Reych Nr. 29

Kirchner, Ernst Ludwig

Unbekannt ·J-L

Beschreibung

Kirchner, Ernst Ludwig (auch Marsalle, Louis de)
Titel: Farbentanz
Reych: Nr. 29 Asciburgia (Aschaffenburg)
Geb.: 06.05.1880 in Aschaffenburg
Gest.: 15.06.1938 in Frauenkirch-Wildboden

Volltext

deutscher Maler und Grafiker Er entwickelte trotz tiefgreifender Wandlungen und unterschiedlicher Techniken in seinen Gemälden, Zeichnungen, Holzschnitten, Graphiken, Lithographien und Skulpturen einen unverwechselbaren Stil. Er gilt als Hauptbegründer der berühmten Künstlervereinigung „Brücke“, 1905 - 1913, die in einem rauschhaften, gemeinsamen Aufbruch die erstarrten Formen wilhelminischer Prägung zu überwinden trachtete und mit ihrer expressionistischen Richtung ein neues Kapitel in der deutschen Kunstgeschichte einleitete. Seine Freunde, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff, später auch Max Pechstein, Otto Mueller und kurze Zeit auch Emil Nolde, schockierten die Bourgeoisie sowohl mit einer tabufreien, betont unbürgerlichen Lebensweise, als auch mit Bildschöpfungen, die in ihrer kühnen Direktheit und grellen Farbgebung damals einer Revolution gleich kamen. Kirchner studierte Architektur und verschrieb sich dann ganz der Kunst. In Dresden entstanden die Aktbilder in freier Natur und in Berlin ab 1911 die als skandalös empfundenen Großstadtszenen und Darstellungen aus dem Artisten- und Kokottenmilieu, „Fünf Frauen auf der Straße" (1913). Mit schroff hingestrichenen Konturen und verschobenen Perspektiven, die den Senkrechten einen Mittelpunkt und damit lebendige Spannung verleihen, sollte alles, was die Augen erblicken, synoptisch wiedergegeben werden. Unter dem Pseudonym Louis de Marsalle schrieb er auch in Zeitschriften über seine Ideen künstlerischer Gestaltung. Die 1915 erfolgte Rekrutierung zur Infanterie verursachte eine schwere seelische Krise. Von 1917 - 1938, also fast 20 Jahre, lebte er zurückgezogen in der Schweiz, wo seine monumentalen, von großer Ruhe erfüllten Naturgemälde entstanden. ,,Waldinneres“ (1937), „Hirten am Abend" (1937). Von den „Brücke-Freunden" vergessen, als „entarteter“ Künstler verfemt und von der Berliner Akademie der Künste ausgeschlossen, kam er achtundfünfzigjährig ums Leben. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt