Hand anzulegen, sobald ein gesunder Wiederaufbau Allschla
raffias möglich wurde.
Die Schaffung selbstständiger Landesverbände zu befürworten, um
der Allschlaraffia nie mehr ein
politisches Schicksal herauf
zubeschwören, dem man mit knapper Not entgangen war.
Das Leben und Treiben der stets vürnehmen Turicensis ist im Turicenser
von a. u. 34 (1892) und in den Chroniken
1. Das Gedenkbüchlein zum 50.
2. Die Chronica der Jahrungen 71(72 bis 80(81 (1930/31 bis 1939140)
3. Die Chronica zum 75. Stiftungsfest
gar trefflich dargestellt. Aus diesen Schriften
auch hervor, wie das
in der
Rosenburg, Musenburg, Windburg, Burg Sorgenlos, Quell-
burg,
Karlsburg, Wasserburg, Dianaburg, Limmatburg und
Schmidenburg sippte, bis am 28. 10. a. u. 93 (1952) die heutige, wunder
schöne Limmatburg bezogen werden konnte, die von allen Gastrecken immer
wieder gebührend bestaunt wird.
Nr. 20 HA N N 0 VER A
(HamlOver)
gegründet 20. 10. a. 11. 21 (1880)
Zwei ungeschriebene Gesetze bestimmen den
Glanz und das lUlsehen eines Reyches, und mit
Vorbedacht hat
GleicheH, der Gründer und
Künstler ohne Gleichen, dessen Nachfahre heute als
Herrlichkeit des
auf dem Thron der Han
l10vera sitzt, die Kunst zum ersten Leitstern All
schlaraffias erhoben, denn das Reychsniveau steigt
und fällt mit dem prozentualen Anteil echter Künst
ler an der Sassenzahl.
Das zweite, mehr äußer
liche, aber doch mitbestimmende Gesetz lautet: Der
Pilgerzustrom zum Reych wädlst mit ihrem Wohlbehagen in der Burg. Beide
Gesetze haben nachweisbar entscheidenden Einfluß auch auf die Entwicklung
der Hannovera gehabt und wirken bis heute noch nach. Ihr fast 80jähriges
Bestehen zerfällt in drei Zeitläufe : Von 18 80 bis 1919, vom Ende des ersten
Weltkrieges bis zur erzwungenen Auflösung der Schlaraffia 1934 und endlich
von der
1947 und dem Wiederbeginn der Freiheit bis heute.
1.
a. u. 21 -
60 (1880
1919)
Zwei in Hannover ansässige Künstler des Hoftheaters gründeten am 20. 10.
a. u. 11
80) die neue Colonie: Der Schauspieler R. FloEt der }ylilde (Sieg
mund Bol1mann) und der Sänger R.' Nordltiiuser der Besdtnittene (Alexander
Rotter). Floh war a. u. 14 (1873) in der h. Berolina zum Ritter geschlagen,
während Nordl1iiuser aus der h. Lipsia kam. Als fahrender Ritter der Ham
l110nia war es für Flol1 selbstverständlich, daß sein zweites Reych die Mutter
-
410
der jungen Colonie wurde. Die Hammonia jedoch wurde von der h. Allmutter
am S. 3. a. LI. 21 (1880) für verschollen erklärt. Die h. Berolina war als
Stammreych des Gründers sofort bereit, die Mutterschaft ZLI übernehmen.
Als Erzschlaraffen wurden am 23. 11. a. u. 21 (1880) sechs weitere Hanno
veraner Künstler und fünf Angehörige anderer profaner Berufe zu Rittern
)4",'UJ'""I~"'i. Dem neuen am gleichen
sanktionierten Reyche blieben die
Stürme
Gründerjahre nicht erspart. Die Zahl der 74 Sassen der ersten
fünf Jahrungen verringerte sich durch Fahrende, Austritte und leider auch
Streichungen bis a. U. 25' (1
so sehr, daß von den Gründungsrittern nur
Floll der Milde und MarasC[i!in der Säusler übrig geblieben waren und von
den neuen Sassen nur siebzehn
Freitag in der Leineburg
schon der
dritten seit dem Bestehen ~ sipptcn. Unter diesen haben sich um das Reych
durch mehrjährige Verwaltung von Ämtern besonders verdient gemacht die
Ritter Dicherd1el1 J Heimicu der Federleser,. Ha/mo der Ceilei1ser, HeinricJI
der Fil1hler und PipiH der POSm!i1iste V011 JericlO. Um letzteren entbrannte
die sogenannte "Pipinsche Kalender-Fehde", die auch in anderen Reychen
viel Staub aufgewirbelt hat, ohne daß sich der Versuch durchsetzen konnte.
In dieselbe Zeit fallen auch die beiden einzigen Colonie-Gründungen der
Hannovera: Die der h. Magdeburgia am 27. 10. a. u. 23 (1882) durch R.
der Säusler (Heinrich Jäger) und der h. Brunsviga am 1. 12. a. u.
83) durch Hkt. Ham10 der Cellcl1ser (H. Baste). Das Protokoll dieser
Gründungsfeier verfaßte und verlas R.
der Posmmiste VCH Jerid10 (H.
Behrens) mit 132 Hexametern "am Tage Phrenophon des Fidelio-Atlondes
15' 83", wie die Datumsangabe der Urkunde lautete, womit hier ein Beispiel
der erwähnten Kalenderreform des Verfassers gegeben sein mag. Zum III. Con
eil in der Monachia hat Hkt. Hamw der Cel1ellser einen sieben Seiten langen
Artikel veröffentlicht, in dem er sich eingehend mit allen Frag~n auseinander
setzt, die im Spiegel und Ceremonial besprochen werden müssen. Viele Ver
bes5ef1.1ngen darin sind auf seine
zurückzuführen.
Den äußeren Glanz des Reyches bezeugen auch zahlreiche Feste dieses
Abschnittes: Die Kirmesfeier, das Jahrmarktsfest, der Dienstbotencongreß
und das Militärfest. Zum 10jährigcn Stiftungsfest spradl R. Immerdar der
Getreue den Festprolog, zum 20. wurde Knappe 13 3 "zur Rostra komman
diert". Dieses
hat jedoch niebt enttäuscht; aus dem
wurde
der
R. AlaximMs der Gehönte, der bis a. u. 71
erst der
Bero
!ina dann der h. Bochumensis als Herrlichkeit angehörte. Zum 25. Stiftungs
fest brachte die Kommission ein Festspiel heraus, bei dem vier Schauspiele
rinnen des Hoftheaters mitwirkten, und das in der profanen VIelt zum Ruhme
des Reyches beitrug.
Weich hohe Leistungen auf dem Gebiete der Kunst in diesem ersten
Abschnitt entstanden, darf nicht unerwähnt bleiben, da sie sogar in der
Chronik Allschlaraffias lobend anerkannt sind. Obenan steht R. Graf Mei
di/iger (Schindler) mit seinem Schlaraffenlied "Es kann ja nicht immer so
bleiben", mit der Fexung "Ich bin ein Schlaraff" I, mit der köstlichen Humo
reske "Das schlaraffische Ei des Kolumbus", seiner "Lebensphilosophie" und
"Des Hofnarren Freunde". R. Passe-partout der Mil,;tenbäHdiger (R. Haas)
schuf sein noch oft wiederholt es Lied: "Wann sdlmeckt der Wein 1"
411
2.
a. u. 64
74 (1923 -1933)
Im zweiten Abschnitt der Reychsgeschichte haben sich beide Grundgesetze
augenfällig bewährt. In einer äußerlich günstig gelegenen, von einem wohl
wollenden
auch in kulinarischer Beziehung unterstützten und im
lnnern
ausgestatteten, urgemütlichen Leineburg in der Windmühlen
straße sippten Sassen, deren Zahl in jeder Jahrung um mindestens fünf zu
nahm, wobei der Anteil hervorragender Künstler damals seinen Höhepunkt
erreichte. Daß er zusammenfiel mit dem gleichzeitigen Aufschwung der pro
fanen Kunstinstitute der Stadt, beweist nur die Richtigkeit des ungeschriebenen
Gesetzes. Als
echt schlaraffischer Kunst und Verkünder ihrer profanen
Quellen haben
unvergeßlichen Ruhm erworben die Schauspieler und Sänger
der Städtischen Bühnen: R. Pascha der Alles umfasseHde (Hilmar Geißler),
Hkt. Diadem der Volltöl1ige
Kronen), Hkt. Otto Ka-RuI1-S0 der Barde
(Paul Wiesendanger), R. Rigoletto der singende Pillendreher (Otto Filmar)
und Hkt. Wanderer der Ni1111t1entlUde (Joseph Correck, ein "Wotan" von
Bayreuth).
Gleichzeitig glänzten aber auch drei Sterne des Humors, des scharfen
Witzes und der Zeichenkunst, die ein
Uhu in der Leineburg zu
sammengerufen hatte, um Sippungen unvergeßlicher Höhe hervorzuzaubern:
Herrlichkeit Carlche Miesl1ick, der Hofnarr des Reyches, dem weit und breit
kein anderer gleichkam (Karl
R. Sarkast das Flaumbärtchen
(Heinrich Siebold) mit seinem
treffsicheren Witz als apo-Führer
und der heute noch auf der Titelseite jeder Schlaraffenzeyttung weiterlebende
geniale Zeichner und Karikaturist R. Blitzstift der Cynol~ratjsche (Willy M.üller).
3.
a. u. 86
100 (194,
19,9)
Wie die entbehrungsreiche Last nach dem gänzlichen Zusammenbruch des
Vaterlandes weit schwerer zu tragen war als das Hinübergleiten von der
Krone zur Republik nach dem ersten
so verlangte auch der voll
ständige Wiederaufbau des Reyches
mit dem starken Zustrom östlich
beheimatet gewesener Sassen anderer deutscher Volksstämme eine zunächst
rein organisatorische Neuarbeit und Erkundigungstätigkeit des öfteren bei
profanen Dienststellen, die juristisch geschulte Würdenträger besser leisten
konnten als reine Künstler. So war auch für den anderen Teil der Sassen
schaft eine willkommene Gelegenheit
sich zum Wohle des Reyches,
in praktischen Leistungen zu
zumal erschwerend ein dauernder
Wechsel der profanen Gaststätt
[… Fortsetzung im Originalband]