Beschreibung
List, Friedrich
Titel: Pionier
Reych: Nr. 338 Trutze Achalm (Reutlingen)
Geb.: 06.08.1789 in Reutlingen
Gest.: 30.11.1846 in Kufstein
Volltext
deutscher Wirtschaftstheoretiker, Unternehmer, Diplomat und Eisenbahnpionier List wurde 1789 in einer Reutlinger Handwerkerfamilie geboren. Doch sein Streben galt nicht dem väterlichen Handwerk, vielmehr zog es ihn in den Verwaltungsdienst. In Tübingen lernte er seinen späteren Förderer, den württembergischen Finanzminister Karl August Freiherr von Wangenheim kennen. Dieser überzeugte König Wilhelm I. auf Drängen Lists davon, an der Universität Tübingen eine staatswirtschaftliche Fakultät zu errichten, die erste ihrer Art in Deutschland. List wurde trotz fehlender akademischer Vorbildung, aber aufgrund hervorragender Vorkenntnisse Professor für Staatswirtschaft. 1819 wurde List Geschäftsführer des Deutschen Handels- und Gewerbevereins, des ersten deutschen Unternehmerverbands der Neuzeit. Dessen Ziel war eine Zollfreiheit innerhalb Deutschlands, was 1834 zur Deutschen Zollunion führte. Durch diese Aktivitäten verlor er die Gunst von König Wilhelm, was zur Abdankung aus dem Staatsdienst führte. 1820 wählten ihn die Reutlinger ins württembergische Parlament, wo er sich gegen Bürokratie und die Staatsfinanzwirtschaft auflehnte. Dies führte zum Entzug des Landtagsmandats durch den König und Verurteilung. Der Haft entzog er sich durch Flucht nach Baden, Frankreich und die Schweiz. Von dort kämpfte er vergeblich um seine Rehabilitierung. 1824 kehrte er nach Deutschland zurück und trat seine Haft an. Sein Weg führte ihn von 1825 bis 1832 nach Amerika, hier wurde er zum Befürworter der Schutzzollbewegung. Handelspolitik sollte nun nicht mehr nur den wirtschaftlichen Wohlstand, sondern auch die politische und wirtschaftliche Macht der einzelnen Staaten sichern. In dieser Zeit entstand sein Hauptwerk „Das nationale System der politischen Ökonomie“, das er 1841 vollendete. 1830 wurde List amerikanischer Konsul in Hamburg und kehrte nach Deutschland zurück. Ein weiteres Werk, ein mehrbändiges Staatslexikon, konnte er aufgrund seiner politischen Vergangenheit nicht selbst herausgeben, und so strichen Karl von Rottek und Karl Theodor Weckler seinen Ruhm hierfür ein, während seine Urheberschaft in Vergessenheit geriet. Aus Amerika brachte er die Idee eines nationalen Eisenbahnnetzes mit, der er sich fortan widmete. Sein erstes Projekt war die sächsische Eisenbahn von Leipzig nach Dresden. Trotz seiner Verdienste blieb ihm eine leitende Position im Eisenbahnwesen versagt. Mittlerweile ging sein Vermögen in Amerika verloren, und auch seine politische Rehabilitierung wurde 1836 endgültig abgelehnt. Sein Bemühen um eine deutsch-englische Wirtschaftsallianz als Gegenpol zur erstarkenden amerikanischen Wirtschaft schlug fehl, was letztlich neben dem materiellen Scheitern auch eine Verschlechterung seines Gesundheitszustands zur Folge hatte. In Kufstein suchte er Genesung, verlor aber seinen Lebensmut und nahm sich im Alter von 57 Jahren (Text: Rt. Koi (247))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt