Beschreibung
Spitteler, Carl Dr. h.c. (auch Tandem, Carl Felix)
Titel: Prometheus der Dulder
Reych: Nr. 325 Aquae Helveticae (Baden bei Zürich)
Geb.: 24.04.1845 in Liestal
Gest.: 29.12.1924 in Luzern
Volltext
schweizer Dichter Spitteler war der Sohn eines hohen Kantonbeamten. In seinen ersten Jugendjahren begann die lebenslange Freundschaft mit dem Dichter I. V. Widmann, in dessen Elternhaus, dem Liestaler Pfarrhaus, er seine geistige Heimat fand. Anfänglich trieb es ihn zur Musik und zur Malerei, aber schließlich rang er sich dazu durch, Dichter zu werden. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Basel studierte er auf Wunsch seines Vaters von 1863-65 Rechtswissenschaft und von 1865-68 in Zürich und Heidelberg Theologie. Seine theologische Laufbahn brach er ab und lebte von 1871 bis 1879 als Hauslehrer in Russland und Finnland. In dieser Zeit formte sich die Idee seines großen epischen Erstlingswerkes „Prometheus und Epimetheus", das 1881 unter dem Pseudonym Carl Felix Tandem erschien und zunächst unbeachtet blieb. Als sein Vater 1879 starb, kehrte er in die Heimat zurück. Durch Vermittlung von seinem Freund Widmann erhielt er zunächst in Bern, später in Neuveville eine Stelle als Lehrer. 1885 wurde er Redakteur der „Grenzpost“ in Basel und leitete von 1890-92 als selbständiger Mitarbeiter das Feuilleton der „Neuen Züricher Zeitung". In dieser Zeit entstanden seine allegorischen Weltentstehungsmythen „Extramundana", der Gedichtszyklus „Schmetterlinge", die „Literarischen Gleichnisse", die idyllische Erzählung „Gustav" und die Kindergeschichte „Die Mädchenfeinde". Auf Grund einer Erbschaft im Jahre 1892 war es ihm möglich, mit seiner Familie zeit seines Lebens als freier Schriftsteller in Luzern zu leben. Hier schuf er „Lachende Wahrheiten", das Versepos „Der Olympische Frühling", die „Glockenlieder", den Bekenntnisroman „Imago“ und das Epos „Prometheus der Dulder". Im Gegensatz zu seinem ersten „Prometheus“ wählte er paarweis gereimte sechsfüßige Jamben. 1905 verlieh ihm die Universität Zürich die Ehrendoktorwürde (Dr. phil. h. C.). Ein selbstbiographisches Werk entstand 1914 unter dem Titel „Meine frühesten Erlebnisse". In einer zu Beginn des ersten Weltkrieges in Zürich gehaltenen Rede „Unser Schweizer Standpunkt" mahnte er seine Landsleute zu strenger Neutralität. 1919 erhielt er den Nobelpreis. Seine Weltanschauung ähnelte in gewisser Weise dem Pessimismus Schopenhauers, dem er jedoch den Heroismus seiner kraftvollen Natur entgegenstellte. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt