Reych Nr. 172

Ohser, Erich

Unbekannt ·M-O

Beschreibung

Ohser, Erich (auch e.o. plauen)
Titel: Vater und Sohn
Reych: Nr. 172 Castrum Plaviense (Plauen), erk. 24.03.155
Geb.: 18.03.1903 in Untergettengrün
Gest.: 06.04.1944 in Berlin

Volltext

deutscher Zeichner und Karikaturist „Ich bin als Sohn geboren und habe mich im Laufe der Jahre zum Vater emporgearbeitet, habe sozusagen von der Pike auf gedient. Meine ersten Jahre verlebte ich in einem einsamen Grenzhaus mitten im Walde, im oberen Vogtlande. Mein Vater war Grenzbeamter und außerdem ein glücklicher und guter Mensch. Die Vater-und-Sohn-Zeichnungen sind Erinnerungen an meine Kindheit, ausgelöst durch die Freude am eigenen Sohn” So beschrieb Ohser sein Verhältnis zu seinen bekanntesten Figuren, einem kahlköpfigen Mann mit Schnauzbart und einem strubbeligen Jungen die in ihren zeitlosen Abenteuern alltäglichen Situationen eine humorvolle Wendung gaben, dabei auch nicht vor der Obrigkeit zurückschrecken und bisweilen anarchistische Lösungen für ihre Probleme finden. Nach Abschluss einer Schlosserlehre studierte Ohser von 1921 – 26 an der staatlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig und arbeitete für die Neue Leipziger Zeitung. In dieser Zeit freunden sich Erich Ohser, Erich Kästner und Erich Knauf, „die drei Erichs“ miteinander an. 1930 heiratete Ohser seine Studienkollegin Mariard Bantzer, ihr gemeinsamer Sohn Christian, seine Inspiration zu seinen Vater-und-Sohn-Geschichten, kam 1931 zur Welt. Ohser machte sich einen Namen als Buchillustrator und Karikaturist, wobei sein zeichnerischer Spott insbesondere die Nationalsozialisten traf. Dies brachte ihm ein Berufsverbot ein. Bücher, die er für Kästner illustrierte, wurden verbrannt und verboten. Als die Berliner Illustrierte Zeitung 1934 Vater-und-Sohn veröffentlichen wollte war dies deshalb nicht unter seinem bürgerlichen Namen möglich. Nach seinen Initialen und dem Ort seiner Herkunft nannte er sich von da an e.o. plauen. Der Erfolg von Vater-und-Sohn, der bis heute anhält, ermöglichte ihm ab 1940 seine Zeichnungen in der als verhältnismäßig liberal geltenden Zeitschrift „Das Reich“ zu veröffentlichen. Obwohl er Gegner des Kommunismus war ließ er sich politisch nicht vereinnahmen, insbesondere antisemitische Nationalsozialismus ab. Dies wurde ihm zum Verhängnis. Nachdem er gegenüber Erich Knauf das Regime verspottete wurde er denunziert und entging der Anklage und Verurteilung wegen „Wehrkraftzersetzung“ und „landesverräterischer Feindbegünstigung“ durch Selbstmord. Vorher versucht Ohser vergeblich, die Schuld für den Mitangeklagten Knauf auf sich zu Seine Werke, die weit über die Vater-und-Sohn-Geschichten hinausgehen, sind im Erich- Ohser-Haus in Plauen Besuchern zugänglich gemacht, seit 1995 verleiht die Stadt Plauen gemeinsam mit der e.o.plauen-Gesellschaft den e.o.plauen-Preis. (Text: Rt. Koi (247))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt