Beschreibung
Reuchlin, Johannes Prof.
Titel: Kapnion
Reych: Nr. 173 Porta Hercyniae (Pforzheim)
Geb.: 22.02.1455 in Pforzheim
Gest.: 30.06.1522 in Bad Liebenzell
Volltext
deutscher Humanist Reuchlin widmete sich zunächst sprachlichen Studien und später der Rechtswissenschaft in Freiburg im Breisgau, Paris und Basel. 1481 trat er in den Dienst Eberhards des Bärtigen, den er 1482 nach Italien begleitete. 1484 wurde er Beisitzer und Anwalt beim Hofgericht in Stuttgart, blieb aber in Eberhards Diensten. Nach dessen Tod folgte er 1496 einem Ruf nach Heidelberg, kehrte nach drei Jahren wieder nach Stuttgart zurück und war von 1502-13 Mitglied des Richterkollegiums des Schwäbischen Bundes. In seinen letzten Jahren gehörte er als Lehrer des Griechischen und Hebräischen den Universitäten Ingolstadt und Tübingen an und war von 1520-22 als Professor in Stuttgart tätig. Reuchlin gilt neben Erasmus von Rotterdam als das Haupt des deutschen Humanismus. Auch als lateinischer Dichter hat er sich ausgezeichnet, besonders auf dramatischem Gebiet. Von seinen beiden Komödien „Sergius“ und „Scenica progymnamata sive Henno" ist gerade der Henno viel gelesen und nachgeahmt worden. Reuchlin hat durch viele Übersetzungen und Lehrbücher die Kenntnis des Griechischen gefördert und die Aussprache im Gegensatz zu Erasmus nach dem Neugriechischen geregelt. Folgenreicher wurde die Erschließung des Hebräischen, als er in den nach ihm benannten Streit mit Joh. Pfefferkorn hineingezogen wurde. Die Kölner Dominikaner, bei denen Pfefferkorn Rückhalt gefunden hatte, klagten Reuchlin wegen Ketzerei an. Am päpstlichen Hofe entschied man sich zunächst für ein aufschiebendes Verfahren, aber unter dem Einfluss der lutherischen Sache erfolgte 1520 doch eine Verurteilung Reuchlins. Die öffentliche Meinung hatte jedoch in Deutschland längst für Reuchlin entschieden und fast alle Humanisten standen auf seiner Seite. Durch Huttens Gedicht „Thriumphus Capnionis" und die „Epistolae obscurorum virorum" wurden seine Gegner dem Gelächter preisgegeben. Von seinen zahlreichen Schriften sind hervorzuheben: „Micropaedia“, „Breviloquus", „Rudiments Hebraica", „Der arte cabbalistica" und „De verbo mirifico". (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt