120 Ravensbergia
Das „mit Abstand intelligenteste und schönste Reych im profanen Bielefeld” (es gibt ja nur dies
eine) konnte a.U. 135 in der Stadthalle sein 100. Stiftungsfest feiern, verbunden mit dem XVI. Deut-
schen Schlaraffentag.
Rund 1.000 Gäste bejubelten das Allschlaraffische Orchester und die Funktion vom OK Rt Veltlin.
Hier, wie sechs Jahrungen später auch auf der 3.000. Sippung, die OI Rt Nix-Nutz leitete, zeigte sich
die enge Verbundenheit der Ravensbergen mit den Freunden in anderen Reychen, die sich nicht nur
auf Feste beschränkt, sondern geprägt wird durch ständige Ausritte der Ravensbergen und zahlrei-
che Einritte aus dem halben Uhuversum.
Unsere Reliquie, der Ahalla-Schrein der h. Praga, ist sicher ein Grund für Einritte, mehr aber wohl
die Herzlichkeit unserer Sassen, das Niveau der immer zahlreichen und vielseitigen Fechsungen
zu ungewöhnlichsten Themen, vielleicht auch die Kontinuität auf dem Thron, der das Niveau ab-
sichert.
Ein weiterer Grund für einen Einritt könnte auch das Schlaraffenmahl sein, das einmal in der Winte-
rung in festlicher Atmosphäre zelebriert wird und das seit über einem Jahrzehnt von Rt Blaubands
Kochkünsten geprägt wird.
Die Ravensbergia erkor als ihren neuen Ehrenschlaraffen Pilgrim Heinrich Hoffmann von Fallersle-
ben, nicht nur als Schöpfer des Deutschlandliedes und der „unpolitischen Lieder”, sondern auch als
Dichter einer großen Zahl von Kinderliedern. Sein Grabstein im nahen Kloster Corvey trägt übrigens
die fast schlaraffische Inschrift „Wie könnt´ ich Dein vergessen”.
Zu seinem 99. Wiegenfest konnte Großfürst Unser Pro Contra mit dem Lorbeer zum Großkris-
tall ausgezeichnet werden, die „jungen” Rt Papyr und Rt Korund mit dem Großkristall, und sechs
Freunde mit den Brillanten.
Sie alle bestätigten, dass das schlaraffische Spiel den Geist jung erhält. Leider gilt das nicht auch für
den Körper: Wir mussten in den letzten 25 Jahrungen 30 Freunde ihren letzten Weg gen Ahalla zie-
hen lassen. Wir konnten uns aber gleichzeitig auch über einen zahlreichen und aktiven Nachwuchs
freuen, so dass sich die Zahl der Sassen weiterhin um die 50 bewegt.
Die Ravensbergia kann mithin zuversichtlich in die Zukunft sehen. Wenn auch das 125. Stiftungs-
fest, das es a.U. 160 zu feiern gilt, noch in weiter Ferne liegt, so freuen wir uns trotzdem schon heute
auf dieses große Jubiläumsfest.
Wer Herzlichkeit, Fröhlichkeit und Niveau erleben möchte, muss jedoch nicht bis zur Feier warten,
sondern ist jederzeit willkommen im „schönsten und intelligentesten Reych im profanen Bielefeld”.
C h r o n i k B a n d I V d e r A l l s c h l a r a f f i a ® m i t I n h a l t s v e r z e i c h n i s d e r 4 C h r o n i k e n O s t e r m o n d 1 5 3 , L a n g s a m , P s e u d o - S c h w a b , T a u r r i e s e u s
121 Tarimundis
Tempora mutantur et nos ? In den hektischen Wandlungen des heutigen profanen Lebens hat uns
Graf Gleichen unser Gründer und Ur-Schlaraffe mit Gleichgesinnten eine Insel der Glücklichen
geschaffen, auf der unsere Ideale immerfort blühen und gedeihen.
Dieses Erbe treu zu verwalten, ist für Tarimundis heilige Pflicht. Allezeit als der Allmutter Praga
jüngste Tochter dem Ceremoniale und Spiegel getreu, Graf Gleichen innigst verbunden, obliegt ihr
die Pflege, Erhaltung und Renovierung seines Denkmals und seiner Grabstätte, diesem Ort dankba-
ren Erinnerns auf dem alten Friedhof in Darmstadt, gern wahrgenommen von Sassen der Tarimun-
dis. In die Kette derer, die sich um das Reych und das Spiel in besonderer Weise verdient gemacht
haben, reihten sich die Rt Orlando und Rt Willämche mit anderen unter der Führung des kühnen
Burgbaumeisters ein, ebenso Rt Goldjung als Schöpfer der im Uhuversum einmaligen Strohbilder
unserer Weilandrecken, von denen uns eines mit besonderem Stolz erfüllt.
Es zeigt unseren PRAGA-Ehrenritter Flötüli, der am 20.10.a.U.131 gen Ahalla ritt. Eine ganz unver-
hoffte Dynamik erfuhr das Reych mit dem Erwerb einer eigenen Burg in der Martinstraße. Unge-
ahnte Fähigkeiten gaben Mut zu gewagten Umbaumaßnahmen und finanziellen Hilfen. So ging
ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Es fanden Uhu und seine Söhne ein behagliches Nest, ein
individuelles Zuhause, in dem die Handschrift manches Recken zu erkennen ist.
Die noch immer sagenumwobene Reychsfehde mit der Wormatia am 25.10.a.U.127 in der Gemar-
kung des h.R. Aula Regia siegreich ausgefochten, verlieh Tarimundis jugendlichen Schwung, dem
sich kein Sasse entziehen konnte, zumal die Junkertafel fast zeitgleich mit denen Am Odinwald
stritt und so die freundschaftlichen Bande festigte.
Alles drängte zum großen Jubiläum, der Hundertjahr-Feier, die nach langer, sorgfältiger Vorberei-
tung am 28. u. 29.5. a.U.135 zu einem gloriosen Fest auf der Wachenburg zu Weinheim wurde und
mit der würdevollen Feierstunde am Grab Graf Gleichens ihren Abschluss fand.
Leider überschattete der plötzliche Ahallaritt des OS Rt Ibis die denkwürdige Festlichkeit. Er war
auch maßgeblicher Ideengeber für das sogenannte Benzinesel-Treffen, das sich seit a.U.139 in den
germanischen, austrianischen und helvetischen Gauen zunehmender Beliebtheit erfreut und schon
zehnmal stattfand. Fester Bestandteil im Sippungsreigen ist seit a.U.139 alle zwei Jahre die kunst-
reiche Musiksippung auf Burg Frankenstein unter dem Motto: „Und welches Instrument spielt Ihr?”
wobei originelle Eigenbauten den Ton angeben. Hier oben fand auch neben dem traditionellen
Turney um die Glöcknerkette am 10.11. a.U.138 die 3.000 Sippung statt.
Im selben Jahr gedachten wir des 100. Todestages unseres Reychsgründers Graf Gleichen. Seinem
Angedenken gerecht zu werden, befleißigt sich die „schlaraffische Jugend” durch lebhaftes geistvoll
heiteres Spielen und Fechsen, besonders in den JuknaSi. Erfolgreich und gehaltvoll war stets die
Teilname an den Rhein-Main-Freundschafts-Turneyen. Ebenso eröffnet Tarimundis heute jedem die
Teilnahme an den reychseigenen Turneyen, was viele Recken aus dem weiten Uhuversum zum Mit-
streiten ermutigt. Die künstlerische Umrahmung und Gestaltung des Deutschen Schlaraffentages
a.U.144 lag in den Händen der Tarimundis als lyrisch-musikalische Fechsung. Belebend hat sich
stets ein Wechsel der Thronsassen und Reychsbeamten auf das Spiel ausgewirkt, kommen doch auf
diese Weise neue Impulse und Interessenten zur Tarimundis, sodass der Strom seelisch geistiger
Kräfte, den vormals Graf Gleichen glückhaft entdeckte, niemals abreißen wird. So zählt die stolze
Sassenschaft derzeit 49 Ritter, 2 Junker, 3 Knappen und 2 Prüflinge und sippt alle Zeit frohgemut
gemäß der Devise: „In arte voluptas!”
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