Reych Nr. 29

Heinse, Johann Jakob Wilhelm

Unbekannt ·G-I

Beschreibung

Heinse, Johann Jakob Wilhelm (auch Heintze)
Titel: Ardinghello
Reych: Nr. 29 Asciburgia (Aschaffenburg)
Geb.: 15.02.1746 in Langewiesen
Gest.: 22.06.1803 in Aschaffenburg

Volltext

deutscher Dichter „Es ist das Eigentümliche von Heinses Romanen, dass sie auseinanderfallen in Darstellung glühend- sinnlichen Lebens und in Erörterung und Beschreibung von Werken der Kunst und des Geistes. „Ardinghello“ gibt die Schicksale eines Florentiners des Cinquecentos und zugleich eine Schilderung italienischer Kunst und ihre Probleme wieder, „Hildegard von Hohenthal" stellt in gleicher Weise Romangeschehen und Musik nebeneinander. In „Anastasia“ deutet schon der Titel die Zweiheit an. So reich, abenteuerlich und vielverflochten in ihnen das Leben scheint, es ist dem Dichter nur wertvoll, wenn alles Erleben begleitet ist von einer sich üppig ausbreitenden Fülle von geistigen Belangen. Dabei sind beide Welten, das sinnliche Leben und der theoretisch-anschauende Geist, nicht miteinander verschlungen, wächst nicht, wie etwa im „Wilhelm Meister", eine aus der anderen heraus, bildet eine die Deutung der andern, sondern sie stehen ohne innere Beziehung nebeneinander, es ist nur ein intellektuelles Zusammensein in ihnen, keine organische Einheit. So erwecken die Romane den Eindruck des Gebrochenen, Zufälligen". Nach seinem Jura- und Ästhetikstudium erfuhr er von den Dichtern Gleim und Wieland sowie von Johann G. Jakobi, an dessen Zeitschrift „Iris“ er in Düsseldorf mitarbeitete, eine große Förderung. 1780 unternahm er eine dreijährige Bildungsreise durch Italien und wurde dann 1786 Hofrat und Bibliothekar am kurfürstlichen Hof in Mainz. 1795 flüchtete er mit der gesamten Bibliothek nach Aschaffenburg. Als Erzähler der Sturm- und Drang-Zeit vertrat er den uneingeschränkten und ungehemmten Lebensgenuss in seinen gesellschaftlichen Bindungen. Besonders der bereits erwähnte deutsche Künstlerroman „Ardinghello und die glücklichen Inseln" (1787) beschreibt das Bild eines utopischen Gemeinwesens, das den Idealen des freien Renaissancemenschen huldigt. Heinses spätere in der gleichen leidenschaftlichen Sprache geschriebenen Briefromane, darunter „Hildegard von Hohenthal" (1796) und „Anastasia und das Schachspiel" (1803) räumen der Musik und dem Schachspiel breiten Raum ein. Er verfasste ferner Übersetzungen, Gedichte und Aphorismen. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt