Beschreibung
Sterkel, Johann Franz Xaver
Titel: Wonnedank der Gesangreiche
Reych: Nr. 29 Asciburgia (Aschaffenburg)
Geb.: 03.12.1750 in Würzburg
Gest.: 12.10.1817 ebenda
Volltext
deutscher Priester, Komponist, Pianist Sterkel wirkt als Organist in Würzburg, wo er 1774 zum Priester geweiht wird. 1777 wird der Kurfürst von Mainz, Friedrich Karl Josef von Erthal, auf ihn aufmerksam. Sterkel folgt dessen Einladung nach Aschaffenburg, dann nach Mainz und nutzt die Zeit zu einer weiteren Reise nach Mannheim, wo er Gelegenheit hat, den 21jährigen Mozart kennen zu lernen. In Mainz stellt Kurfürst Erthal dem Priester und Musiker die Übertragung eines Vikariats und die Ernennung zum Hofkaplan in Aussicht, worauf Sterkel nach Mainz übersiedelt. Erthal entsendet Sterkel zur Verfeinerung seines Kompositionsstils nach Italien. Sein Auftreten bringt ihm viel Beifall und Hochachtung ein. Er wird als bescheiden und liebenswürdig geschildert, der zwar nicht nach „Bachscher Manier“, doch aber mit viel Ausdruck und Präzision spielt. Über Venedig und Rom reist er dann nach Neapel, wo ihm von der Königin zu Neapel der Auftrag erteilt wird, eine „Oper seria“ zu schreiben, was er in sehr kurzer Zeit leistet. Diese Oper „Il Farnace“ wird im königlichen Theater mit großem Pomp und ausgezeichnetem Erfolg aufgeführt. Auf Abruf des Kurfürsten reist Sterkel nach Mainz zurück, wobei er sich einen Aufenthalt in Augsburg bei dem berühmten Instrumentenbauer Stein nimmt. Mit Erlangung eines Kanonikates in Mainz widmet sich Sterkel mit rastlosem Fleiß und großer Aufmerksamkeit nun ungestört der kompositorischen und konzertierenden Tätigkeit. Der umsichtige Ausbau der Mainzer Hofmusik gewähren Sterkel ein ausgedehntes Betätigungsfeld. Die gesamte Hofmusik weilt alljährlich in Aschaffenburg und die große Anzahl der Konzerte in dieser Sommerresidenz gibt Zeugnis vom blühenden Musikleben am Mainzer Hof und in Aschaffenburg. In dieser Zeit stattet der junge Beethoven dem angesehenen und zu den ersten Klavierspielern zählenden Sterkel in Aschaffenburg einen Besuch ab. In Mainz hat Sterkel die Ehre bei der zweiten Gemahlin von Kaiser Franz II. zu einer Audienz geladen zu sein, die ihn danach mit einer mit Perlen und Brillianten besetzten goldenen Dose beschenkt. Als 1792 Mainz von den Franzosen besetzt wird siedelt der Mainzer Hofstaat und mit ihm Sterkel nach Aschaffenburg über. Nach 10 Monaten kehrt er wieder nach Mainz zurück, wo die Hofmusik in bescheidenem Rahmen fortgesetzt wird. Sterkel wird 1793 Hofmusikdirektor, Kapellmeister und Nachfolger von Righini, seinem Schwager, der das Amt des Hofkapelldirektors bei Friedrich Wilhelm II. in Berlin annimmt. Fünf Jahre später vertreibt die französische Besatzung zum zweiten Mal den gesamten Hofstaat von Mainz nach Aschaffenburg. Die Hofkapelle wird zunächst beurlaubt. Sterkel nimmt seinen Aufenthalt in Würzburg, siedelt 1802 nach Regensburg und entfacht auch hier ein reges musikalisches Wirken. Karl Theodor von Dalberg, Erthals Nachfolger, beruft Sterkel 1810 zum Großherzoglich Frankfurtischen Hofmusikdirektor nach Aschaffenburg. 1811 besucht der junge Karl Maria von Weber den berühmten Sterkel in Aschaffenburg. Mit der Auflösung des Großherzogtums Frankfurt 1814 fällt Aschaffenburg an Bayern, die Hofmusik wird aufgelöst und Sterkel in den Ruhestand versetzt. Sterkel kehrt 1817 in seine Vaterstadt Würzburg zurück, wo er sich 1817 im 67. Lebensjahr von dieser Welt verabschiedet. (Text (gekürzt): Rt. Tonio (29))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt