Beschreibung
Erzherzog
Titel: Arxiduc
Reych: Nr. 419 Medina Mayurcae (Mallorca)
Geb.: 04.08.1847 in Florenz (Italien)
Gest.: 12.10.1915 auf Schloss Brandeis (Böhmen)
Volltext
Erzherzog von Österreich und Toskana „Aussteiger“, Künstler und Naturwissenschaftler auf Mallorca 1872 kaufte Ludwig Salvator das verlassene Kloster Miramar, welches er nach Umbauten 1886 bezog. Im Laufe der Jahre erwarb er weitere Besitztümer, sodass er schließlich einen 16 km langen und bis zu 10 km tiefen Küstenstrich zwischen Valdemossa und Deià sein Eigen nannte. Hier durfte kein einziger Baum gefällt, kein Haus errichtet werden, und alle Tiere, die nicht zu Nahrungszwecken gehalten wurden, konnten bis zu ihrem natürlichen Tode ein ungestörtes Leben genießen. Für die Touristen ließ Ludwig Salvator die Hospedaria „Ca Madó Pilla“ einrichten, ein Gästehaus, in dem Reisende drei Tage gratis Logis erhielten. Weiters legte er ein rund 12 km langes Wegenetz bis in die Berge der Sierra del Teix an, das sich noch heute einfühlsam in die Landschaft schmiegt. An den schönsten Aussichtspunkten ließ er „miradores“ einrichten, idyllische Rastplätze mit Sitzbänken, con denen aus man die wilde Schönheit der Küste und den Sonnenuntergang bewundern konnte. Sein Lieblingsdomizil waren die Landsitze Miramar und Son Maroig, die auch heute noch den Besuchern als Museen offen stehen. Hier fand der Arxiduc Inspiration, Zeit und Muße, um sein bedeutendstes Werk „Die Balearen in Wort und Bild“ zu vollenden. Die siebenbändige Monografie in neun kunstvoll gestalteten Folianten erschien 1870 – 91. Auf der Weltausstellung 1878 in Paris wurde es mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Das Werk enthält minutiöse Beschreibungen von Flora und Fauna aller balearischen Inseln, von Kultur und Brauchtum, Geografie und Geologie, Klima, Wetter und Frühgeschichte. Zahlreiche Zeichnungen und Aquarelle aus der Hand des Autors bestechen durch ihre liebevolle Präzision. Nicht zuletzt wegen dieser Arbeiten wurde der Arxiduc 1877 zum „Hijo adoptivo de las Baleares“, zum Adoptivsohn der Balearen ernannt. Die Wege des Arxiduc auf Mallorca sind von Anekdoten und Histörchen umrankt, die sich nicht zuletzt mit seinen romantischen Beziehungen zu den einheimischen Schönen beschäftigen. Eine besondere Stellung im amurösen Kaleidoskop nimmt die Tischlertochter Catalina Homar ein, die unter den Fittichen des Erzherzogs, ihres Mentors, eine excellente Ausbildung genoss, mehrere Sprachen erlernte und zur Verwalterin seniner Weingüter avancierte. Für sie baute er das kleine Landhaus S´Estaca aus. Heute gehört das Anwesen dem Hollywood-Star Michael Douglas, einem Verehrer des „Archidux“. Kaisein Elisabeth von Österreich, hierzulande als „Sissi“ unsterblich, besuchte den Erzherzog zweimal in seiner Wahlheimat. Bei ihrem ersten Besuch führte sie der Gastgeber voller Begeisterung für die Schönheit der mallorquinischen Landschaft über die Insel. Beim Abschied soll die Kaiserin bemerkt haben „Jetzt wird mir Korfu weniger gefallen.“ Ein zurückhaltendes Kompliment, das ihren Gastgeber in einen Freudentaumel versetzte. Seine Reisen führten ihn nicht nur rund ums Mittelmeer, sondern bis nach Tasmanien und an die Westküste der USA. Auf einer dieser Reisen zog er sich die unter dem Namen „Elefantiasis“ bekannte monströse Hypertrophie sämtlicher Hautschichten zu, die sich in schmerzhaften Schwellungen an Armen und Beinen manifestiert. Ihre Symptome verstärkten sich im Laufe der Jahre, und am 12.10.1915 starb Erzherzog Ludwig Salvator auf Schloss Brandeis in Böhmen. Auf Mallorca lebt er in der kollektiven Erinnerung fort als der Ahnvater aller Aussteiger, als Wissenschaftler, Künstler, Quer- und Vordenker, Visionär, Pazifist, Traditionalist, Naturschützer, Schriftsteller, Liebhaber und einer der interessantesten und unkonventionellsten Sprosse des Hauses Habsburg: Erzherzog Ludwig Salvator alias s´Arxiduc. (Text: Rt. Pasanada (419). DSZ 137 / 4)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt