Reych Nr. 296

Kienzl, Wilhelm

Unbekannt ·J-L

Beschreibung

Kienzl, Wilhelm Dr.
Titel: Evangelimann
Reych: Nr. 296 Auf der Mauer (Wien)
Geb.: 17.01.1857 in Waizenkirchen
Gest.: 03.10.1941 in Wien

Volltext

österreichischer Komponist und Musikschriftsteller Vater Kienzl war Rechtsanwalt und nebenbei Musiker, die Mutter war weniger musikalisch, dafür schauspielerisch begabt. Sie schickten ihren Sohn mit 9 Jahren ins Gymnasium. Schon während dieser Zeit besuchte er regelmäßig Opernaufführungen und versuchte sich in ersten Kompositionen. Ab 1872 studierte er unter Mayer und dem Chopinschüler Mortier de Fontaine Musik, nebenbei auch Philosophie und Physik in Graz. Dr. Wilhelm Mayer, der Lehrer von Busoni, Heuberger u.a. war sein Tonsatzlehrer. Ab 1876 setzte Kienzl seine Studien in Prag, später in Wien und unter Rheinberger in München fort, die er 1879 mit einer Promotion zum Dr. phil. abschloss. Auf seinen Reisen nach Weimar, München, Leipzig, Bayreuth und in die Schweiz lernte er die bedeutendsten Künstler seiner Zeit kennen. Mit Richard Wagner verband ihn eine enge Freundschaft. Von ihm übernahm er zwar nicht dessen heroisch-dramatische Prinzipien, sondern das Technische und die Struktur des Wagnerischen Musikdramas. Kienzl war auch ein Freund von Peter Rosegger. Ab 1881 war er als Opernkapellmeister und Musikkritiker tätig und bereiste im Rahmen von Konzertreihen Südosteuropa sowie Deutschland, wurde 1. Kapellmeister der Deutschen Oper in Amsterdam, anschließend in Hamburg und München und schließlich Direktor des Steiermärkischen Musikvereins in Graz. Hier verblieb er von 1897 - 1917. 1886 heiratete er die Bayreuther Sängerin Lili Hoke. Ein Lieblingsaufenthalt speziell im Sommer, war für Kienzl Bad Aussee, wo seine erfolgreichen Werke „Der Evangelimann" und „Kuhreigen“ entstanden. Er komponierte ferner die Opern „Urvasi", „Heilmar, der Narr", „Don Quixote", eine musikalische Tragikkomödie mit eigenem Text sowie „In Knecht Rupprechts Werkstatt", „Das Testament", „Hassan der Schwärmer" und „Sanktissima“. 1917 übersiedelte er nach Wien und wurde dort Präsident der Gesellschaft der Autoren, Komponisten und Musikverleger. Zwei Jahre nach dem Tode seiner Frau heiratete er 1919 die Schriftstellerin Helene Lehner. Sie schrieb für ihn zahlreiche Libretti und trat in zahlreichen, regelmäßigen Sonntags- Matinees bis 1938 sehr für die Pflege seiner Werke ein. 1919 komponierte er zu einem Text des österreichischen Staatskanzlers Karl Renner die Musik der Staatshymne der ersten Republik. Er schrieb außerdem Chorwerke mit Orchester, viele Klavierstücke und Lieder. Die Aufsätze und Musikkritiken Kienzls sind gesammelt unter den Titeln „Miscellen", „Aus Kunst und Leben", „Im Konzert" und „Betrachtungen und Erinnerungen". Eine Selbstbiographie erschien 1926 unter dem Titel „Meine Lebenswanderung" heraus. 1931 erblindete er rechtsseitig. Seine letzte große Komposition schrieb er 1936. Auch in seinem letzten Lebensjahrzehnt arbeitete Kienzl unermüdlich. 1940 wurde er zunehmend kränker und verschied 1941 in einem Wiener Sanatorium an Herzschwäche. Die juristische Fakultät in Graz hatte ihm zu Lebzeiten auch den Titel Dr. jur. h. C. verliehen. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt