Beschreibung
Schliemann, Heinrich
Titel: Troja
Reych: Nr. 229 Losangela California (Los Angeles)
Geb.: 06.01.1822 in Neubuckow
Gest.: 26.12.1890 in Neapel
Volltext
deutscher Kaufmann und Archäologe Wenn man Schliemanns Kindheit betrachtet, verwundert es um so mehr, dass aus dem armen mecklenburger Pfarrerssohn einer der bedeutendsten Forscher des 19. Jahrhunderts werden sollte. Aufgewachsen mit 8 Geschwistern und benannt nach seinem verstorbenen Bruder verlor er früh die Mutter, der Vater verließ die Familie und brachte Heinrich bei seinem Onkel unter. Der konnte ihm keine ausgiebige Schulbildung finanzieren, zumal Heinrich ein schlechter Schüler war, insbesondere in Latein brachte er die schlechteste Note nach Hause. So begann er im Alter von 14 Jahren eine Krämerlehre, die ihm nach einem Unfall gekündigt wurde. Schliemann ging auf Wanderschaft, und heuerte in Hamburg als Schiffsjunge an. Vor Holland strandete das Schiff und Schliemann konnte nur mit Glück gerettet werden. Schliemann war aufgrund dieser Erlebnisse und einer Kleinwüchsigkeit ein Leben lang auf der Suche nach seiner Identität, was zu einer Arbeitswut, fortwährendem Lernen fremder Sprachen und unstetem Reisen führte. 1846 wurde er mit der Gründung einer Handelsniederlassung in St. Petersburg beauftragt und erwarb sich mit einem besonderen Gespür für das Geschäftliche beim Goldrausch in Kalifornien, im Krimkrieg und im Amerikanischen Bürgerkrieg ein Vermögen von mehreren Millionen Dollar. 1866 zog er sich aus den Geschäften zurück und studierte in Paris. 1868 beschloss er, nach Griechenland zu reisen und Troja zu entdecken, um den Nachweis anzutreten, dass Homers Ilias keine Fiktion war, sondern auf Tatsachen beruhte. Bei seinem Vorgehen bediente er sich nicht immer legaler Mittel. Die Scheidung von seiner russischen Frau konnte er nur durch die betrügerisch erworbene amerikanische Staatsbürgerschaft schnell durchziehen, auch ohne Abitur, Studium und Doktorarbeit erwarb er den Titel „Dr. der Philologie und der freien Künste“ und seine Ausgrabungen in Griechenland begannen mit nicht genehmigten Probegrabungen. Bei den ersten Grabungen ging er äußerst unprofessionell vor und zerstörte viele historische Spuren. 1873 sollte er dennoch einen Palast mit einem über 8.000 Stücken umfassenden Schatz ausgraben. Irrtümlich hielt er diesen für den Schatz des Priamos. Mit dieser Wiederentdeckung der mykenischen Kultur wurde die moderne Archäologie begründet. Um einer Beschlagnahme durch die türkischen Behörden zu entgehen, schmuggelte er den Schatz außer Landes und schenkte ihn (wohl nicht ganz uneigennützig) dem deutschen Volk. Zeitlebens litten Schliemanns private Bindungen unter seiner Arbeitswut. Für seine Familie hatte er kaum Zeit, fand aber erst bei seiner zweiten Frau, einer über dreißig Jahre jüngeren Griechin, Verständnis. (Text: Rt. Koi (247))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt