Reych Nr. 359

Leonardo da Vinci

Unbekannt ·J-L

Beschreibung

Leonardo da Vinci
Titel: Giocondo
Reych: Nr. 359 Castrum Locarnense (Locarno)
Geb.: 15.04.1452 in Anchiano
Gest.: 02.05.1519 in Amboise

Volltext

italienischer Maler, Baumeister, Erfinder Als uneheliches Kind eines Notars wuchs der junge Leonardo sozusagen mit zwei Müttern auf, da sich die leibliche Mutter Catarina, eine Bauerntochter, und die Ehefrau des Notars liebevoll mütterlich um den Jungen bemühten. Der verschlossene, eher gehemmte, schon früh äußerst vielseitig interessierte, hübsche Junge war eigenartig träumerisch. Er konnte sich schon mit 15 Jahren bei Meister Verrocchio in Florenz in der Malerei und Plastik und in technischem Wissen ausbilden. Er arbeitete elf Jahre bei Verrocchio und schuf schon besonders schöne, herrliche Engel und eine Madonna auf Verrocchios Gemälden: die Taufe Christi, die erste Verkündigung und die Madonna mit der Vase, so dass er früh schon Bewunderung, aber auch Neid weckte. Wegen außerordentlicher Vielseitigkeit und persönlicher Abkapselung setzte er sich aber in seiner Jugend nicht rasch durch, blieb also lange unerkannt. Das an sich bekannte Kunst-Schaffen und die Persönlichkeit Leonardos enthalten viel Umstrittenes und Unsicheres. Ganz sicher ist wohl, dass er das größte Universalgenie aller Zeiten war. Sein unbändiges Interesse auf allen Wissensgebieten und seine ganz außerordentliche Begabungen, nicht nur für Malerei und Plastik, sondern noch ausgesprochener für Technik, militärische Verteidigungs- und Festungsanlagen, für Kartographie, Brückenbau, Fluss-Umleitungen, menschliche Anatomie, Botanik, Biologie, Kosmologie, Philosophie u.a. sind beeindruckend, phantastisch, unglaublich. Er war von einem so großen Wissens- und Arbeitsdrang erfüllt, bei großer Eigenkritik und introvertierter Zurückhaltung, dass er dabei viele große Werke begann, ohne sie zu vollenden, war häufig nicht nur seine Schuld durch zu viele Interessen, sondern auch durch äußere Umstände verursacht. So ist z.B. das gewaltige Bronze-Reiterstandbild des ersten Sforza, Herzog Francesco von Mailand, in Originalgröße nur als Tonmodell fertig erstellt worden; zum Guss jedoch, den Leonardo bis ins Detail vorbereitet hatte, kam es nicht, weil das bereitgestellte Erz zum Gießen von Kriegsgeschützen verwendet werden musste. Als Kriegsingenieur, im Dienste Borgias in Florenz, reiste er in der Romagna, Umbrien und in der Toscana umher und erstellte mit Stadtplänen und Landkarten Meisterwerke der Vermessung und Darstellung als frühestes Zeugnis moderner Kartographie. Der gigantische Plan der Umleitung des Arno an Pisa vorbei zum Meer und das Kanalprojekt, für Florenz einen schiffbaren Zugang zum Meer zu schaffen, blieben auf dem Papier. Ähnlich auch der spätere Plan, Mailand und den Comersee mit einem sog. Adda-Kanal zu verbinden. Das kühne Projekt, eine 350 Meter lange Brücke über den Bosporus zu schlagen, stieß beim Sultan Bajasid II. nur auf Damals war da Vinci 50jährig und stand auf dem Zenit seines Ruhms. Trotz sehr vieler unvollendeter Werke, wie beispielsweise die große Tafel der Anbetung der Könige, das Wandgemälde der Schlacht von Anghiari, war er als Maler der erste Vollender des klassischen Stils, das Beispiel höchster Vollkommenheit. Die ihm eigene Hell- Dunkel-Malerei, deren weiche Licht- und Schattenübergänge ließen seine Bilder geheimnisvoll und in ihrer Form zugleich plastisch erscheinen. Ein Beispiel dafür das wohl berühmteste Bild: die Mona Lisa, La Gioconda. Er wurde von Raffael neidlos bewundert und von Michelangelo eifersüchtig-widerstrebend anerkannt, wie die damals aufkommenden Genies der jungen Generation sich ausdrückten. Leonardo fasste Kunst und alle Wissenschaften als Einheit des menschlichen Vermögens und Willens zum Erkennen auf. Er stand als Naturforscher und Philosoph an der Grenze zwischen Mittelalter und Neuzeit und eröffnete experimentell und denkend ein enzyklopädisches Wissen. Sein letztes Schaffen im Landschlösschen Cloux bei Amhoise. Frankreich. zeigt wohl noch das ergreifendste Dokument von ihm. Zeichnungen vom Untergang der Welt, in denen er all seine Erfahrung künstlerisch darlegte. Sie sind die Versinnbildlichung der Urkräfte. welche die Welt gestalteten und auch zerstören werden. Völlig moderne Einsichten! Als Linkshänder schrieb er fast durchgehend in Spiegelschrift und hinterließ bei seinem Tod ein geheimnisvolles, schwer lesbares Riesen-Schriftwerk als Nachlass. Dieses erbte sein Lieblingsschüler Francesco Melzi. (Text: Rt.Drauf ( 359))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt