Reych Nr. 19

Usteri, Johann Martin

Unbekannt ·S-U

Beschreibung

Usteri, Johann Martin
Titel: Lämpchen der Glühende
Reych: Nr. 19 Turicensis (Zürich)
Geb.: 14.02.1763 in Zürich
Gest.: 29.07.1827 in Rapperswil

Volltext

schweizer Dichter und Zeichner Als Sohn eines Züricher Kaufmanns ging er zunächst in die Lehre bei seinem Vater, dann auf die Kunstschule in Zürich, wo er Valentin Sonnenschein und Jakob Meyer zu Lehrern hatte. 1783/84 machte er eine große Reise durch Deutschland, die Niederlande und Frankreich und lernte dabei Goethe, Kerner und Claudius kennen. Darnach trat er in das väterliche Geschäft ein. Erst nach dem Tode seines Vaters widmete er sich der Kunst und dem öffentlichen Leben. 1803 wurde er Mitglied des großen Rates, ab 1805 des Kleinen Rates und Zensor. Usteri verfasste idyllische, humorvolle Erzählungen und Gedichte, meist in Züricher Mundart. Sein Lied „Freut euch des Lebens" wurde 1793 volkstümlich, bekannt auch die Mundartidyllen „De Vikari" und „De Herr Heiri". Auf Grund seiner Ausbildung als Zeichner und Maler sowie als Illustrationsgrafiker verfasste er zahlreiche Neujahrsblätter mit Illustrationen und Bilder-Zyklen „Vater Unser eines Urwaldners", „Muttertreu wird täglich neu" und „Kindesliebe“. Viele seiner bürgerlichen Zeitgenossen mit „Geldsackgesinnung" hielt er mit seiner tragikomischen Bildergeschichte „Aus dem Leben des Bonifacius Schmalzherzl" den Spiegel vor. In seiner Bilderserie hat Usteri dreizehn satirische Szenen aus der Revolution gestaltet. Der Ausbruch der Französischen Revolution von 1789, die Ideen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit rissen auch in der Schweiz die gesellschaftlichen Gegensätze auf und profilierten die politischen Gruppierungen. Nicht zufällig traten in diesen Jahren revolutionäre und antirevolutionäre Satire und Karikatur in Dichtung und bildender Kunst deutlich hervor. Zu den erklärten Gegnern der Revolution gehörten die beiden Züricher Maler-Dichter Johann Martin Usteri und David Heß. Um sie sammelte sich ein Kreis von Intellektuellen, der sich wöchentlich in der 1787 gegründeten Züricher Kunstgesellschaft zu treffen pflegte. 1795 verabredete man, dass jedes Mitglied monatlich eine Zeichnung in eines der Malerbücher einzutragen habe. Usteri und Heß waren begabte, finanziell gut gestellte Dilettanten. Sie hatten es nicht nötig, vom Ertrag ihrer Kunst zu leben. In ihren Zeichnungen ließen sie ihren Unmut über menschliche Schwächen und Laster aus, wandten sich gegen gesellschaftliche Missstände, verstanden diese jedoch als eine Folge der Revolution. Usteri betrieb außerdem ernsthaft historische Studien und war begeisterter Altertumsforscher. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt