Beschreibung
Scheffel, Joseph Viktor von
Titel: Gaudeamus
Reych: Nr. 351 Sacrodunum (Bad Säckingen)
Geb.: 16.02.1826 in Karlsruhe
Gest.: 09.04.1886 ebenda
Volltext
deutscher Jurist, Schriftsteller, Dichter Unser ES ist nicht nur einer der beliebtesten deutschen Dichter, auch die zahlreichen Erkürungen zum Ehrenschlaraffen sind Zeichen für die Wertschätzung in unserem Bund. Nach seinem Abitur, das er 1843 als „Primus“ ablegte, studierte er zunächst Rechtswissenschaften und legte 1848 auch hier ein außerordentliches Staatsexamen ab, dem 1849 das Doktorexamen folgte. Dennoch fühlte er sich aber eher zur Kunst berufen. Nachdem er 1849 auf den Seiten der Monarchisten kämpfte und den Aufstand der Republikaner niederschlug trat er als Rechtspraktikant in den Staatsdienst ein. Um sich als Maler weiterzuentwickeln zog es ihn nach Italien, er erkannte aber sein mangelndes Talent hierfür und wandte sich der Dichtung zu. Innerhalb von 3 Monaten entstand sein Werk „Der Trompeter von Säckingen“. 1853 kehrte Scheffel aus Italien zurück, quittierte den Staatsdienst, und ging als Schriftsteller auf Wanderschaft. Er übersetze das „Walthari-Lied“ aus dem Lateinischen, was zu seinem zweiten Roman „Ekkehard“ führte. Doch wie auch der „Trompeter“ wurden seine Texte erst im Zuge der Reichsgründung 1870 / 71 von einem Publikum, das sich nach einer verklärten Vergangenheit sehnte, verstärkt angenommen. Seine Gewissenhaftigkeit und Drang zu penibler Recherche führte dazu, dass ihn seine Arbeit überlastete, am Ekkehard habe er sich „zuschanden“ gearbeitet. Scheffel vermied von da an Gesellschaften und Aufregungen, unternahm statt dessen viele Reisen, u.a. nach Italien und Südfrankreich. In München schloss er sich dem dortigen Dichterkreis an. Doch der Wandel vom Unterhaltungsautor zum Dichter gelang ihm nicht. Er nahm einen Roman über die Entstehung des Nibelungenliedes in Angriff und versprach Großherzog Carl-Alexander von Weimar ein Wartburg-Epos über den Sängerkrieg. Dadurch setzte er sich selbst so unter Druck, dass er sein Versprechen nicht erfüllen konnte. Erschöpfungszustände und Depressionen waren die Folge, letztlich führten diese zu einem völligen körperlichen und geistigen Zusammenbruch. Eine Besserung trat erst ein, als ihn der Großherzog von seinem Versprechen entband und er sich selbst zum Verzicht auf jegliche literarische Tätigkeit verpflichtete. So wurde er bereits mit 34 Jahren untätig und führte ein ruhiges, beschauliches Leben. Von ihm erschienen nur noch kleinere Texte und 1868 die Sammlung „Gaudeamus“, die ihm zu später Popularität verhelfen sollte. 1876 wurde Scheffel anlässlich seines 50. Geburtstags von Ehrungen nur so überschüttet. Bismarck persönlich besuchte ihn, der badische Landesfürst adelte ihn und die Bevölkerung nahm seine Texte mit Begeisterung auf. Er wurde der Lieblingsdichter der Deutschen, seine Texte wurden vertont und Heute ist von Scheffel ist der Inbegriff des Deutschen Biedermeiers und hat durch seine lebenslange Verbindung zu den Deutschen Burschenschaften dazu beigetragen, dass viele seiner Lieder heute noch von diesen zum allgegenwärtigen Liedgut gehören. Seine Werke waren erfüllt von bürgerlichem Streben nach Bildung und einem deutschen Nationalstolz, womit er den Geist seiner Zeit traf. Seine volkstümliche Lieder wie „Als die Römer frech geworden“ sind noch heute bekannt, sein „Alt-Heidelberg, du feine“ zählt heute nicht nur allein zum Liedgut der Burschenschaften und das Wanderlied „Wohlauf, die Luft weht frisch und rein“ wurde zur „fränkischen Hymne“ erklärt. (Text: Rt. Koi (247))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt