Reichardt, Johann Friedrich

Unbekannt ·P-R

Beschreibung

Reichardt, Johann Friedrich
Geb.: 25. 11.1752 in Königsberg in Preußen
Gest.: 27.06.1814 in Giebichenstein bei Halle

Volltext

deutscher Komponist, Musikschriftsteller und -kritiker Wer war ES Dichterparadies und warum fand die Hala Salensis ausgerechnet ihn so Immerhin wurde ihm zu Lebzeiten die Gedicht- und Liedsammlung „Des Knaben Wunderhorn“ gewidmet. Zu einigen der Stücke dieser Sammlung existieren Vertonungen von Reichhardt. Ein derartiges Lied ist das Lied „Schlaf, Kindlein, schlaf“. Die heute bekannte Melodie dieses wohl deutlich älteren Volksliedes geht auf ES Dichterparadies zurück, der dieses Lied 1798 in seine Sammlung „Wiegenlieder für gute deutsche Mütter“ aufnahm. Das Schaffen des ES Dichterparadies umfasst neben Sonaten und Konzerten für verschiedene Instrumente kammermusikalischen verschiedene Gesangsstücke. Neben Kompositionen hinterließ ES Dichterparadies auch mehrere literarische Werke gemischten Inhalts. Das Leben des ES Dichterparadies verlief nicht wirklich geradlinig. Seine Position als Hofkapellmeister in Berlin verlor er durch die wohl etwas zu unverhüllt gezeigte Sympathie zur Französischen Revolution. Für Halle an der Saale war dies ein Glücksfall, denn nach seiner Begnadigung wurde er nicht wieder als Hofkapellmeister eingestellt, sondern als Saline-Direktor nach Halle berufen. Dort fand er weiterhin die Muße zur Musik. Von seinen Liedkompositionen abgesehen sind die meisten seiner musikalischen Schöpfungen heute weitestgehend vergessen, obwohl z. B. bei seinen Cembalosonaten vor allem die langsamen Sätze von teilweise erstaunlicher Schönheit sind. Zu seinen bekanntesten Kompositionen gehört das Lied „Bunt sind schon die Wälder“. Die Kompositionstätigkeit des ES Dichterparadies wäre alleine schon Grund genug, ihn zum Ehrenschlaraffen der Hala Salensis zu machen. Ein weiterer Grund liegt jedoch in seiner Bedeutung als Besitzer der „Herberge der Romantik“, eben jenes Dichterparadieses, welches für seinen Ehrenschlaraffennamen Pate stand. Dieses Dichterparadies im heutigen Stadtteil und früheren Vorort Halles, der nach der dortigen Burg Giebichenstein benannt ist, stellte einen Anziehungspunkt für zahlreiche Dichter der Romantik dar. Natürlich wird auch die schöne Aussicht auf die Saale und die Töchter des ES die Dichter dazu bewogen haben, diesen Ort aufzusuchen. Novalis, Jean Paul, Ludwig Tieck, Achim und Bettina von Arnim, Clemens Brentano, Wilhelm Grimm und nicht zuletzt Johann Wolfgang Goethe waren hier zu Gast. Auf der Suche nach der blauen Blume gelangten diese Dichter in das Dichterparadies, blieben länger oder kamen nach Unterbrechungen zurück. Die blaue Blume, so möchten wir vermuten, hat der eine oder andere hier sogar geglaubt gefunden zu haben. Heute stellt das als „Reichardts Garten“ bekannte Stückchen Natur inmitten der Saalestadt nur noch ein mehr oder weniger blasses Nachbild des einstigen Idylls dar, man kann beim dortigen Lustwandeln allerdings noch immer ein kleines Bisschen vom früheren Reiz spüren. Wir möchten nicht so weit gehen zu behaupten, ohne das Dichterparadies und ohne den ES Dichterparadies hätte es keine Romantik gegeben, das künstlerische Erbe dieser Zeit wäre aber zweifelsfrei ein anderes (Text: Rt Virus (417))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt