Reych Nr. 329

Petel, Georg

Unbekannt ·P-R

Beschreibung

Petel, Georg
Titel: Ecce Homo
Reych: Nr. 329 Wilhaim (Weilheim)
Geb.: 1602 in Weilheim
Gest.: 1634 in Augsburg

Volltext

deutscher Bildhauer Petel, 1602 in Weilheim als Sohn des Kistlers (Kunstschreiners) Clemens Peetle geboren, kam nach dem frühen Tod beider Eltern unter die Vormundschaft des ortsansässigen Bildschnitzers Bartholomäus Steinle, der als sein erster Lehrmeister gilt. In der Werkstatt des Münchener Hofkistlers Christoph Angermair erlernte er anschließend das Schnitzen in Elfenbein. In der Elfenbeinschnitzerei verlieh Petel mit seinem „Heiligen Sebastian“ dieser Kleinkunst eine neue Würde, die er sich selbst bei seinen größeren Skulpturen bewahrte. Als Wandergeselle verließ Petel Deutschland zu Beginn des 30-jährigen Krieges. 1620 reiste er über Paris und Rom nach Genua, wo er als unübertroffener Elfenbeinschnitzer seiner Zeit gilt. Er lernte Antonius van Dyck kennen. Eine Reise nach Antwerpen 1624 und die freundschaftlichen Beziehungen zu van Dyck ermöglichten ihm die Bekanntschaft mit Rubens. Wie Goldschmiedekunst und Malerei galt auch die Bildhauerei als „vornehmes Handwerk“. München, das auch als Rom des Nordens bezeichnet wurde, hat auf die Künstler, vor allem die Bildhauer der Weilheimer Schule, wohl einen überwältigenden Eindruck gemacht. Gleichwohl musste man sein „Handwerk“ auf Reisen fahrend erlernen und vervollkommnen, um dann als „Meister“ auch die Bürger- und Zunftrechte zu erwerben. Petel ließ sich in der Freien Reichsstadt Augsburg nieder, wo er 1631 Ratsmitglied wurde. Hier begann er auch in Bronze zu arbeiten. In den Wirren des 30-jährigen Krieges verliert sich die Spur des Bildhauers Georg Petel, der vermutlich im Alter von nur 33 Jahren 1634 gestorben ist. Themen seiner Arbeiten sind Heiligenfiguren und Kruzifixe, aber auch Stoffe der Antike und der Mythologie. Während seiner mehrfachen Besuche bei Rubens in Antwerpen schafft er nach dessen Vorlagen einige seiner berühmten Kleinplastiken wie „Venus und Cupido“ oder „Triumph der Venus“. Er arbeitet überwiegend in Holz und Elfenbein, aber auch in Bronze. Die sog. Weilheimer Schule, das Studium der Antike und die Einflüsse der zeitgenössischen Bildhauer Italiens prägen seinen Stil. Petels Zeitgenossen lobten ihn in höchsten Tönen und im 18. Jahrhundert nannte man ihn den „deutschen Michelangelo“. Als kirchlicher Bildhauer gehört Petel in den Umkreis der nach 1600 neu entstandenen katholischen Frömmigkeit, welche auch die Kunst wieder stärker förderte. Gleichwohl war gerade Augsburg eine Stadt, die vor dem Religionsfrieden von den wechselnden Konfessionen im Rat der freien Reichsstadt stark betroffen war, ebenso aber auch von den Wechselfällen des 30-jährigen Krieges und den vielen Leiden der Bevölkerung durch Hunger und Pest. Unter den religiösen Skulpturen Petels stehen die auffallend zahlreichen Darstellungen des gekreuzigten Heilands im Blickpunkt, vor allem die kostbaren Stücke aus Elfenbein, welche für Hauskapellen oder Hausaltäre bestimmt gewesen sein dürften. (Text (gekürzt): Rt Crescendo (329))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt