Beschreibung
Blumauer, Johann Aloys (auch Auer, A.) (auch Obermayer)
Titel: Aeneas
Reych: Nr. 32 Styria (Steyr)
Geb.: 21.12.1755 in Steyr
Gest.: 16.03.1798 in Wien
Volltext
österreichischer Dichter Außerhalb Österreichs wenig bekannt, aber dennoch unvergessen, ist Aloys Blumauer, ES „Aeneas“. Heute noch sind Straßen und Plätze in Oberösterreich nach ihm benannt, und nach wie vor ist sein Name in allen Lexika als Verfasser satirisch-antiklerikaler Werke zu finden. In Steyr, seiner Geburtsstadt, erinnert eine Gedenktafel am Haus Enge 22 an jenen Aloys Blumauer, der dort geboren wurde, der in Steyr Jesuitenpater war und der nach der Aufhebung des Ordens im Jahre 1773 nach Wien ging. Im Dienste Josefs II. war er von 1781 bis 1793 kaiserlicher Hofzensor; wie sein Kaiser war er selbst Freimaurer und war zweifellos einer der hervorragendsten Vertreter der josefinischen Aufklärung. Dass er darüber hinaus über Witz und Courage verfügte, beweist eine kleine Episode anlässlich des Besuches von Papst Pius VI. in Wien. Inmitten der Menschen, die dem Papst zujubelten und die der Heilige Vater segnete, stand Blumauer – den Hut auf dem Kopfe. Auf den Rüffel durch seinen kaiserlichen Herrn, dem Blumauers Respektlosigkeit prompt hinterbracht worden war, erwiderte er: „Ist der Segen gut, geht er auch durch ´n Hut!“ In den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts entstand schließlich jenes Werk, das Blumauer, der mittlerweile die Leitung der Gräfferschen Buchhandlung übernommen und sich als Schriftsteller einen Namen gemacht hatte, mit einem Schlag weitum bekann machte: seine Aeneas-Travestie. Unter dem Titel „Abenteuer des frommen Helden Aeneas“ erschienen zwischen 1784 und 1788 die neun Bände jener brillanten Nachdichtung, die mit Blumauers Zeit, aber auch mit Missständen ins Gericht geht, die uns auch heute noch berühren. Seine Aeneas-Travestie ist nach wie vor im Buchhandel erhältlich und nach wie vor hat der brillante Kopf aus Steyr in seiner Geburtsstadt seine feste geistige Heimstatt. Nur 43-jährig starb er in Wien. Als ES Aeneas ist er der Schutzpatron der „Aeneas-Sippung“ der Styria, in der die Junker und Knappen das Zepter ergreifen, in der sie dem Reyche den Spiegel der Travestie vorhalten und in der sie – Grundlage jeder Travestie – auch ihre Reife beweisen müssen, um dereinst Ritter zu werden. (Text: Rt. Scribifex (32) )
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt