Reych Nr. 395

Wiechert, Ernst

Unbekannt ·V-Z

Beschreibung

Wiechert, Ernst
Titel: Jeromin
Reych: Nr. 395 Am Odinwald (Mosbach)
Geb.: 18.05.1887 in Kleinort
Gest.: 24.08.1950 in Stäfa am Zürichsee

Volltext

deutscher Dichter Mitten in den Masuren als Sohn eines Försters geboren, zog es den jungen Wiechert nach Königsberg, um dort Naturwissenschaft, Philosophie und deutsche Literatur zu studieren. 1911 legte er sein Staatsexamen ab und bereitete sich für den höheren Schuldienst vor. Er nahm am ersten Weltkrieg teil und wurde als Leutnant der Reserve entlassen. Ab 1918 gab er Unterricht am Gymnasium in Königsberg. Von 1930-33 versah er seinen Schuldienst in Berlin. Als er spürte, was in solchem Staatsdienst von ihm verlangt wurde, gab er das Lehramt auf und wurde freier Schriftsteller an seinem neuen Niederlassungsort in Ambach am Starnberger See. Vor der Münchner Studentenschaft hielt er am 6. Juni 1933 in der Vortragsreihe „der Dichter und sein Volk" eine vielbeachtete Rede, eine freilich, die auch von mitschreibenden Nationalsozialisten beachtet wurde. 1938 wurde er verhaftet, aber nach einem Monat wieder freigelassen. Vermutlich war sein brieflicher Protest gegen die Verhaftung Niemöllers das auslösende Moment. Mitten im Kriege, 1916, war seine erste Erzählung mit dem bezeichnenden Titel „Die Flucht" erschienen. Das, was vor kurzem in der literarischen Szene der Bundesrepublik Deutschland eine mühsame Renaissance erlebte, Heimat, das hat Ernst Wiechert geprägt. Ostpreußen, Masuren und masurische Wälder fehlen in keiner seiner Schriften. Es gibt einen Roman von ihm mit dem Titel „Der Wald". Seine autobiographischen Erinnerungen nennt er „Menschen und Wälder" und selbst seine Erlebnisse im KZ-Buchenwald, die er in einer Kassette im Garten seines Hauses vergraben hatte, trugen den Titel „Der Totenwald“. In seinen Erinnerungen heißt es einmal: „Ich bin ein Kind der Wälder, d.h. ich bin ein Kind des Dunklen, Schweigenden, der großen Räume, des Aufblicks zu den Wolken und Sternen". Wiechert war auch geprägt von seinem ostpreußischen Landsmann Kant. Beim Lesen von Wiecherts Werken hat man oft den Eindruck, als stünde der kategorische Imperativ zwischen allen Zeilen, als dessen poetische Beschwörung, als hätte Kants bekannte Formel bei ihm Pate gestanden: Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: „Der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir". In seinen Romanen und Erzählungen ist der Ort der Handlungen die Landschaft Ostpreußens und die Personen sind die dort lebenden Menschen, wie sie „Die Magd des Jürgen Doscosil" (1931/32). „Die Majorin" (1934), „Das einfache Leben" (1939), „Missa sine nomine" (1950) sowie die „Hirtennovellen aufzeichnen. Wiechert ist heute so gut wie vergessen. In einem Badischen Lesebuch von 1951 für das 7/8. Schuljahr findet man zwei Passagen aus seinem Buchenwaldbericht. 1945 hat er sich noch einmal an die deutsche Jugend gewandt, „niemals sich dahin bringen zu lassen zu schweigen, wenn das Gewissen zu reden befiehlt". 1948 war Wiechert in die Schweiz übergesiedelt. Seine gesammelten Werke sind erst 1957 in 10 Bänden erschienen, in denen auch zwei Bände Märchen enthalten sind, die in zartester Dichtkunst verfasst sind. (Text: Rt. Call-Vario (395))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt