Bruna

Unbekannt ·Reychsgeschichten

Beschreibung

Reych Nr. 7 — Bruna (Brünn (Mähren)). Geschichte aus Band I der Allschlaraffischen Chronik.

Volltext

Nr. 7 BRUN A
(BrUnn, Tsrn.MSI.)
gegründet 29. 9. a. u. 19 (1878)
Die Bruna, älteste Tochter der h. Wratislavia, wurde
am 29. des Herbstmonds 1578 gegründet. Das Samen­
korn, das der Gründer, R. Quecksilber von Praga, der
Wratislavia
hat herrliche Früchte getragen und
dank der
und Leitung seiner Nachfolger wurde
die Bruna zum glänzenden Gestirn am Himmel All­
schlaraffias.
Von der Burg "Blutveste" siedelte man anno 15'81
in die Schwechater "Christenburg" über und am 16. des
Eismollds 1592 erfolgte dank der Opferfreudigkeit der Sassen die Einweihung
einer eigenen Burg, genannt "Teutoburg". Ein eigenes Heim besaß dazumal
kein zweites Reych in Allschlaraffia.
Am 29. des Lethemonds 1580 gründete die Bruna das Reych Fryburgia
Brisgaviae, und am 5'. des Windmonds 15' 81 übernahm die Bruna die Mutter­
stelle der Olomucia. Auf geistigem Gebiete entfaltete das Reych eine rege
Tätigkeit und oft begegnen wir Rittern dieses Reyches als Mitarbeiter der
Schlaraffia-Zeyttungen. Anstelle eines prunkvollen 5' o. Stiftungsfestes a. u. 69
(1928), bedachte die Bruna den allschJaraffischen Freundschaftsschatz mit einer
Spende von 20000 Kr. Allmutterwährung. A. u. 79 (1938) ist das Reych
erloschen. In den Stammrollen a. u. 100 (1959) werden in bestehenden Reychen
erwähnt: 6 seßhafte und 2 fahrende Sassen.
Nr, S CO L 0 N I A AG R I P P IN A (Köln Rh.)
gegründet 30. 10. a. u. 19 (1878)
Begeisterung ernebt Deiu Herz
zu 11e1ikol1'sdlel11 Sdl\v~mg"
Funke
Die Geschichte der Colonia ist eine Geschichte schlaraf­
fischer Begeistenmg. Symbolhaft hierfür ist schon ihre
Gründung, die ein spontaner Akt aus Begeisterung für die
Schlaraffia war.
Der Schauspieler Max Doo!"' der bereits Prager Ritter und
Oberschlaraffe der h. Wratislavia gewesen war, vermochte
an einem Abend des Lethemonds a. u. 19 (1878) eine Tafel­
runde von Bühnenkünstlern und deren heunden, von denen
bis dahin keiner eine Ahnung von Schlaraffia hatte, für die Ideale dieses
Freundschaftsbundes so zu begeistern, daß sich alle Anwesenden in dieser
Runde an der sofort erfolgten Gründung eines Uhuhorstes, dem ersten am
sagenumwobenen Rhein, beteiligten. Den fehlenden Uhu schaffte der Theater­
friseur Proneuf
der dieses Gottvieh, wie der Uhu damals genannt wurde,
trotz der vorgerückten Stunde heimlich aus dem Schlafzimmer seiner Eltern
holen mußte. Als Schwert für den noch in derselben .:-Tacht vollzogenen Ritter­
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schlag diente der Degen des anwesenden Zeugleutnants Keck. Nachdem die
Zustimmung der h. Allmutter eingeholt worden war, fand am 30. des Lethe­
monds a. u. 19 die offizielle Gründungsfeier statt.
Nur spärlich sind die Nachrichten aus dem Gründungsjahr, da bei dem
Einsturz der Burg im Domhotel a. u. 26 (188,) das Archiv vernichtet wurde,
wobei auch die von der h. Praga ausgestellte Sanktionsbulle verlorenging. Die
Zahl der Erzschlaraffen ist deshalb nicht genau festzustellen. Außer dem
Reychsgründer und 1. OK Berent (M. Door) sind es, wie einem Bericht vom
1. Ritterschlag an die h. Praga Zu entnehmen ist, die RR ctJikago als 1. Kant­
zellar (0. Borcherdt), Sd111eidertöter, Marschall (Fr. W. Hitzigrath), Sdmlake­
duzelteH (K. Stallmann), Tafmt/äuser (A. Eckert), Chimborasso (G. Renner),
Stier von Uri Ce. Baumann), Met/tUsale/ff 0. Bartsdl), Murillo (P. Wichmann),
Wunderhold (W. Tdchmann), Käseteildten (A. Stende), Absolon (K. Praneuf),
Walmfritz (R. Winkelmann), Bayeriselter Hiesel (J. Kotz), Orpheus 0. Bau­
mann).
Weiterhin sind mit Sicherheit Erzschlaraffen der Colonia ihr erster OI Jcm
VOH Werth CF. Hönig), R. Mauser (Keck) und der erste Schatzmeister R. WHt­
gel1steiH 0. M. Wolf). Häufig mußte das Fähnlein dieser begeisterten Uhu­
söhne den Ort seiner Zusammenkünfte we,,"lJ.seln, bis ihm a. u. 21 (1880) die
erste eigentlidle Burg, die Domveste, erstand, die sie dem R. RolaHd (Adolf
Metz) verdankte, der inzwischen mit seinem Bruder August, R. Barbarossa,
Schlaraffe geworden war. Mit dieser Burg erst war eine der wichtigsten Vor­
aussetzungen für die Gestaltung und Entfaltung sdllaraffisdlen Lebens gegeben.
Das junge Reych blühte auf und seine Sassenzahl wums. Am 2. des Lenz­
monds a. u. 26 (1885) ging diese erste Burg beim Einsturz eines Teils des
Domhotels in Schutt und Trümmer unter, ein harter Sdllag für das junge
Reydl. Aber in sdllaraffisdler Freundsdlaft standen viele Reydle durm Ge­
sdlenke der Colonia hilfreidl bei; allen voran die h. Praga, die ihr historisdles
Burgmobilar zum Gesdlenk madlte. Das Tochterreych Elberfeldensis hatte
mit einem Sendboten an die Reyche diese Hilfsbereitsdlaft ausgelöst. Roland,
der selbst durdl den Sdlicksalssdllag am stärksten betroffen wurde, schaffte
im angrenzenden Domcafe eine neue Burg. Der uhubegeisterte RolaHd war
die belebende Seele des jungen Reydles. 33 J ahrungen lenkte er in unennüd~
lidlem Eifer als Kantzler das Sdlifflein der Colonia im Uhuversum und 45
Jahrungen seines Lebens waren von echter, tiefer sdllaraffischer Begeisterung
zum Ruhme Colonias und Allschlaraffias erfüllt. Die Krönung seines sdllaraf­
fisdlen Wirkens war die Verleihung des Ehrenhel11ls der h. Praga. Er war voller
Pläne und Ideen. A. u. 24 (1883) kreierte er die weiße Nadel als Erkennungs­
zeidlen für Sdllaraffen, weil er auf der Fahrt
zum Prager Konzil mit einem anderen Legaten
zusammensaß, ohne dessen Sdllaraffentum zu
ahnen. Heute ist diese NadeL die a. u. 64 (1923)
durch einen Besdlluß der h. Allmutter den Namen
Rolandnadel erhielt, Gemeingut Allsdllaraffias.
Sie hat vielen Sdllaraffen, die sidl erst durch sie
als soldle erkannt haben, beglückende Stunden
herzlidler Freude
in Freundsdlaft
besdlert.
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Manch' schönes Lied ist zu ihrem Preis erklungen. Roland war es auch, der
a. u. 24 (1883) mit Genehmigung der h. Praga das Barett als eine mit unseren
mittelalterlichen Gebräuchen mehr in Einklang stehenden Kopfbedeckung ein­
führte; nicht zuletzt wegen der für die Colonia abträglichen Verwechslung mit
einer der zahlreichen Karnevalsgesellschaften, die eine, dem Helm ähnliche,
Schelmenkappe tragen. Aus den gleichen Gründen schaffte die Colonia Orden
und Ahnen ab, wobei bemerkenswert ist, daß Roland die Anregung dazu aus
der h. Praga erhielt, weil offenbar das Ordenswesen in der Schlaraffia zu jener
Zeit recht üble Auswüchse angenommen hatte.
Gemeinsam mit seinen beiden Brüdern August, R. Barbarossa und Julius,
R. Tristan, Erzschlaraffe der h. Heidelberga, der an einem Abend vom Prüf­
ling zum Kantzellar aufstieg, war er der Initiator zahlreicher glanzvoller Feste
der Colonia. Erwähnt sei hier die denkvrUrdige Fahrt a. u. 25 (1884) nach
Linz, mit einem gecharterten Salondampfer, der in einen "Feenpalast" ver­
wandelt worden war und von dessen Radkästen in goldenen Lettern der Name
Schlaraffia leuchtete. Die Bevölkerung in Köln und in einigen Ortschaften
am Rhein nahmen lebhaften Anteil an dieser prunkvollen Fahrt, die nach
einer festlichen Sippung in Unz nach Rückkehr in Köln mit einem brillanten
Feuerwerk ihren würdigen Abschluß fand. Die ausführlichen Berichte in der
profanen Tagespresse vermitteln heute noch ein anschauliches Bild von der
Bedeutung und Wertschätzung der Schlaraffia im profanen Köln.
War es Roland, als treue!' Eckhard des Reyches, der immer wieder das
schlaraffische Leben beseelte. wenn es zu verebben drohte, so waren es uhu­
begnadete, für die Ideale unseres hehren Freundschaftsbundes begeisterte
Oberschlaraffen, die mit zündendem Humor, schlagfertigem Witz und beredten
Worten die Sippungen zu Erlebnissen schönster schlaraffischer Freude werden
ließen; zu ihnen gehörten Hl.mliet
Rezitator (M. Behrendt),
ehemals Praga-Sasse, der mit flammender Begeisterung die Gemüter zu erfas­
sen und zu geistigem Leben zu erwecken verstand, der a. u. 34 (1893) den
Ritterschlag an 15 wackere Junker boch zu Roß zelebrierte, dann Gobbo
CW. Wild), ein Satiriker, wohl der humorvollste und schlagfertigste Ober~
schlaraffe auf dem Thron der Colonia, Angelo (G. Düssel) mit seinem ausge~
prägten Sinn für alles Schöne und Gute, der das Gemüt anzusprechen verstand,
Lcmzelot CE. Strauß)

[… Fortsetzung im Originalband]
Quelle: Chronik Band I, S. 395-399