Reych Nr. 246

Kerner, Justinus

Unbekannt ·J-L

Beschreibung

Kerner, Justinus Dr.
Titel: Wohlauf der von Prevorst
Reych: Nr. 246 Gaudia Mundi (Schwäbisch Gmünd)
Geb.: 18.09.1786 in Ludwigsburg
Gest.: 21.02.1862 in Weinsberg

Volltext

deutscher Arzt und Schriftsteller Kerners in Ludwigsburg verbrachte Kindheit muss recht glücklich gewesen sein, wie er in seinem „Bilderbuch aus meiner Knabenzeit" höchst anmutig geschildert hat. 1804 begann er sein Medizinstudium in Tübingen, das er in Hamburg, Berlin und Wien fortsetzte. 1811 ließ er sich als prakt. Arzt in Wildbad nieder und schrieb den satirischen Roman „Reiseschatten von dem Schattenspieler Luchs". In Prevorst lebte eine seiner Patientinnen, Friederike Hauffe, die zwei Jahre im Kernerhause behandelt und beobachtet wurde und Kerner veranlasste, das parapsychologische Werk „Die Seherin von Provost" zu schreiben. Dieses Büchlein erregte zu seiner Zeit erhebliches Aufsehen, da man gleichzeitig in den Ämtern von Künzelsau, Schwäbisch Hall und Ellwangen noch Aufzeichnungen über Geisterwesen, z.B. „Das Mädchen von Orlach" machte. Kerner war der Romantiker im Kreis der schwäbischen Dichter. Er schenkte der Nachwelt Texte zu Volksliedern, die von Komponisten wie H. Wolf, Fr. Silcher und Robert Schumann vertont wurden, wie zum Beispiel „Preisend mit viel schönen Reden", „Wohlauf noch getrunken den funkelnden Wein" und „Dort unten in der Mühle". Seine bekannte Ballade „Der Geiger von Gmünd" geht auf eine alte Sage zurück und ist ein recht gelungenes Gedicht. Sie diente Rt. Fasola (Lulucerna) als Vorwurf zu der Oper „Der Geiger von Gmünd". Andere Gedichte zeugen von seiner Abhängigkeit vom Herzog, „Der letzte Blütenstrauch" wiederum vom schlechten Gewissen eines Arztes. Als Romantiker brachte er die Bürger von Weinsberg dazu, auf ihre lokale Geschichte stolz zu sein und die Stauffer-Burgruine zu restaurieren. Das Kernerhaus bot allen Gesellschaftsschichten Einlass. Kerner war ein geselliger Gastgeber, tolerant bei politischen wie religiösen Gesprächen und humorvoll und versöhnlich in Streitfragen. Mörike, Uhland und Lenau waren Freunde seines Hauses. Als seine Frau Ricke 1854 starb, war er untröstlich und seine Lebenskraft nahm unausweichlich ab. Eine Grippe erlöste ihn 1862 von Gicht, Blindheit und stetiger Trauer um seine Ricke. Er starb in einer braunen Kapuzinerkutte, die er jahrelang als Schlafrock getragen hatte, in Weinsberg, wo er seit 1819 lebte und arbeitete. (Text: Rt. Thurn (246))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt