Beschreibung
Leoncavallo, Ruggiero
Titel: Bajazzo
Reych: Nr. 359 Castrum Locarnense (Locarno)
Geb.: 23.04.1857 in Neapel
Gest.: 09.08.1919 in Montecatini Terme
Volltext
italienischer Komponist Der junge, früh von Musik besessene Ruggiero Leoncavallo wurde neunjährig in einem Konservatorium in Neapel am Piano ausgebildet. Mit 17 Jahren schon reiste er als Klavierspieler nach Frankreich, England und später auch Ägypten, um in Kaffeehäusern und als Privatlehrer für erbärmliche Honorare sein Leben mühsam zu verdienen. Nach Italien zurückgekehrt, wo er zeit seines Lebens keine sichere Stellung bekleidete, versuchte er sich als Verehrter und Anhänger Richard Wagners an einer Operntrilogie mit dem Titel „Crepusculum“ (Dämmerung). Davon wurde aber nur der erste Teil „I Medici“ 1890 fertig und erst 1893 uraufgeführt. Ein Jahr vorher aber wurde Leoncavallo schlagartig durch den Bombenerfolg seines zweiten Werkes, des „Bajazzo“, weltbekannt. Mit dieser Zwei-Akt-Oper, die er als Komponist und Librettist schuf, wurde er zum großen Mitvertreter des musikalischen Verismo, des übernaturalistischen Stils, der das wirkliche Leben darstellt. Wie ein Komet wurde Leoncavallo damit als Dichter-Musiker in den Rang von Arrigo Boito erhoben. Dieser Erfolg wurde drastisch verstärkt durch die Begeisterung Kaiser Wilhelms II., der in ihm die musikalische Offenbarung des Jahrhunderts sah. Er gab ihm den Auftrag, eine Oper „Der Roland von Berlin“ zu schreiben. Diese Oper, eine Verherrlichung der Hohenzollern- Familiengeschichte, wurde mit kaiserlicher Unterstützung und viel Pomp in Berlin 1904 uraufgeführt. Den großen Publikumserfolg vernichteten über Nacht niederschmetternde Kritikerurteile. Im gleichen Jahr bekam er wie zum Trost das Ehrenbürgerrecht von Brissago, wo er seit 1896 wohnhaft war. Er ließ eine prächtige Villa bauen, in der er in seinem unruhigen Künstlerleben eine Heim- und Arbeitsstätte hatte. Er liebte das lockere, gesellige Leben des „Bohemien“ und reiste in den folgenden Jahren in der weiten Welt umher. Von seinen späteren acht Opernwerken, zahlreichen Operetten und Balletten, die er fast ausschließlich in seiner Villa in Brissago schrieb, fand einzig die Romanze „Mattinata“ noch ein positives Echo. Als er starb, war seine künstlerische Persönlichkeit völlig vom einzigartigen Ruhm des „Bajazzo“ überdeckt. Als liebenswerter, kontaktfreudiger, typischer Italiener, der sich den Menschen in Brissago und Locarno besonders verbunden fühlte, wurde er am 8. Ostermond a.U. 129 zum Ehrenschlaraffen des Castrum Locarnense gekürt. (Rt. Drauf (359) )
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt