Reych Nr. 76

Schopenhauer, Arthur

Unbekannt ·S-U

Beschreibung

Schopenhauer, Arthur Dr. (auch in seinem Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung“, ging er von den Grundsätzen aus,)
Titel: Eremit von Abdera
Reych: Nr. 76 Francofurta (Frankfurt)
Geb.: 22.02.1788 in Danzig
Gest.: 21.09.1860 in Frankfurt

Volltext

deutscher Philosoph Er entstammte einer wohlhabenden Familie; der Vater Heinrich Floris war Bankier, die Mutter Johanna eine erfolgreiche Schriftstellerin, die in enger Beziehung zum Weimarer Hof stand. Arthur Schopenhauer studierte ab 1809 Naturwissenschaften und Philosophie an der Universität in Göttingen. Nach einem ersten für ihn enttäuschenden Aufenthalt in Berlin (1811), um dort J.G.Fichte zu hören, promovierte er 1813 in Jena zum Dr. phil. Seine Philosophie stand in der Nachfolge Kants und des deutschen Idealismus mit der zentralen Frage nach der Erkennbarkeit der objektiven Realität. Sowohl in seiner Dissertation „Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde“, als dass die Realität nur Vorstellung des Subjekts sei und diese durch den Willen hervorgebracht werde. Demzufolge ist der unbewusste Wille die einheitliche Grundlage alles Seins und Geschehens, dessen ständige Produktion von Ideen und Einzeldingen das Wesen der Welt ist. An die Stelle von Kants „Ding an sich“ tritt bei Schopenhauer der Wille, der weder an Raum und Zeit, noch an die Kategorien wie Kausalität oder Finalität gebunden ist. Der Wille ist ohne Grund und wirkt im Bereich der erkennbaren Objekte als Wille zum Leben. Da die Objekte durch die Vorstellung hervorgebracht werden, ist das Leben notwendigerweise Leiden an der selbstentworfenen Objektivität. Der Wille strebt immer zur Vollendung, kann diese aber nicht verwirklichen, sodass das Leben niemals Glück und Befriedigung bringen kann, außer durch absolute Negation des Willens zum Leben. Nach seiner Jenaer Zeit trat Schopenhauer in Weimar in Beziehung zu Goethe und wurde 1820 Privatdozent in Berlin. Schopenhauer, der in seiner ersten Lebenshälfte viele Reisen, besonders nach Italien, unternahm, ließ sich, nach einem kurzen Aufenthalt in Mannheim, im Jahre 1832 in Frankfurt als Privatgelehrter nieder. Hier verfasste er die Schrift „Über den Willen in der Natur“. 1839 wurde seine Abhandlung „Über die Freiheit des menschlichen Willens“ von der norwegischen Sozietät der Wissenschaften mit einem Preis gekrönt. In den Jahren 1843/44 bezog er in Frankfurt, Schöne Aussicht Nr. 17, für 16 Jahre ein neues Zuhause. Drei Jahre später erschien eine zweite Auflage seiner Dissertationsschrift, 1851 eine philosophische Abhandlung in „Parerga und Paralipomena“ mit dem Hauptteil „Aphorismen zur Lebensweisheit“. 1854 überließ Richard Wagner seinen „Ring der Nibelungen“, von dem der Philosoph meinte, Wagner habe mehr Talent zum Dichter als zum Musiker. 1858, anlässlich seines siebzigsten Geburtstages, lehnte Schopenhauer die ihm angetragene Mitgliedschaft in der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Berlin ab. Am 1. Juli 1859 zog er in das Nachbarhaus, Schöne Aussicht 16, um. Die Bildhauerin Elisabeth Ney fertigte hier eine Portraitbüste Schopenhauers. Am 9. September 1860 zog er sich eine schwere Lungenentzündung zu, an der er am 21. des Monats verstarb. Fünf Tage später wurde der große Philosoph im städtischen Friedhof zu Frankfurt zur letzten Ruhe gebettet. (Text: Rt. Ybbs (76) )
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt