Ceremoniale und Brauchtum
Das "C e rem 0 n i al e
U mit dem ,,5 pi e
,
gel" wohl zu einem Gesetz verbunden, ist
das eigentliche schlaraffische Kleinod, das uns
in seinem einzigartigen Zauber entgegentritt,
uns begeistert und in seinen Bann zwingt,
Von ihm geht alles Leben und Geschehen in
Schlaraffia aus. Es ist eine köstliche Durch
flechtung von Romantik, Phantasie, innerer
Besinnlichkeit und befreiendem Humor und
pflegt ein mit heiterer Ironie gewürztes und
mit Symbolen ausgestattetes Brauchtum, in
dem trotz aller Narrheiten auch ein tieferer
Sinn und ein echter sittlicher Ernst erkennbar
ist.
Der Ceremonienmeister
Symbole sprechen ja für sich und sagen oft
mehr, als das verstandes klare, geschriebene
oder direkte Wort. Gleichwohl ist es erstaunlich, wie die schlaraffische
Intelligenz es versteht, in diese Symbolik immer wieder belebend alles
Mögliche noch dazu sich Reimendes hineinzugeheimnissen. So ähnlich ist es
auch mit dem Brauchtum, das jedem Reyche Eigenart und Freiheiten gestattet,
so daß es trotz seiner unverrückbaren Grundlagen nicht zur Schablone wird.
Hkt. J u p - i t e r (Chasalla) sagt: "Jedes Reydt hat seine Besonderheiten.
Sie werden bestimmt von der landsI11ännisdten Eigenart und der Mentalität
seiHer Sassen. Das ist ja geradezu ein zwingendes Merkmal unseres BUHdes,
daß wir alle gleidt sind tmd ~iI1S dodt Hicht gleichen. Was in einem Lande
entspridtt und gafig und gebe ist, muß Hicht Hotwendig auch für die anderen
gelten. Uttd Schlaraffen hausen da so gut, wie dort. Denn Schlaraffia ist eine
und gesunde Pflanze, daß sie auf wohlvorbereitetem Boden überall
.~h';hil.nu kann - aber die Sdtönheit ihrer Blüte und die Pracht ihrer EHtfalttmg
wird immer abl1ängen von Klima und Sonne und der liebevollen Hand des
Gärtners, der sie pflegt."
Ja, jedes Reych hat seinen besonderen Charakter, seine spezifische Eigenart,
je nach der Zusammensetzung der
je nach dem es groß oder
klein ist, ob es Dank eines Theaters Künstler besitzt oder ob es wie 111
Provinzstädten auf kunstbeflissene Sassen, die ihr Bestes geben, angewiesen ist.
Und es darf dabei offen ausgesprochen werden, daß oft in kleinen Reychen
das schlaraffische Leben intimer und herzlicher ist, als in zu großen Reychen,
wo die Sassen kaum die Möglichke\t haben, sich näher kennenzulernen und
sich enger aneinander anzuschließen. Alle Reyche des Uhuversums aber haben
das eine ZieL im Brauchtum die hohen Ideale unseres Bundes bewußt hoch·
zuhalten, gerade in unserem Massenzeitalter, das den Menschen als solchen,
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das Individuum, mehr und mehr der Vermassung und geistigen Verödung
zuzuführen droht.
Der große modeme
Denker "Ortega y Gasset" sagt iI1 seinem
Werk "Aufstand der Massen" (das Hermann Hesse als einen Warnungsruf des
Geistigen an die Dumpfen, des Aristokraten an die Fahnenträger der kolIek~
tiven Ideale, einen Protest der Persönlichkeit gegen die Masse bezeichnet)
über den" M ass e n m e n sc h e n ": "C1tarahterisch für den gegenwärtigen
AugeHblick ist es jedoch, dal? die gewöl111lidle Seele sicu über ihre GewöhH
lidl!?eit Idar ist, aber die Unverfroreul,eit besitzt, für das Recht der GewölH1~
lidJ/?eit eiHzutreten ufld es überall durdlzusetzeH. - - - Die Alasse vemichtet
alles, was anders, was ausgezeichnet, persö,Jlich, eigenbegabt ulld erlesen ist.
Wer Hicht "wie alle" ist, wer flicht" wie al/e" deH!?t, läuft Gefallr ausgesdtaltet
zu werdeH."
Bei uns aber steht der Mensch als Persönlichkeit im Mittelpunkt aller unserer
Gedanken und zwar nicht eigenfäIlig und selbstherrlich und sich als Herr
seines Lebens fühlend, sondern seinem ihm von Gott gegebenen Wesen
gemäß in Dienstbarkeit sich einordnend in die Belange seiner auserwählten
Gesellschaft, und sich ihnen zu beugen. Ortega y Gasset nennt dies: "Das
LebeH IH Zucht, adeliges Lebelt. Adel er!?emJt l11aH al11 AHsprudJ al1 sich selbst,
aH deH VerpflichtuHgeH, Hicht aH defl Rechten. - Noblesse oblige. Nach sei 11 e 111
Shme leben, ist gelJJein; der Edle strebt Ilach OrdHung uHd Gesetz."
Hüten wir uns also vor der Vermassung, vor der Vert1achung: Hüten wir
uns aber auch vor der Überheblichkeit, der schlaraffische Bau sei vollendet;
man könne und dürfe nun ausruhen und sich einer nichtstuerischen Selbst~
zufriedenheit und einem bequemen Wohlergehen und Wohlleben hingeben,
d. h. stille stehen I Das war ja schon immer die Ursache des
großer Völker und Nationen; wieviel mehr trifft dies auf kleine J<:""\;;l.l>U.lcU
liche Gebilde und Bünde zu. Untergeht, was nicht mehr die Kraft hat, sich
schöpferisch immer wieder neu zu betätigen, aufs ~eue zu beleben und weiter
in die Höhe zu streben. Schon Seneca sagte: "Leben l1eißt kämpfeH tU und
Grillparzer:
"l11aH
nicht,
das
Schwerste sei die Tat:
hilft der Mut,
der
Augel1blich,
die
Regung;
das
Schwerste dieser Welt ist
der EI1t
schluß i"
Für den Einzelnen von uns aber gelte
Goethe's:
,. Wer iml11er stl'ebeHd sich bemütltJ
den kÖI1HeH wir erlösen tU
und Schillers Wort:
"Wie Du aud, l1aHdeist iH Dir, es
berü11re deH
HiIJJUJel der "Ville,
durch die Achse der Welf getJe die
Richtlmg der Tat 1"
Und mm zu unserem Brauchtum
selbst, das wir wie in einem Lebens-
Der Fehdehandschuh
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21
Chmnik
Der Werdegang des Schlaraffen
Der "Pilger":
Als erstmals er vorm Throl1e steht,
vor Angst ihm sd!ier der Mut vergeht.
Er wankt und sd!wanket jäh zurück
vor "Uh u's" Kral!'n und strenge,-n Blickr
Der "Prüfling":
Als sold!er sippt er freudig Sd!OI1,
dÜl1kt sid! bereits als" Uhusohn" !
Wenn ihm nur bräd!t' l1id!t so viel Qual
im Traum der sd!warzen Kugeln Zahl!
Der "Knappe":
Nun ist er "Knappe - numeriert - ,
aud! eine Kappe il1l1 sd!on ziert;
dod! ~nad!et ihu1 gar große Pein
"W,u's" sd!laraffisd!es Latein!
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Der "Junker":
Als "junker" er viel ,Haar' verlor:
die schwerste Prüfung stand bevor!
Trotz allem Spiegel-StVldium
fühlt' er sich nach wie vor recht dumm!
Der "Ritter":
Doch ist ihm alles gut geglückt!
Als "Ritter", stolz nUI1 ul1d entzückt,
er lachel1d il1 die Saitel1 greift!
Der "Uhu" dazu schmul1zelnd pfeift!
fee. R. Haneferl, Burckhardia-juvavia
(Vers/eil1: Vitruvius)
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