Beschreibung
Saar, Ferdinand von
Titel: Innocenz
Reych: Nr. 24 Vindobona (Wien)
Geb.: 30.09.1833 in Wien
Gest.: 24.07.1906 in Wien-Döbling
Volltext
österreichischer Dichter An ihm hat nicht nur die literarische Mitwelt, sondern auch die Nachwelt gesündigt. Seine Erzählungen fanden zu seiner Zeit keine Käufer und kaum Anklang und sie sind heute so gut wie vergessen. Auf den Dichter selbst hat sich dies bitter genug ausgewirkt. 1849 Offizier, quittierte er nach dem italienischen Feldzug, 1860, den Dienst, um als freier Schriftsteller in Wien zu leben. Sein Versuch als Dramatiker, „Kaiser Heinrich IV", 1865 und 1867, scheiterte. Es folgten Jahre des Ringens und Bemühens, die seine Schaffenskraft lähmten und ihn in tiefe Not brachten. Aus dieser befreiten ihn gegen 1871 adelige Gönnerinnen, Josephine von Wertheimstein und Altgräfin Salm, die ihm den Aufenthalt in ihren Villen und Schlössern ermöglichten. Erst 1873 fand er seinen Weg. Es erschien seine zweite Erzählung „Marianne“, die erste, „Innocenz", war schon 1866 herausgekommen und regelmäßig, wenn auch langsam, schuf er weitere, etwa „Die Steinklopfer", 1874, „Die Geigerin", 1875, „Tambi“, 1883, „Leutnant Burda", 1889, „Seligmann Hirsch", 1889, „Geschichte eines Wiener Kindes", 1892, „Requiem der Liebe", 1897, „Schloss Kosteritz", 1897, „Die Pfünder", 1906. Allmählich hatte Saar seinen Ruf festigen können, aber es war zu spät: unheilbar krank, wählte er 1906 den Freitod. Sein Werk ist bis heute nicht gewürdigt, obwohl es doch in so vielfacher Hinsicht, geistesgeschichtlich wie philosophisch, ästhetisch wie soziologisch, bedeutsam ist. Indem es zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert steht, beherrscht es die Erkenntnisse jenes und weist gleichzeitig auf die neuen Strömungen in diesem Jahrhundert hin. Saar, ein tiefer Denker und ein scharfer Gesellschaftskritiker, war aber doch vor allem Dichter, ein Künstler der Darstellung und der Form, an der er unentwegt feilte, bis sie zu jener Vollendung gedieh, die er erstrebte, die aber auch unsere Zeit noch lange nicht genügend erkannt hat. Ein Pastellbild wurde 1888 von Ludwig Michalek in Blansko gemalt und liegt im Historischen Museum der Stadt Wien. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt