Glauchavia

Unbekannt ·Reychsgeschichten

Beschreibung

Reych Nr. 62 — Glauchavia (Glauchau/Sachsen). Geschichte aus Band I der Allschlaraffischen Chronik.

Volltext

Nr. 60 FRA Neo V A DIA (Frankfurt/Oder)
gegründet :26. :2. a. u. :25 (1884)
Die Francovadia wurde am 16. des Hornungs
1584 als Tochter der Lignicia gegründet. Die Zahl
der fahrenden Sassen machte sich in nachteiliger
Weise auf die Weiterentwicklung des Reyches be­
merkbar. A. u. 45
begann eine neue Blüte­
periode für das früher so kümmerlich gedeihende
Reych. Der Gründer des Reyches, R. Hans Dido,
verstand den alten Sassen in schöner Weise die Tage
früherer Jahrungen wieder vor Augen zu zaubern
und so wurde, nach sorgsamer Vorbereitung des Nachwuchses, das 25. Stiftungs­
fest in gar glanzvoller Art und Weise
das Zeugnis davon ablegte, daß
in der alten Oderveste echter schlaraffischer Geist herrscht. Am 27. des Wind­
monds a. u. 1586 gründete die Franvovadia das Reych Gordicia. A. u. 74
(1933) gehörte das Reych nicht mehr dem Verbande Allschlaraffias an. In den
Stammrollen a. u. 100 (1959) werden In bestehenden Reychen vier seßhafte
Sassen erwähnt.
Nr. 61 ROT T ERD AMI A
(Rotterdam)
gegründet 15. 3. a. u. :25 (1884)
Die Rotterdamia wurde am 15. des Lenzmonds 1584 durch R. Odysseus dett
ScJl11ellen der h. Amstelodamia gegründet. Nach langjährigen vergeblichen Ver­
suchen das h. Reych Rotterdamia lebensfähig zu erhalten, haben dessen Sassen
das Reych am 22. des Windmonds 1597 freiwillig aufgelöst, sind jedoch All­
schlaraffia erhalten geblieben, da sie von der Begünstigung des § 11 aL 4
Gebrauch gemacht haben und vom h. Reyche Amstelodamia als dessen
fahrende Ritter immatrikuliert worden sind.
Nr. 62 GLAU C H A V I A
(Glaucltau/Sacltsell)
gegründet 17. 6. a. u. :25 (1884)
Die Gründung des
Glauchavia fällt in die
Jugendzeit des Chronisten, und dieser glaubte deshalb,
den an ihn herangetragenen Gedanken, die GesCt1ichte
dieses einst stolzen, aber auch überaus fröhlichen
Reyches für die Chronica zu schreiben, nicht ablehnen
zu dürfen. Als kleiner Knirps schon sah er seinen Vater
als Junker }ulius von de)' Stanze, Ez, später R. Letter
der Schwabacher (J. Pickenhahn sen.) zur Muldenveste
reiten, ebenso kann er sich noch dessen Rittes zur h.
Allmutter erinnern anläßlich ihrer< 25jährigen Gründungsfeier.
DoCh zur
Gründung selbst. Wenn dieselbe auch bereits in den früheren Bänden der
allschlaraffischen Chronica ausführlich gesChildert wurde, soll sie hier nochmals
kurz gestreift werden.
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Am 16. 4. l584 (a. u. 25') hatte der Fabrikant Hugo Schneider (Kn. 37,
später Hkt. Stolzing der Nürnberger) an den Dresdner Hofschauspieler G. Emil
Schubert (Hkt. Graf Moltke der SogeHanl1te, Dresdensia) einen Sendboten in
Versform gesandt, in dem er Mitteilung machte, daß sich der "Pianoklub"
(ein Anhängsel der profanen Casinogeseilschaft), dessen Tendenzen den Mit­
gliedern nicht mehr genügte, in eine Gesellschaft umzuwandeln gedächte, ähn­
lich der Schlaraffia. Hierzu erbäte er seinen Rat. Am l8. 4. ging bereits die
Antwort Moltkes ein, die besagte: "Wollt Ihr liebel1 Freunde einen Verein,
wie der V011 Eud1 erstrebte, griil1del1, so grUndet ihn als Schlaraffia tmd Il1r
werdet ebenso fröl1liche, ul1vergeflliche StH/del1 erleben, als Ul15 die Gl1ade
Uhus il1 fiUnmehr 14 Jahrul1gel1 ge5chel1l~t hat." Man ließ sich dies als Richt­
schnur dienen, und in einem vier Folio-Seiten langen Aufruf trat man noch im
Ostermond 15' 84 an die Mitglieder des Pianoklubs und andere kunstbegeisterte
Profane heran, sich der Schlaraffia Glauchensi" wie man sie zuerst bena1111te,
anzuschließen. Der Aufruf war unterzeichnet von den vier Oberschlaraffen
Kn. 12 (Arthur Lossow), Kn. 87 (Schneider), Kn. 83 (Wilhelm Simon) und
Kn. 27 (Robert Wind<ler). Der Aufruf gab über die vorbereitenden Schritte,
wie auch die Tendenzen der Schlaraffia Auskunft, ebenso wie man die Knap­
pennummer errechnete. Man numerierte die einzelnen Buchstaben von A-Z
mit 1-0 sich wiederholend und nahm dann stets den ersten und letzten Buch­
staben des profanen Namens, Lossow (Kn. 12), Schneider (Kn. 87) usw.
Der Aufruf hatte Erfolg, und schon am 17. des Heumonds 15'84 stieg mit
37 Sassen die Grundungssippung. Über den eigentlichen Grundungstag hat
man sich aber bis in die neueste Zeit niCht einigen können, und noch in den
letzten von dem Chronisten herausgegebenen Vademecen steht verzeichnet:
,,17. Brachmond a. u. 25 (1884)", Stammrolle 29. des Herbstmonds a. u. 1584.
In der alten Chronlca kann man lesen: "die offizielle Kundmachung der
Colonie gibt den 17. des Heumonds als Gründungstag an, die offizielle Kund~
machung der Allmutter den hohen 17. des Rosenmonds und die offizielle
Stammrolle den 29. des Herbstmonds an." Der letztere Termin wird auch in
den neueren Stammrollen angegeben.
Die ersten drei Oberschlaraften waren Nimrod der Karolil1ger (Lossow),
Stolzil1g der Ni4l'l1bel'ger (Schneider), und Pappel1hefm der Voll?stribul1 (Wind<­
ler), während Knappe Nr. 83 (Sirnon) als R. Johal1l1 der Mut/fere das Schatz­
meisteramt übernahm. Erster Kantzler war R. FUl1daf11ent der Sichere (Kästner).
Sippungstag war Samstag, den man auch mit Ausnahme von drei Jahrungen
bis zur Auflösung beibehielt. Auch die Burg hat man nicht gewechselt. Der
von der Casino-GesellsChaft zunächst zur Verfügung gestellte "Garten-Salon"
wurde zur Muldenveste ausgestattet und erlebte während 5' 3 Jahrungen viele
glanzvolle Sippungen.
111 der Gründungssippung, in Anwesenheit von Rittern der h. Reyche Dres­
densia, Lipsia und Carolsuhu ernannte Hkt. Graf Moltlee 21 Knappen zu
frohen Junkern. Der erste Ritterschlag wurde am 8. des Windmonds 1584 an
18 Junkern durch Graf Moltlee vollzogen, und am gleichen Tage wurden elf
Knappen zu Junkem ernannt. Am 4. des Wonnemonds 1585' wurde die erste
Jahrung geschlossen mit einem nochmaligen Ritterschlag an 19 Junkem durch
HIet. Moltl~e.
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Die Sanktion der Colonie zum Reyche Glauchavia fand am '5. des Christ­
monds 158'5 in den festlichen Marmorsälen der Muldenveste statt. Hkt. P11i!nx­
Dresdensia leitete die Festsippung. S. VieledIen R. Bal'vtabas der h. Allmutter
verlas die Sanktionsbulle, worauf Hkt. Puilax die Sanktion
Nach dieser
übernahm Hkt. Nimrod die Funktion der Sippung, die neben
üblichen
Glückwünschen und Gesd1enken eine Reihe von geistreichen
und
musikalischen Vorträgen brachte, so daß die Turmuhr bereits die fünfte
iVlorgenstunde ertönen ließ, als das Sippungsschlußlied
Die 57. Sip­
pung hielt man auf Antrag Hkt. PappeHl1eim im profanen Chemnitz ab. wohin
man im Möbelwagen die ganze Burgeinrichtullg
hatte. Fünf­
Glauchavia-Recken begeisterten die erschienenen Chemnitzer
derart, daß man an diesem
bereits die erste
das spätere
Kemnitzia aus der Taufe hob.
Das schlaraffische Leben und Treiben entwickelte sich
und die
Einritte auswärtiger Recken vermehrten sich von Jahrung zu Jahrung. N ament­
lich die Festsippungen, die stets in größter Aufmac.~ung veranstaltet wurden,
und zu denen niemals ein Brückenzoll erhoben wurde, verzeichneten stets eine
große Anzahl Einritte. Sie einzeln zu beschreiben, würde zu weit führen,
erwähnt seien: das Schützenfest 1586, die 10. und 25.
Selbst
das 50. Stiftungsfest, das bereits in die Zeit der Bedrängnis fiel, wurde noch­
mals in größter Aufmadul11g in dem prächtig geschmückten Marmorsaal der
Muldenveste trotz der auf 28 Sassen herabgesunkenen
bei
zahlreichen Einritten gefeiert. Nicht nur gastfreundlich waren die Sassen, audl
sonst bewies man nicht 11ur durch Worte, sondern auch durch die Tat, ,.dem
Bruder hilfreich beizustehen". Insbesondere die Sammlungen anläßlich der
Uhubaumfeiern für in Not geratene Freunde und l,,1itbürger erbrachte oft
ansehnliche Beträge, wodurch mandle Not gelindert werden konnte.
1m Eismond a. u. 55 (1914) erfreute die Tochter Kemnitzia ihre Mutter
durch die Nlitteilung der Gründung eines Enkelreyches, der Castellum Mis­
niense, zu deren Gründern auch ein Recke der Glauchavia, der R. 00171 VOI1
Meißcn (Bernhard Mosebach),
Kemnitzia hatte bereits im Jahre 50,
im Lenzmond, eine Schwester, das Reych Castrum Plaviense, erhalten. Um die
dieses Reyches hatte sich R. Tropfel1reich vom Altvater (Richard
eingesetzt, der mit dem fahrenden R. SOl1or die

[… Fortsetzung im Originalband]
Quelle: Chronik Band I, S. 519-523