Beschreibung
Andres, Stefan
Titel: Knabe im Brunnen
Reych: Nr. 144 Augusta Trevirorum (Trier)
Geb.: 26.06.1906 in Dhrönchen
Gest.: 29.06.1970 in Rom
Volltext
deutscher Schriftsteller Nach dem Besuch der Volksschule in Schweich sollte Andres auf Geheiß seiner Eltern Priester werden doch nach mehreren Stationen als Klosterschüler stellte er fest, dass dies nicht seinen Neigungen entsprach. So legte er am 17.3. 1926 das Lehrerexamen in Neuss ab. 1928 übernahm er die Schriftleitung der katholischen Monatszeitschrift “Der Marienborn”, was ihm erste Veröffentlichungen ermöglichte. Ein Jahr darauf wandte er sich von der Theologie ab und studierte in Köln, Jena und Berlin Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie. Sein “Bruder Lucifer” wurde mit einem Stipendium der Abraham-Lincoln- Stiftung honoriert. 1932 unternahm er eine erste Italienreise. Im gleichen Jahr heiratete Stefan Andres 1932 Dorothee Freudiger, die eifrigste Förderin seines literarischen Schaffens. Nach der Machtergreifung verließen beide Deutschland und zogen nach Positano (Italien). Seine Novelle “El Greco malt den Großinquisitor” wurde zur subtilen Auseinandersetzung mit der eigenen Zeitgeschichte. Trotz Bildung der politischen Achse Deutschland-Italien 1938 blieb Stefan Andres, letztlich zur inneren Emigration entschlossen, in Positano. Diese Schaffensphase mit ihren Romanen, Novellen, Erzählungen und Gedichten kann zur fruchtbarsten gezählt werden. 1941 legte Stefan Andres ein weiteres zentrales, nicht nur zeitkritisch zu lesendes Werk vor: “Wir sind Utopia”. 1949 kehrte Andres nach Deutschland zurück und wandte sich zunehmend politischen Fragen zu, er protestierte gegen das “Schmutz- und Schundgesetz” und gegen die atomare Aufrüstung der Bundeswehr und trat für die Verständigung zwischen Ost und West und die deutsche Wiedervereinigung ein. In Düsseldorf inszenierte Gründgens 1950 sein vielleicht bestes Drama „Gottes Utopia“. Die Aufführung seines Dramas “Sperrzonen” 1958, eine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der Shoah, hingegen evozierte einen Skandal. 1961 kehrte Andres auch aus Enttäuschung über die deutschen Verhältnisse nach Italien zurück, wo er 1970 nach einem operativen Eingriff verstarb. Stefan Andres vertritt in seinen Werken eine Form christlichen Existentialismus, in der er sich mit der Lebensgestaltung des Menschen zwischen Freiheit und Schuld auseinandersetzt. Seine Werke zeigen eine Entwicklung, in der er sich zunehmend Stoffen antiker und mythologischer Herkunft widmet, um mittels ihnen die zeitübergreifenden Themen des Menschen literarisch darzustellen. Dabei ist sein Werk nie zeitvergessen, sondern vermittelte kritische Zeitgenossenschaft. Stefan Andres Christlichkeit in der Suche nach Gott und Wahrheit ist geprägt von einer humanistischen, zuletzt neuplatonisch geformten und undogmatischen Auslegung des Glaubens. Stefan Andres wurde Mitglied des PEN und der Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung. Sein Schaffen wurde vielfältig ausgezeichnet: Literaturpreis von Rheinland-Pfalz, der Große Kunstpreis Nordrhein-Westfalens, das Komturkreuz der Italienischen Republik, das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, der Dramatikerpreis der Stadt Oldenburg. (Text: Rt. Surabaya-Johnny (144), Stefan-Andres-Gesellschaft, gekürzt und bearbeitet von Rt. Koi (247))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt