Reych Nr. 207

Hagen, Kaspar

Unbekannt ·G-I

Beschreibung

Hagen, Kaspar Dr. (auch in seinen „Alemannischen Gedichten" zum Ausdruck kommen. Sie waren gewissermaßen der)
Titel: Hoamatle
Reych: Nr. 207 Castrum Brigantum (Bregenz)
Geb.: 11.12.1820 in Bregenz
Gest.: 20.03.1885 ebenda

Volltext

österreichischer Arzt und Heimatdichter Ja, wenn es zu seinen Lebzeiten das Reych Castrum Brigantium schon gegeben hätte, wäre er sicherlich Schlaraffe geworden, denn jene Montagsgesellschaft, der er angehörte, pflegte all das, was wir in der Kunstpflege betreuen und auch der Humor war groß geschrieben. Dort konnte er in fröhlicher Tafelrunde die ersten Proben seiner schlummernden Muse vortragen. Durch seine mundartliche Dichtung trat Dr. Hagen mit so manchen Zeitgenossen über sein Vaterland hinaus in Berührung und kein geringerer als der bekannte schwäbische Dichter Justinus Kerner festigte Dr. Hagen in seinem Glauben an seine dichterische Begabung. In der stillfriedlichen Kleinstadt Bregenz am schwäbischen Meer war die Geschichte der anliegenden Länder Bayem, Schwaben und Schweiz in ihrem Geistesleben innig miteinander verwoben, wie die Stadt heute durch die „Bregenzer Festspiele" zur verbindenden Kulturlandschaft geworden ist. Sein zugängliches, offenes und stets frohes Wesen trägt versteckte schlaraffische Wesenszüge, die Schlussstein seiner Lebensarbeit, mit der er sich als Mundartdichter seinen Namen machte. In seinen Werken ist stets die Volksverbundenheit zu spüren, nie Überheblichkeit und nie Affektiertheit. Er tritt in die Häuser, um die Bewohner bei der „Stubat“ zu belauschen, er ist fröhlich mit den Jungen und oft traurig mit den Alten, die das Leben oft hart mitgenommen hat. Dort steht er wie ein Vater freundlich und verständig inmitten der Kinderschar, bei der Hausmutter setzt er sich zu ihr ans Spinnrad im warmen Stübchen. Auch dem Schwankhaften kommt er wie alle Mundartdichter gerne entgegen und so manche seiner Fechsungen wäre da von der Rostra in unserer vergnügten Runde, wie auch heute noch, in froher Laune aufgenommen worden. Als Hauptrichtung seiner Dichtung wird das lyrische Stimmungsgedicht überwiegen, aber auch die Idylle und die poetischen Erzählungen. Seine Liebe zur Heimat klingt auf in seinem Gedicht „An die Heimat": „O Hoamatle, o Hoamatle am himmelblaue Bodesee geg Obedsunneschi! Dett ist mi goldes Paradis, bi warm und kalt, bi Bluest und Is, min Kinderhimmel gsi. Ihr griene Berg im Hoamatland, Ruina, Wälder, Felsewand, ihr Bihel, lieb und nett! Komfealder, Wiberg, Gieter all, Waldkappele und Wasserfall, o wär i wieder dett! O Hoamatle, o Hoamatle am himmelblaue Bodesee, dett wär i wieder froh! Wie wärmer dett bim Hirtegjohl so licht ums Herz, so engelwohl, wie nienameh a so! Doch, ka-n-as nimma, nimma si und kummi nimma, nimma hi zum liebe Hoamatle: so nimm min letschte Grueß derfier, so nimm de letschte Kuss vu mir, Du schäna Bodesee!" Auch seine Freude an der Geselligkeit ließ Vollblutmenschen auf der Szene erscheinen, Pfarrherren und Kapuziner, Kaufleute, Lehrer und Gerichtsassessoren, auch den Kindermund schaltete er ein. Die Stadt Bregenz hat zum steten Gedenken an diesen Dichter 1921 die Kaspar-Hagen-Straße nach ihm benannt, in der ich 20 Jahre meine ärztliche Praxis ausüben durfte, und auch ein Hagen-Denkmal an der Außenwand der Seekapelle gegenüber seinem Geburtshaus angebracht - wir aber haben ihn a.U. 100 zum Ehrenschlaraffen unseres Reyches erkürt. (Text: Rt. Amourl, 207)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt