241 Castellum Peinense
Unser Reych hatte im Jahre a.U. 109, nunmehr vor 40 Jahren, ein Baugrundstück übernommen und
unter großem finanziellen Opfer und unter erheblichen persönlichen Arbeitsleistungen der eigenen
Sassen zu einer anheimelnden Burg ausgebaut. Die Burg war „in die Jahre gekommen”. Nach 25
Jahren wurden lang geplante Sanierungs- und Umbauarbeiten vorgenommen. Wiederum galt es,
erheblichen Einsatz von Zeit, Arbeitsleistungen und Mammon zu erbringen.
Ein harter Kern der Peinenser Sassen werkelte in der Sommerung mehrer Jahre an den Wochen-
enden, unter Vernachlässigung von Heimburg und Burgfrau. Viele Freunde aus dem Uhuversum
unterstützten uns finanziell, mancher davon wollte offiziell nicht genannt werden. Das ist echt
schlaraffisch.
Ein herausragendes Ereignis in unserer jüngsten Reychsgeschichte war die Festsippung am 21.11.
a.U. 139 zum 75. Stiftungsfest unseres Reyches, mit dem zugleich die 22. Mirza-Schaffy-Feier be-
gangen wurde. Unter der geschickten Führung des Thrones, der geziert wurde von Rt Don Ventilio,
Rt Tor-nah-Du und Rt Protokollo, lief ein glanzvolles Fest ab, das auch in der örtlichen Presse ein
beachtliches Echo fand. Die Lokalpresse titelte: „Ehrenschlaraffe Bodenstedt beklagt, dass er in
Peine kein Denkmal hat”.
Friedrich Martin von Bodenstedt, der im Jahre 1819 in Peine geborene Dichter und Übersetzer, der
Ehrenschlaraffe unseres Reyches und zugleich Ehrenbürger der profanen Stadt Peine ist, trat am
Abend unserer Festsippung persönlich auf. „Schlaraffia und Oliver Völkening (ein regional bekann-
ter Laien-Schauspieler) machten es möglich”, schrieb die Peiner Presse. In einem Dialog zwischen
dem Fungierenden Rt Protokollo und „Bodenstedt” beklagte sich der Dichter, dass es in Peine kein
Denkmal für ihn gibt. Auf Grund dieses „öffentlichen Auftrittes” Friedrich von Bodenstedts während
unseres Stiftungsfestes, ergriff der damalige Bürgermeister der Stadt die Initiative, die Ostermond
a.U. 142 zur feierlichen Enthüllung eines Denkmals für Friedrich von Bodenstedt führte. Auf der
Bronzetafel, die die Namen der Stifter des Denkmals enthält, ist auch das Castellum Peinense auf-
geführt.
Unser Reych besteht nun bereits 85 Jahre. Wir fühlen uns wohl im Kreise unserer Freunde. Im Osten
unsere Mutter Brunsviga, im Westen unsere Oma Hannovera, im Süden unser stets einwandfreier
Vater Hildesia und im Norden unser allerliebstes Töchterlein Cell-Erika. Im Mittelpunkt dieses Krei-
ses stehen uns noch viele befreundete Reyche im Uhuversum zur Seite. Dies beweisen sie uns nicht
nur durch ihre zahlreichen Einritte bei unseren Sippungen. Sie stehen uns auch bei, wenn Oho uns
in seiner Tücke mit Ahallaritten schlägt. Viele liebe Freunde, die Schlaraffen bis zum letzten Atem-
zug waren, sind uns in den letzten Jahren genommen worden..
Besonders hart getroffen, hat uns der völlig unerwartete Ahallaritt unseres OÄ des Fürsten Don
Ventilio von Atonalien im Windmond a.U. 140. In den Morgenstunden nach seinem 25-jährigen
Thronjubiläum, mitten aus dem vollen schlaraffischen Leben heraus, wurde er abberufen. Er war
eine kraftvolle schlaraffische Persönlichkeit, die unauslöschliche Spuren in unserem Reych gelegt
hat. A.U. 149 amtieren folgende Würdenträger:
OI Graf Tor-nah-Du (seit 30 Jahren auf dem Thron und als „Einrittswunder” bekannt), OK Graf
Paddel-Du, OÄ Graf Extra 3, K Gu ErbK Fürst a-part, M Graf Prosa, J Großfürst Qui-vive, Sch Graf
Ben Bufo, C Gu ErbC Fürst Gö-rollt.
Unsere kleine uhuverschworene Schar blickt getrost in die Zukunft, da tatkräftige Sassen weiterhin
an dem Fortbestand unseres Reyches arbeiten.
C h r o n i k B a n d I V d e r A l l s c h l a r a f f i a ® m i t I n h a l t s v e r z e i c h n i s d e r 4 C h r o n i k e n O s t e r m o n d 1 5 3 , L a n g s a m , P s e u d o - S c h w a b , T a u r r i e s e u s
242 Duisbargum
25 Jahrungen – eine lange Zeit, und doch wie im Fluge vergangen. Man hält inne und erinnert sich.
Ist die Duisbargum noch die Alte? Nun, das Schwarz unserer Rüstung, symbolisch für die Kohle des
Ruhrgebiets, ist einwenig matter – doch das hoffnungsvolle Grün strahlt dafür umso intensiver.
Der Alters-Durchschnitt der Sassenschaft, vom Junkermeister bei jeder Neuaufnahme neu verkün-
det, bleibt – auf hohem Niveau – in etwa konstant, die Sassenzahl war in der weiteren Vergangen-
heit rückläufig, doch mit jetzt 33 Sassen geht´s wieder aufwärts. Schuld daran war natürlich Oho,
hat er doch viele verdiente Freunde gen Ahalla entführt, allen voran unseren unvergesslichen Rt
Wollywood, der als Junkermeister unser Reych geprägt und als eifriger Ausreiter im Uhuversum
bekannt gemacht hat.
Auch unseres liebenswerten Altkantzlers Sunis sei an dieser Stelle in Dankbarkeit gedacht, ebenso
unseres Rt Electron, der durch seine eigenwilligen Kreiseltheorien den Ruf der Duisbargum als
mathematisches Reych mitbegründete und dessen Sassenzählungen als Marschall unter Zuhilfe-
nahme der imaginären Zahl immer – kaum nachprüfbar – stimmten. Auch von unserem geliebten
Großfürsten Struffi, einer der tragenden Säulen unseres Reyches, mussten wir inzwischen Abschied
nehmen.
Die Ehrlichkeit des Chronisten gebietet es, auch zu berichten, dass ab a.U. 134 für eine geraume
Zeit ein Zustand herrschte, bei dem „Einigkeit der Burg entfloh” und der vielen Sassen große Sorge
bereitete. Wie so oft: ein gut gemeintes, jedoch missverständliches Wort, das auch prompt miss-
verstanden wurde, verletzte persönliche Eitelkeiten und ein „eisernes” Verharren auf einmal einge-
nommenen Positionen führten letztendlich zum Verlust dreier wertvoller Freunde. Wir wären jedoch
keine Schlaraffen, wäre es uns nicht gelungen, die aufgestauten Spannungen zu beseitigen – ein in
dieser Zeit verliehener Titul „Der fröhliche Blitzableiter” zeugt davon – und wieder zum eigentlichen
und schönen Teil unseres Spiel zurückzukehren.
So konnten wir unser 75. Gründungsfest in schlaraffischer Tradition feiern, und dank gemeinsamer
Anstrengungen wurde es ein großer Erfolg. Rt Strahlfroh brachte in seiner Festrede nicht den üb-
lichen geschichtlichen Rückblick, sondern er sang das Loblied auf die „Dilettanten”, die ja in des
Wortes eigentlicher Bedeutung Dinge nicht zum Broterwerb, sondern zum eigenen Vergnügen tun.
Die Parallelen zu Schlaraffia lagen nahe und wurden entsprechend abgehandelt. Seine abschließen-
de Aufforderung: „Dillettiert, vergnügt Euch, Ihr seid das Fest!” wurde bereitwillig aufgegriffen, so
sprang der Funke der Begeisterung sofort über, und die gute Stimmung blieb dank der wohlabge-
stimmten Funktion der drei Oberschlaraffen Rt C-epediculus, Strahlfroh und Strawwelpit und der
Qualität der Beiträge eigener und befreundeter Sassen den ganzen Abend erhalten. Nach einem
virtuosen Violinvortrag unserer Burgmaid De Gusto kannte der Jubel keine Grenzen.
Aber auch verdiente Freunde galt es in dieser Zeit zu ehren, und in diesem Zusammenhang sei auch
einmal unserem Sprengelfürsten, Rt Salomon gedankt, der nicht nur an jeder Festsippung dabei
war, sondern seine Beiträge jeweils abstimmte und so den Ausgezeichneten stets eine besondere
Freude bereitete. Waren es nun die Ballade für Rt Caramurú, der selbstgefertigte Uhu aus Rheinton
für Rt Tonrein oder die persönlichen Worte an die Rt Struffi und Bolko, sie waren der krönende
Abschluss einer jeden Festsippung. Noch eine Besonderheit, die wohl kaum ein Reych aufzuwei-
sen hat: vier profane Brüder, und alle vier sind sie Sassen unseres Reyches, zwei Alt-Ritter, ein
Jung-Ritter, ein Junker. Irgendwann werden sie die „Firma” wohl übernehmen! Und die Junkertafel:
Sangesfroh und wortgewaltig! Um unsere Zukunft ist uns nicht bange.
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