RITTERSCHLAG
1. Der Ritterschlag ist eine der bedeutungsvollsten und feyerlichsten Handlungen. Er soll mit weihevollem Ernste vorgenommen werden, welchem auch äußerlich dadurch Ausdruck verliehen wird, dass Labung, Atzung und Luntengenuß während seiner Dauer verpönt sind.
2. An dem zum Ritterschlag gewählten Uhutag entbietet der fungierende Oberschlaraffe den Ceremonienmeister und den Herold zu sich. Den Ceremonienmeister beauftragt er, die Ceremonie des Ritterschlages in feyerlicher Weise und den Vorschriften gemäß durchzuführen. Dem Herold übergibt er den Aufruf zum Ritterschlag mit den Worten:
„Ritter Herold, waltet Eures Ambtes und verleset des Reyches Bulle!“
3. Der Reychsmarschall rührt das Tamtam, der Fanfarenmeister bläst und der Herold verliest:
„Denen Rittern, Junkern, Knappen und Pilgern im fröhlichen Schlaraffenreych sei hiermit kund und zu wissen: Durch des Uhus höchste Gunst, nach des Gesetzes Laut und der Oberschlaraffen und sämtlicher Ritter Willen wird zur selbigen Stunde ein feyerlich Ritterschlagen allhier gehalten werden, wozu jeder männiglich im lieben fröhlichen Schlaraffenreych entboten und erwartet wird. Es mögen Unseres überaus fröhlichen Schlaraffenreyches vieledle Ritter ihre festen Sitze verlassen und dermalen infolge der gar feyerlichen Handlung mit mannhaftem Ernste vor Uns erscheinen, um Zeugen zu sein von der Gunst und Ehre, so durch Uhus höchsten Beschluss, nach des Gesetzes Laut, der Oberschlaraffen und sämtlicher vieledler Ritter Willen einem Junker (denen Junkern) durch Uns widerfahren soll.
Also gegeben durch des Uhus höchste Gunst, des Gesetzes Laut und der Oberschlaraffen Willen. Punktum!“
4. Abermals Fanfare.
5. Während sich nun die Sassen von ihren Sitzen erheben und bewaffnen, ordnen die Truchsesse den Festplatz in folgender Weise: Vor dem Thron wird der Teppich derart ausgebreitet, dass er die Stufen des Thrones und noch ungefähr 6 Schuh des Fußbodens der Burg bedeckt. Auf der obersten Thronstufe werden die Thronsitze der Oberschlaraffen aufgestellt.
6. Hierauf reicht der Reychsschwertträger dem fungierenden Oberschlaraffen das Reychsschwert. Den anderen, nichtfungierenden Oberschlaraffen wird inzwischen die erforderliche Anzahl von Ritterhelmen, – sofern reychsüblich – Rittermänteln und Schärpen bzw. Bandelieren samt Schwertern für die neuen Ritter übergeben. Die bei der Ceremonie beschäftigten Würdenträger stellen sich wie folgt auf:
Rechts vom Thron auf die unterste Thronstufe: Der Kantzler mit dem Uhu, dem Schlaraffen-Spiegel und der Gelöbnisformel, vor ihm auf dem Fußboden der Burg: der Ceremonienmeister mit dem Stab, neben demselben der Reychsbannerträger mit dem Reychsbanner. Links vom Thron auf die unterste Thronstufe: Der Wappen-und Adelsmarschall mit dem Kissen, auf dem das Verzeichnis der zu verleihenden Ritternamen ruht; vor ihm auf dem Fußboden der Burg: der Mundschenk mit dem gefüllten Aha und der Reychsmarschall mit dem Tamtam.
7. Die Ritter bilden an beiden Seiten Ehrenreihen (Ehrenspalier) und lassen den Mittelraum frei.
8. Der Junkermeister begibt sich mit allen Knappen und Junkern zur Burgpforte und erwählt vier Knappen und Junker, die des Ritterschlages noch nicht teilhaftig werden, zum Ehrengeleit. Fehlt es an Junkern, so treten die jüngsten Ritter ein. Nach Beendigung dieser Vorbereitungen ertönen Tamtamschlag und Fanfaren, und der Junkermeister rückt mit seinem Ehrengeleit bis in die Mitte der Burg zwischen den Ehrenreihen der Ritter vor. Die Oberschlaraffen sitzen, alle übrigen Sassen stehen während dieser Ceremonie auf den ihnen angewiesenen Plätzen. Unter lautloser Stille fragt der fungierende Oberschlaraffe: „Euer Gestrengen, sind Eure Junker noch willens, Ritter zu werden?“
Antwort des Junkermeisters. Der fungierende Oberschlaraffe fragt weiter: „Verdienen Eure Junker
diese hohe Auszeichnung?“ Antwort des Junkermeisters.
9. Hierauf erteilt der fungierende Oberschlaraffe dem Ceremonienmeister den Auftrag, die Junker durch ihren Meister vorstellen zu lassen. Der Ceremonienmeister vollzieht den Auftrag und der Junkermeister führt sodann die Junker unter dreimaliger Verbeugung bis an den Rand des Teppichs vor den Thron und stellt sie einzeln vor.
10. Der fungierende Oberschlaraffe spricht:
„Junker, Wir fragen Euch im Namen des Uhu, Oho und Aha, der Oberschlaraffen und Ritter Unseres Reyches: Seid Ihr bereit, den Ritterschlag zu empfangen?“ Die Junker antworten mit: „Ja!“ Hierauf fährt der fungierende Oberschlaraffe fort: „So verharret in Gemeinschaft mit Seiner Gestrengen, dem Ritter Junkermeister, in einer letzten ernsten Prüfung Eurer selbst, bis Wir Euch rufen.“ Hierauf entfernen sich Junkermeister und Junker aus der Burg.
11. Der fungierende Oberschlaraffe beruft nun durch den Ceremonienmeister den Ritter Schulrat und stellt an ihn die Frage, ob er die Junker für vollkommen befähigt zum Ritterschlag hält.
Antwort des Schulrats. Der fungierende Oberschlaraffe fordert hierauf die Oberschlaraffenräte auf zu erscheinen und fragt: „Habt ihr, weise Räte des Reyches, irgendwelche Einwendungen zu erheben gegen den Ritterschlag?“ Antwort der Oberschlaraffenräte. Der fungierende Oberschlaraffe richtet sodann die Aufforderung an das Reych: „So einer der edlen Ritter Unseres Reyches eine ernsthaftigliche Einwendung wider der Junker Standeserhöhung zu erheben hat, der trete vor und rede!“
12. Findet keine Einwendung gegen die Standeserhöhung der Junker statt, so ertönen Fanfaren, und der Junkermeister erscheint mit den Junkern wieder vor dem Thron9.
Die Oberschlaraffen erheben sich nun, und der fungierende Oberschlaraffe hält die Festrede, welche mit der Formel schließt: „Durch des Uhus höchste Gunst bestimmt, haben die Oberschlaraffen und Ritter Unseres überaus fröhlichen Reyches beschlossen, Euch in den Stand der Ritter aufzunehmen. Gelobet uns Treue auf den Uhu!“ Nach diesen Worten tritt der Kantzler mit dem Uhu in der Hand vor und verliest, nachdem die Junker den Teppich betreten haben und der Junker
meister neben dem Wappenund Adelsmarschall Aufstellung genommen hat: „Gelobet beim Uhu, Oho, Aha, Dem Schirmer der Schlaraffia, Bei Uhus zauberreichem Walten, Der Freundschaft Banner hochzuhalten! Stets heiter hier und froh zu sein Mit allen Brüdern im Verein, Mit Geist und Witz bei uns zu glänzen Und nie die Sippungen zu schwänzen! Den Mammon pünktlich zu entrichten Und zu erfüllen alle Pflichten, Wie sie im Spiegel sind zu lesen Und wie es immer Brauch gewesen! Wo immer ihr weilt auf dem Erdenrund, Getreulich zu dienen dem hehren Bund! Und ob die Welt in ihren Fugen wanke, Schlaraffia treu zu sein, sei Euer Gedanke! Dies gelobt beim Uhu, Oho, Aha, Dem Schirmer der Schlaraffia!“
Die letzten zwei Zeilen werden von allen Rittern im Chorus wiederholt.
13. Sodann spricht der fungierende Oberschlaraffe: „So fragen Wir Euch denn im Namen Allschlaraffias, habt Ihr jedes Wort dieses feyerlichen Gelöbnisses vernommen, wollet Ihr es auf den Uhu leisten, so ruft ein lautes:
„Ich gelobe!“ Die Junker, welche während der Verlesung der Gelöbnisformel die rechte Hand auf den Uhu gelegt haben, sprechen laut und deutlich: „Ich gelobe!“, worauf der Kantzler zurücktritt. Auf die nunmehr folgenden Worte des fungierenden Oberschlaraffen: „Kniet nieder!“ knien die Junker nieder und der fungierende Oberschlaraffe schlägt sie dreimal mit dem Reychsschwert im Namen des Uhu, Oho und Aha, küßt sie auf die Stirn und hebt sie mit den Worten empor: „Stehet auf, Ihr seid Ritter!“ Unter Tamtamschlägen und längeren Fanfaren empfangen die Jungritter sodann vom Oberschlaraffen rechts den Ritterhelm, -sofern reychsüblich9 In der Praga wurde hier nach uraltem Brauch vom Herold nach dreimaliger Fanfare gerufen: „Ist kein Graf Gleichen da? (Pause) Ist kein Höllenstein da?“
den Rittermantel, von jenem links die Schärpe bzw. das Bandelier sowie das Schwert und treten dann zurück in die Ehrenreihen der Ritter. Sind mehrere Junker zu Rittern zu schlagen, so wird die Ceremonie immer an zweien von ihnen vorgenommen. Hat der letzte Junker den Ritterschlag empfangen, so tritt der Wappenund Adelsmarschall vor und übergibt dem fungierenden Oberschlaraffen die Namensvorschläge für die neuen Ritter. In Allschlaraffia bereits vorhandene Namen von Rittern und Namen von Ehrenschlaraffen sind zu vermeiden. Aus den drei Namen, welche für jeden derselben bereitgehalten werden, wählt der neue Ritter einen, worauf der fungierende Oberschlaraffe spricht: „Der ehemalige Junker … ist durch des Uhus Gunst, des Gesetzes Laut, der Oberschlaraffen, Ritter und seinen eigenen Willen fortan und immerdar der Ritter... (es folgt der gewählte Name).“ Nachdem alle jungen Ritter ihren Namen erhalten haben, begrüßt sie der fungierende Oberschlaraffe mit dem Aha, den ihm der Mundschenk reicht, worauf Lulurufe der Ritter ertönen und ein Lied gesungen wird.
14. Hierauf erklärt der fungierende Oberschlaraffe die Feyerlichkeiten für beendet. Alle Sassen nehmen ihre Plätze ein und die Truchsesse stellen die alte Ordnung wieder her. Im Namen der neuen Ritter spricht ein von diesen aus ihrer Mitte gewählter Sprecher die Dankrede; es ist jedoch jedem einzelnen der neuen Ritter gestattet, seinen Gefühlen in besonderer Rede Ausdruck zu verleihen.