Kunst und Kultur in der Schlaraffia

Unbekannt ·Reychsgeschichten

Beschreibung

Die Pflege von Kunst und Kultur

Volltext

stelten und bei allem Andrang der Lebensereignisse das äußere und Innere
Gleichgewicht bewaltren hötme. ­
"Daß dies die beste aller Erden
daß niemaHd hmm das Höchste rauben,
daß sie von Ultu wird regiert,
was jeder tief il11 Herzen waltrt,
daß jeder Itier hamt glücklich werdeH, das ist, was wir SdtlaraffeH glenibeil,
solaHg sich selbst er l1icht verliert,
das nennen wir Sdllaraffenart ["
HieriH erheHnen wir die tiefsteH Ziele des schlaraffisdlel1 TUl1s. Ultu will seiHe
GetreueH zur hräftigeH EHtfaltuHg iltres DaseiHs erzielteH. Er leb·t sie, mit
tmbesiegbarer Kraft sich über alle Verstiml11uHgeH des profm1eH LebeHs ltiHweg­
zusetzeH, weckt fH tltHeH fröltlidleH SIHH, unermüdlidle Tatenlust, nie ver­
sagel1de Schhlgfertigheit uHd U11zerstörbare Zuversicht il1 das Gelingen. Auf
diese Weise befestigt er ganz VOH selbst eine LebeHsauffassung, die sich
mit heiterer Erg'ebuHg iH das UHvermeidliche fagt und standhaft alles VOlt
sich weist, was e!Hem frischeH, kraftvollel1 Lebel1 ul1d eil1er heiteren Pflicht­
erfüiIul1g Hel1mmisse bereiten kÖlmte. Das ist der große schlaraffisd1e Gedanke!
111 eille kurze Formel gefaßt: "Die Schlaraffia möchte in ihren Mitgliedenl
auf der Grundlage eiHer heitereH Gematssthml1uHg das StrebeH Hach Ha1't110l1ie
der Seele ul1d des LebeHs weckeHI
Auf deH RitterburgeH Schlaraffias weht eiHe LebeHshraft, il1 welcher der
abgeltetzte Alltagsmel1sch ruhig, frei UHd glücklich seiH ulld die iHl1ere Har­
mOHle der Seele wiedergewiHHeH halm. -
Darauf alleiH berulJt das
Geheiml1is der kulturfördeft1del1 Kraft des SchlaraffeHtums, sowoll1 für deli
einzelHeIl, als auch für die Allgemeil1lteit.
Hkt. F ich t e (Kirchenrat Prof. Dr. Robert Zilchert, Prag) schlägt eine
andere Saite schlaraffischen Wesens an:
.. Rosen auf deH Weg gestreut (md des Hart11s vergessen!" Diese Verse
Höltys ge/lören zu del1 geflügelten Worten, die nicht Hur VOll MUl1d zu MUHd,
sOHdel'l1 auch VOI1 Herz zu Herz fliegeH, als WUl1Sd1 uHd Aufforderul1g, die
allezeit leben uHd gelten.
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Im Mittelalter gabs ein SprüdlleiH: rosas
loqui, RoseH spred1el1 lasse1l, das VOH edlen Frauen ul1d Mädchen gesagt wurde,
deren freuHdliche Worte del1 Rosen, den RoseH ohne DOfl1eH gleichen. Rosel1
auf den Weg gestreut, aber ja hetl1e Domen. Die metsteH Mensclten aber
leideH von del1 DorHel1, die MißguHst, Haß, KleiHigJ,eit, Rachsucht auf den
Weg streuen. Da halteil wir Sdl011 bei der syutbolischel1, übertrageHeH Be­
deutung des Höltywortes.
"Die Liebe ist Iwld uHd weich wie Harfenldallg uHd Roscnduft, doch nicht
vergänglich wie der Saite Zittel'l1 uHd der Rose Hauch". RoseH welhefl bald.
Die unscrCH Weg schmücken köHl1en uHd sollel1, müsseH dauer/tafter seiH.
Wir hönHcn UHS lmd andere mit Rosen erfreuen, wär's auch Wittrer jiHd
die Natllr gestorbeH. Was bieten nicht KUHst, Freul1dschaft jmd Humor für
reiche Möglidlkeite1l, jeden Lebensweg zu scht11UckcH, jedes LebeH reich
zu gestalten. "HerrcHguHst, Fraucl1/ieb ul1d Rosel1blätter vcrheltrel1 sich
wie AprileHwetter", nidlt aber wahre Frcul1dschaft, und die erhabeHel1
Werke der KUHst sind herrlich wie am erstell Tag. - -
Streuel1 wir Rosel1
attf deH Weg, die in der Stille l/HSereS Herzel1S erblüht Sil1d jmd deret1
Schönheit, weil sie geistiger Art ist, flicht altert.
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Gewiß, das LebeH ist weHiger blütel1reich als eil1st; der Realisltlus der
Zeit verlal1gt Früchte, Früchte sehr realer Art; aber wir empfil1deH, auch
wemt wir's UMS flicht zugebel1: Es fehlt dem LebeM etwas, ultd wärs auch
Mur der al1geHeilme, geistige Duft, der kaum faßbare, der VOH aller edlen
Geistigkeit Imd VOH warmeH HerzeH ausgeht,
Sollte uHd kÖHHte der Wahlspruch "il1 arte voluptas" Hicht sehr gut mit
Höltys WorteH wiedergegebeH werdeH: "RoseH auf del1 Weg gestreut ~md
des Harms vergessel1!" Mit Blütel1 froher LauHe, herrlicheH BlüteH, schmilckt
sidl der Raum, ziert das frohe Mal sich, Auch das sub rosa gilt, derm FreuHd­
schaft duldet keiHe Redseligluit, die Verderbel1 bril1gt. Mag die BHl'g HOch so
ell1fach seiH, sie muß des Schmuckes rlicht eHtbehrerl, weHH sie IH illrel1 Mauem
eiH fröhliches, gutes VölkleiH beuerbergt uHd wie feHer KurfUrst VOH SachseH
sagte: Wir brauchen Märmer für Ämter, aber Hicht Ämter für Mäl1ner, so soll
gelten: Wir brauchel1 SchlaraffeH für UHsere BurgeHt Hicht Burgen filr etwas,
das sidl Schlaraffe Hermt. Drum braucheH wir Stättel1, wo feHe RoseH gepflegt
werdeH, aH die Hölty delikt, aber auch Herder, der gaHz älmlich malmt:
"SchHeller GaHg ist ul1ser LebeH.
Laßt UI1S RoseH auf iUft streu'l1f"
Wer dem aHderen den Weg erfreulicher macht UHd illm l1ilft des Harms zu
vergessen, schafft il1m immer Heue Jugel1d, deHH Fröl1lichl"eit, sagt Lutl1er, ist
die beste ArzHei. Soll sie, die Freude, ihr goldeHes Zepter führe1l, daHH wird
auch die Mal1Hul1g befolgt werdeH müssen: r 0 S a s 10 q u i (L aßt die
R 0 s eH s p r e c 11 e n) U Hd Z war 0 h H e D 0 r 11 e 11 !
Damit wollen wir es bewenden lassen. Wollten wir Schlaraffias reichen
Blätterwald weiter durchwandern, so würde uns noch die Fülle köstlicher
Geistesfrüchte auserlesenster Art zuteil werden. Aber noch sei kurz auf einige
Stimmen der profanen Außenwelt über das Wesen und den Sinn Schlaraffias
hingewiesen:
Vernehmen wir eine Veröffentlichung der Zeitschrift "Die Schweiz" über
Schlaraffia:
"Gewiß, die Welt wilrde audl l1e~Jte l1icht welliger weit fortgeschritteH seiu,
gäbe es heiue Schlaraffia -
!md diese ist l1atilrlich Hicht die eiHzige Pflege­
stätte der FreuHdschaft; aber schou die Tatsache allein, daß Tausende VOH
JuugeH und Altel1 durch eiu Baud u11d durch die ÜberlieferuHg miteil1aHder
verkflüpft siud, der Wert al1eiH, daß ifl jeder Stadt der Welt, wo Schlaraffeu
siHd, der fremde Schlaraffe sofort l1ilfsbereite Freunde fil1det, das Bestrebe11
endlidl auf kiiHstlerischel1 ul1d literar/scheu GebieteH, die beide erHstl1aft il1
deH ReycheH gepflegt werdeH, defl Alitgliedem etwas zu gebeH -
das alles
spricht für die Berechtiguflg der Schlaraffia Ulld es Itommt l1idlt von ul1gefähr,
daß die große Mel1rzaJtl der SdtlaraffeH gereifte Leute sind, A1änHer, die deM
jugeHdlichel1 Übermut weit uiHter sich l1abeH, die läHgst 111 Amt uud WürdeH
steJ1en, ulld wer am COl1cil i11 Züridt die laflge Reil1e der AlteH ul1d ErgrauteH
überblickte, die Sechziger ~md Siebziger ufld die HOch älterel1, die seit drei
ul1d vier la11rzel111ten der Allschlarafßa aHgel1öreH, der kOlmte uHmöglich mit
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einer Ul1~gese/lschaft das Ganze etikettieren, sonderl1 er ~uußte sial sageu, daß
die Wurzeln der Schlaraffia viel tiefer sitzel1 ut1d daß der schlaraffische Ge­
daHlu Hicht Hur der PersoH, souderl1 auch dem Herzel1 mal1cherlei zu geben
weiß. Diese Alten tlabel1 im SchlaraffefJreych die stille Insel gefunden, wo
Freude und Heiterkeit herrscht ufJd gerade sie fiuden hier das Mittel, trotz
der Last der Jat/re, sich Jugend im Herzen zu bewahren .
. . . So konl1te sich aus Ideinel1 Anfängel1 heraus der sallaraffisale Gedal1ke
weit tu der Welt lierum. überall dort, wo die deutsche Z~mge klil1gt, fest ein­
bürgerl1. "
Ein Berichterstatter schrieb in einer Zeitung:
"Die Schlaraffen tragel1 die Farbe/I ihrer "Reyche" 111 Fom1 VOI1 seidenen
Mützen, "Helme" genal1l1t; ihre Mäl111erbrust ist VOI1 Schärpen, "Ahl1el1" oder
"Ordel1" geschmücla; oft tragen sie bunte Talare; auf alle Fälle ist i/me/i ihr
bUHter u11d blinl~e11der Schmuck die "RiJstung", die StitnHlul1g gibt, die den
Alltag mit seil1em Griesgram VOfJ der Schwelle bal1l1t, die ihre Brust zum
Liedersil1geH schwellel1 läßt. Das "Rittertum" ist VOll ihnen zum "Rittertum
des Geistes" im Si/1l1e des Esprit wie im Sil1l1e der Bereicheru/lg des Gemüts
durch del1 Mheren Intelleht gestaltet, und ob sie auch eil1ige Formel1 dieses
Rittert~lms, dem des Schwertes VOI1 lvlaximi1ial1 I. ("des letztel1 Ritters")
el1tlelmell, so führeI! sie doch höchstel1s das Schwert des kämpfefJden Humors
ul1d Witzes. Ihr OrdeHs TaHd ist Ulk, ist humorvolle Verl1eiglt11g vor mensch­
lichen
ihr Pnmk ist Feierhleid der Pl1antasie, illre Titulaturei1
UHd Stufen sind köstlidte Geistesdemohratie, denn

[… Fortsetzung im Originalband]
Quelle: Chronik Band I, S. 327-330