abermals und wurde Hauslehrer in Treptow/Pommern. Jetzt gab er auf Zureden seiner Freunde seine zahlreichen gereimten Anekdoten heraus, die 1853 im Selbstverlag unter dem Titel „Läuschen un Rimels" erschienen und großen Erfolg hatten. 1856 zog Reuter nach Neubrandenburg und widmete sich ausschließlich der Schriftstellerei. Die nächsten sieben Jahre waren seine fruchtbarste Zeit. Es entstanden rasch hintereinander „De Reis' nach Belligen", „Kein Hüsing", „Hanne Nüte", „Ut de Franzosentid" und sein großer Roman „Ut mine Stromtid". Reuters Ruhm wuchs rasch. 1863 siedelte er nach Eisenach über, machte ein Jahr später eine große Orientreise, die er später in der „Reis' nah Konstantinopel" beschrieb. Heimgekehrt konnte er sich ein eigenes Grundstück am Fuße der Wartburg kaufen und eine reizende Villa nach seinem und seiner Frau Geschmack bauen. 1874 traf ihn ein Schlaganfall, der ihn an den Rollstuhl bannte. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt