Beschreibung
Jungmair, Rudolf
Titel: Freidhof
Reych: Nr. 315 Paixhanslia a.d.V. (Vöcklabruck)
Geb.: 23.10.1813 in Vöcklabruck
Gest.: 26.12.1875 ebenda
Volltext
österreichischer Heimatdichter Sein Vater Josef Jungmair, nachmaliger Stiftsrichter zu Kremsmünster, war dort Pfleger und mit Theresia Saherbökh verheiratet. Dieser Ehe entsprossen acht Kinder, von denen der sechsjährige Rudolf in Scharnstein bei Gmunden der kinderlosen Schwester seines Vaters zur Erziehung übergeben wurde. Mit 12 Jahren kam er in das Benediktiner Stift in Kremsmünster, wo er die Zeit seiner akademischen Vorstudien in einer glücklichen Sorglosigkeit verlebte, bevor er sich in Wien dem Studium der Rechte widmete. Während dieser Zeit entstanden die ersten poetischen Versuche. Nach abgelegten juridischen und politischen Examen (1839) kam er als Rechtspraktikant zum k.k. Pfleg- und Landgericht Ort bei Gmunden und fand 1841 Anstellung in der Civil- und Kriminaljustiz beim Magistrat der Kreisstadt Wels. 1843 siedelte er zum k.k. Salinen-Oberamt nach Gmunden über. Hier griff Jungmair mit seinem witzigen Humor in das Leben des Volkes hinein und begann damit Personen, Begebenheiten, Ansichten und Empfindungen des Landvolkes in der Sprache seiner Heimat darzustellen. Aus jener Zeit stammen die Gedichte „D' Schulprüfung", „s' Heirat'n“ und „D' Burgagard“. Nach seiner Vermählung mit einer Hausbesitzerstochter aus Raab, Katharina Hager, wurde er, 37 jährig, als Adjunkt bei der k.k. Bezirkshauptmannschaft Vöcklabruck und 1 Jahr später in Rohrbach als Commissär angestellt. Nach der Auflösung der Bezirkshauptmannschaften 1854 wurde er zum k.k. Bezirksamt Mattighofen versetzt. Sorgen um die Familie, häufige Erkrankungen vermochten seinen göttlichen Humor nicht ersterben zu lassen. Man schätzte ihn überall wegen seiner Dichtungen, die er auf allen Abendunterhaltungen und Festlichkeiten von sich gab, anderen und sich selbst zur Freude. Auf Zureden seiner Freunde entschloss er sich, einen Teil seiner Gedichte drucken zu lassen. Sie erschienen unter den Titel „Tombákerne Flinserl'n" oder „Allerloa Gedanga, G'sangl und Begöbnuss'n in ob der enn'scher Volksmundart" im Jahre 1865 in einer dem Sängerbunde von Oberösterreich und Salzburg gewidmeten Sammlung. Die zweite Sammlung „Gmundner Blüem'ln" oder „Nu a mal Allerloa Gedanga, G'sangl und Begöbnuss'n" brachte er 1806 heraus, die er seinen lieben Landsleuten widmete. Wieder dienstlich nach Vöcklabruck zurückversetzt (1869), erschien eine neue Folge von Gedichten, sein „Nachlass", der nach einer auf einem losen Blatt gefundenen Bezeichnung „Hoanbuchnerne Blattl'n" benannt Sein Frohsinn und seine Lebensfreude hat ihn bis zuletzt begleitet. Am anderen Morgen nach einem fröhlichen Christfestabend im Kreise seiner Freunde, hat ein Schlaganfall seinem Leben ein plötzliches Ende bereitet. Die Gesellschaft „Paixhanslia", dessen Ehrenmitglied er war, war der Vorläufer des heutigen Reyches „Paixhanslia". Auf seinem Grabdenkmal zu Schöndorf bei Vöcklabruck ist zu lesen: Du oansamer Freidhof, Dih scheuchan die Leut; Du mahnst oan halt z'emstli: Zun Umkehr'n war Zeit! (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt