Kilia

Unbekannt ·Reychsgeschichten

Beschreibung

Reych Nr. 26 — Kilia (Kiel). Geschichte aus Band I der Allschlaraffischen Chronik.

Volltext

Nr. 26 K I L I A (Kiel)
gegründet 21. 12. a. u. 21 (1880)
Die altehrwürige Kilia erblickte am 21. des Christ­
monds 1580 (1880) als vierte Tochter der h. Colonia
Agrippina und Enkelin der Wratislawia das Licht des
Uhuversums. Die schleswig-holsteinischen Landesfarben
Blau-Weiß-Rot waren auch die Reychs- und damit auch
die Wappenfarben der stolzen Kilia. Im blauen Feld
dieses
sehen wir ein großes Segelschiff, im
weißen Feld, neben dem Gründungsdatum, das Wappen
der
und im roten einen goldenen Pokal.
Wer hat nun die altehrwürdige Kilia gegründet? Die schlaraffische Chronik
nennt als Erzschlaraffell die Ritter: AI~iba deI' Eiluige, Molthe der Großmütige,
Columbus der Rastlose. Nestol' der Grausambe, Ka1c11as der Mißvergl1ilgte,
Simson der NoteI1scJ.twiirmer, Apollo VOI1 Theben, Piso von Babelsberg, Ro1md
der Wildgraf, Blaubart der
Quast der Echstein und als Initiator
der Gründung einen
Stolze der Improvisator. einen angeblichen Sassen
der Amstellodamia. Dieses Reych vernehlte jedoch Stolzes Zugehörigkeit zur
Schlaraffia, der dann auch bald wieder im Dunkel der Profanei verschwand,
nachdem er bei der
der h. Wormatia ebenfalls eine zwielichtige
Rolle gespielt hatte. Nach diesem Intermezzo übernahm die h. Colonia Agrip­
pina Mutterstelle an dem
Reych. das sich zur Freude und zum Stolz
Uhus in der Folgezeit
entwickelte. Herrlichkeiten waren in jener Zeit
die Ritter: Ric1wrd der
der auch das Kantzlerambt wahrnahm, Carlos
die Rolandseic1te, Gf1lascJ.t VOl1 Pußta. Marschall war Ulfilas von Salizyl, Jun­
kermeister Drasal der Gloci,enturm, der übrigens auch die ersten Bände der
alten Chronika Schlaraffias Ende der J ahrung 1596/97 schrieb und schließlich
Schatzmeister Tl1eobald der Lululatte. Außerdem hatte die Kilia noch fünf
Ritter, einen Junker und einen Knappen, sämtliche ansässige Bürger der Stadt.
Jviit anderen Reychen wurden bald enge Beziehungen aufgenommen. Die Kilia
blühte und wuchs in den darauffolgenden Jahren. Folgende Namen leuchteten
am Himmel des jungen Reyches neben den vorgenannten : Augustus. Twist,
Gilka. Sprott und Ni;ttrod. Die Burg der Kilia wurde die Kallcnburg genannt.
In dcr Jahrung 1592 bezog die Kilia ihre Augustus-Burg, die sie ihrer Hkt.
Af1gustus verdankte, und die anläßlich des zehnjährigen Bestehens der Kilia
eingeweiht wurde.
Die schlaraffische Idee mit aIl ihrer Schönheit und Kostbarkeit fand im
profanen Kiel und audl bei den Mitgliedern der Kieler Theater kein Echo.
So entschloß sich das
einen öffentlichen Unterhaltungsabend "zum
Besten der humanitären Zwecke des vaterländischen Frauenvereins" zu ver­
anstalten am 15. des Lenzmondes a. u. 42 (1901). Musikalische und deklama­
torische Vorträge wechselten ab. und die Kilia erhielt für die 1200 abgeführten
Reichsmärker, ncben ungezählten Glückwünschen, ein liebes Dankschreiben
der Vorsitzenden, Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Prinzessin Heinrich von
Preußen. Weitere
Handschreiben hat die Kilia in den bisher ver~
flossenen fast 100 Jahren nie wieder erhalten. Eigentlich schade!
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A. u. 42 (1901) taucht als Zeremonienmeister R. Sülluolz der ScJmeidige
auf, der den älteren Sassen der Kilia noch heute gut bekannt ist. Er hat für
die Kilia viel getan, und seine offene Hand war es. die dem jungen Reych
manche erwünschte Anschaffung ermöglichte.
A.. u. 43 (1902) erbaute die Kilia im profanen Schiller-Theater ihre dritte
Burg, ihre Funke-Burg.
Am 11., 12. und 13. des Erntemonds a. u. 47 (1906) fand das allschlaraffische
Sommerfest in Kiel statt, verbunden mit des Reyches 25jährigem Stiftungsfest.
282 Recken, Burgfrauen und Maiden aus 64 Reychen feierten ein gar herrliches
Fest in schönster Harmonie. An diesem Fest erhielt die Kilia auch in Hkt.
Go/iatu ihren ersten Ursippen. Aus diesem Jahr seien folgende Recken genannt:
Oberschlaraffe Süßltolz der Scuue/dige, Junkermeister SdJWlmgstiefel der
11üpfeude Freier, Reychsschatzmeister Storelt der Stillvergrtügte, Dat stimmt der
Vielosoff, Ragout vom Stord1l1cst, Troddel der FrecJnHops und der Knappe 133,
der nachmalige R. Lacuus.
A. u. 48 (1907) erbaute die Kilia im "Spatenbräu" ihre vierte Burg, die
Hochburg. Sippungstag ist immer noch der Montag, wie von Anbeginn bis zum
heutigen Tag. Auf dem Thron saßen neben Goliatu die beiden Recken Süßl10lz
und Dat stimmt, während der liebe, alte R. Ragout anstelle des Kantzlers
Cueviod dessen Ambt übernahm.
A. u. 54/55 (1913/14) bestieg der unvergeßliche Barol1 VOI1 Troddel der
Frec1tuiOps den Thron als Oberschlaraffe d. Ae. Er trug seinen Namen, da er
Fabrikant von Borden, Troddeln und sonstigen Posamenten war, mit vorbild­
licher Würde und wird als einer der Großen in der Kilia unvergessen bleiben.
A1an schrieb das profane Jahr 1914. Der erste Weltkrieg entbrannte. Trotz
der schweren Zeit sippte die Kilia in der alten Hochburg weiter und blieb von
Verlusten durch das Kriegsgeschehen verschont, bis auf R. KOI'itH1, der sein
Leben im Felde dahingeben mußte. Das Reych hatte bei Kriegsende 31 Ritter,
zwei Junker, fünf Knappen. Hierzu kamen noch neun fahrende Ritter.
Ehrenritter der Kilia waren im profanen Jahr 1918 Platil1-Hammonia und
Rolal1d-Colonia Agrippina. Am 6. 3. a. u. 64 (1923) taucht als Knappe 192
und nachmaliger Junker Adje von Chaplin, Urial1 auf, der in der Folgezeit als
Erboberschlaraffe der Kilia, Sprengelvorsitzender der neun norddeutschen
Reyche und zweiter stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Schlaraffen­
rates im Uhuversum sehr bekannt wurde und den Namen der stolzen Kilia im
In- und Ausland immer wieder vorbildlich vertrat. Wir werden
noch von
ihm hören.
A. u. 64 (1923) glückt es der Kilia, im Restaurant "Prinz Heinrich" Räume
zu mieten, deren Benutzung ausschließlich dem Reych vorbehalten war. In
diesen Räumen wurde ein Rittersaal aufgebaut, wie er zu damaliger Zeit kaum
schöner und schlaraffischer im Uhuversum zu finden war. An der Ausgestaltung
beteiligten sich in Sonderheit der Kantzler Rotacitus durch großzügige Spenden.
Die volle Holztäfelung, die bleiverglasten Fenster, die stoffbespannten Wände,
alles in prächtigster Ausführung, verdankt das Reych ihm. Manch frohes Fest
wurde hier in der sogenannten Holstenburg gefeiert, und besonders beliebt
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waren die kombinierten Sippungen der nordischen Reyche, bei denen neben
den geistigen Genüssen die Sprottenatzungen von sich reden machten.
Es kam das lahr 1933 und die damit verbundene
der deutschen
Schlaraffia von Allschlaraffia. Allen Anfeindungen zum Trotz wurde jedoch
regelmäßig gesippt, und zu diesen Sippungen erschienen oft auch noch eine
Reihe von ausgeschiedenen Sassen, die den Zusammenhang mit dem alten
Freundeskreis nicht abbrechen lassen wollten. Der Fortbestand dieser Zusam­
menkünfte war ganz besonders den damaligen Herrlichkeiten Bauldlet1, Platt
und RotacitHs, der Erbherrlichkeit Troddel und dem rührigen Kantzelar Bock
zu verdanken, die sich auch durch profane Angriffe und berufliche Rückschläge
nicht in ihrem Einsatz für die Kilia entmutigen ließen. Besondere Lichtblicke
waren in diesen Jahren die Freundschaftssippungen der nordischen Reyche, in
denen sich die Sassen immer wieder Mut zum Durchhalten holten.
Als Mitte Februar a, u, 78 (1937) der Auflösungsbeschluß der deutschen
Schlaraffia zustande kam, nahmen die Sassen der Kilia an der glorreichen und
ergreifenden Schlußsippung der h. Hammonia teiL Die Kilia hielt am 26. 2.
a. u. 78 (1937) ihre letzte Sippung mit Burgfrauen, verbunden mit einem
Liebesmahl und am 27. 2. die Schlußsippung ab. Hierbei wurde der Junker
Hans, der profane 70jährige Gesanglehrer Hans Günther, zum Ritter "Zuletzt,
doch Nicht ZI1 spät" geschlagen. Sämtlichen Kilia-Sassen wurde am gleichen
Tage die Erbschlaraffmwürde verliehen.
Die Zahl der Sassen, die der Kilia bis zur Auflösung angehörten, belief sich
auf 20 Recken, In der nun uhufinsteren Zeit trafen sie sich an einem Stamm­
tisch, der wechselnd in verschiedenen Lokalen abgehalten wurde und der bis
in die erste Zeit des zweiten Weltkrieges hinein tagte. Nun senkte sich
Schweigen und Grabesstille auf die Kilia.
Dann brach

[… Fortsetzung im Originalband]
Quelle: Chronik Band I, S. 444-448