Beschreibung
Platen, August Graf von (auch Platen und Hallermünde, Graf)
Titel: Graf von Busento
Reych: Nr. 31 Onoldia (Ansbach)
Geb.: 24.10.1796 in Ansbach
Gest.: 05.12.1835 in Syrakus / Sizilien
Volltext
deutscher Dichter Der Spross aus einer verarmten Adelsfamilie erhielt eine Kadettenausbildung in München, wo er auch Pagendienst beim König tat. Als Leutnant nahm er am Frankreichfeldzug teil, beendete aber 1818 die ungeliebte Militärlaufbahn, um in Würzburg und Erlangen zu studieren. Während dieser Jahre schloss er Freundschaft mit Schelling und Liebig, hatte Kontakt zu Jean Paul, Goethe und Rückert. 1826 ermöglichte ihm eine bescheidene Pension durch Ludwig I. von Bayern den ständigen Aufenthalt in Italien, wo er, noch keine 40 Jahre alt, starb. In der Zeit nach der Romantik erfuhr die klassisch strenge Form der Lyrik durch diesen menschlich zur Schwermut neigenden Dichter noch einmal einen Voller Verlangen nach Schönheit und Ordnung schrieb er formvollendete Gedichte in antikem, romantischem und orientalischem Versmaß, „Ode“, „Sonett“ und „Ghasel“, die zeitgeschichtlichen „Polenlieder" und historische Balladen, von denen „Das Grab am Busento" am populärsten wurde. Für seine Anhänger waren besonders die „Sonette aus Venedig", 1825, Inbegriff und Symbol einer elegischen Grundstimmung, während seine Gegner, allen voran Heine, sie preziös verspotteten. Man kann sicherlich nicht sagen, dass seine Dichtung des Gehaltes entbehre und sich bloß durch den kalten Glanz formaler Meisterschaft auszeichne. Aber der Gehalt stammt, im allgemeinen, nicht aus seiner eigenen erlebten Seele, die er im Gegenteil meist peinlich verdeckt, sondern aus der literarischen Überlieferung, aus einer nun zur Allgemeinvorstellung gewordenen Auffassung des Dichterseins und Dichterlebens, wie sie die Klassiker und Romantiker ausgebildet hatten. Er spielte einen Dichter, der für ihn nicht Wirklichkeit, sondern Ideal war. Denn in Wirklichkeit war er ein ganz anderer, als seine Werke vermuten lassen. Keineswegs kühl, vornehm, voll Haltung und Distanz und stets in Form, vielmehr schwach, zerrissen, aufgewühlt. Man hat ihn lange nicht gekannt, weil jahrzehntelang seine Tagebücher nur in einem sorgfältig frisierten und ausgekämmten Auszug bekannt waren, bis sie zur Jahrhundertwende etwa in vollem Umfang zutage traten. Da las man auf einmal von wilden Sehnsuchtsrufen, ergreifenden Klagen, Ausbrüchen der Verzweiflung und erfuhr, dass der unnahbare Edelmann, der kühle Ästhet, der hochmütige und giftige Satiriker ein schwacher, tiefunglücklicher Mensch war und dass er sich die Maske der Unnahbarkeit nur aufgesetzt hatte, weil er es war. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt