Beschreibung
Flex, Walter Dr.
Titel: Wolf Eschenlohr
Reych: Nr. 243 Ysenaha (Eisenach)
Geb.: 06.07.1887 in Eisenach
Gest.: 16.10.1917 bei Peude
Volltext
deutscher Dichter und Lyriker Als Sohn eines Gymnasialprofessors studierte er in Straßburg und Erlangen Germanistik und Geschichte. Er galt der Jugendbewegung seiner Zeit als Vorbild und als Sprecher ihrer Erfahrungen. Nach einer Tätigkeit als Hauslehrer bei der Familie Bismarck ging er als Freiwilliger in den 1. Weltkrieg. Hier fand seine entscheidende Begegnung mit dem Wandervogelführer Ernst Wurche statt, dessen Wahlspruch „Rein bleiben und reif werden" ihn zu seinem Kriegsroman „Der Wanderer zwischen beiden Welten" (1917) anregte. Das Buch gewann nach 1918 einen ungeheuren Einfluss auf die enttäuschte Jugend. Nach 1945 wurde sein Werk lange als nationalsozialistische Hetze missverstanden. Der epigonale Neuromantiker verfasste weiter u. a. Gedichte „Vom großen Abendmahl" (1915) die Tragödie „Klaus von Bismarck" (1913). Seine Novelle „Wallensteins Antlitz" und seine Dramen „Lothar“ und „Die schwimmende Insel" sind erst nach seinem Tode erschienen. Zuletzt war er von der Geschichte eines Kriegsfreiwilligen erfüllt, in der er - das waren seine Worte - seine Gedanken über Gotteskindschaft und Menschenbruderschaft ausspinnen wollte, eine als Ganzes frei erfundene Handlung, aber in fast allen Teilen wieder ein Mosaik von Erlebnissen. „Ließe nur der Felddienst mehr Zeit zu dichterischer Arbeit!" schrieb er im März des vorigen Jahres. „Ich beklage mich gewiss nicht und eine Anfrage, ob ich ins Presseamt eintreten wolle, habe ich kürzlich abgelehnt, weil ich fühlte, dass ich an die Front gehöre. . ." ...und weiter einige Gedanken aus seinem Leben: „In einem frischen Anlauf, den ich gerade genommen hatte, haben mich russische Angriffsversuche mit Gas und schwerer Artillerievorbereitung erst eben zu Beginn des Monats wieder aufgehalten. Ein paar ruhige Wochen und der „Wolf Eschenlohr" wäre geschrieben!" Erstaunlich ist seine Willenskraft zu jener Zeit, schreiben zu wollen, auch wenn der Militärdienst ihm vieles mehr abverlangte, was folgendes beweist: „Im Sommer war ich zum stellvertretenden Generalstab nach Berlin kommandiert, um eine kriegsgeschichtliche Arbeit zu liefern. Das verursacht mir täglich eine mindestens zehnstündige Akten- und Schreibarbeit. Gleichwohl vergeht keine Nacht, in der ich nicht mit einigen Zeilen wenigstens den im Kopfe völlig fertigen Plan meiner Kriegsnovelle fortsetze." So schrieb er am 03.08. Einige Tage später sandte er, zu sicherer Verwahrung, das erste Hauptstück in seiner charakterfesten Schrift: „Da ich morgen Nacht wieder zu meinem Regiment fahre, möchte ich vorher die Handschrift in Ihre Hände geben . . ." Am 15.10.1917 traf ihn auf Ösel die tödliche Kugel . . . (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt