Reych Nr. 48

Thomé, Franz

Unbekannt ·S-U

Beschreibung

Thomé, Franz
Titel: Carl der Gründer
Reych: Nr. 48 Moguntia (Mainz)
Geb.: 21.11.1807
Gest.: 22.05.1872

Volltext

Schauspieler, Regisseur, Theaterdirektor Gründer der Schlaraffia Er wurde am 21. November 1807 in Wien geboren, ist schon mit 17 Jahren zum Theater gegangen und hat zunächst auf Bühnen in Wien jugendliche Liebhaber gespielt. Nach weiteren Engagements an Theatern in Österreich-Ungarn kam er im Oktober 1841 an das Theater in Mainz. Zunächst ist er dort noch als Regisseur des Theaters in Triest und somit als Gast aufgetreten, immer in Hauptrollen und mit glänzenden Kritiken. Damit hat er sich rasch eine besondere Auszeichnung verdient: Die Mainzer Erstaufführung von Nestroys Posse „Der Talisman“ mit Thomé in der Hauptrolle und als Benefiz-Vorstellung für ihn, so dass ihm alle Einnahmen des Abends zugeflossen sind. Fortan wurde er auf den Theaterzetteln auch nicht mehr als Gast, sondern als Mitglied des Ensembles aufgeführt. Bis zum Ende der Spielzeit und seines Mainzer Engagements im April 1842 hat er in 29 verschiedenen Stücken die Hauptrolle gehabt und durchweg höchst anerkennende Kritiken erhalten. Wie Kalisch ist auch Thomé neben seinen Bühnenauftritten im Mainzer Sitzungskarneval im „Frankfurter Hof“ aufgetreten, nachweislich sogar mit Kalisch zusammen. Von Kalisch ist belegt, dass er Stammgast in der Mainzer Künstlerkneipe „Schützenhof“ war, in der u.a. der Komponist Meyerbeer, der Walzerkönig Johann Strauß, der Dichter Freiligrath und andere namhafte Künstler verkehrten. Dass sich dort auch Thomé nach seinen Bühnenauftritten erholt und entspannt hat, zumal der „Schützenhof“ nur einen Steinwurf vom Theater entfernt lag, ist mehr als wahrscheinlich. Schließlich dürfte der künstlerisch so engagierte Kalisch wohl auch häufiger Theaterbesucher gewesen sein und Thomé als Schauspieler erlebt und gekannt haben. Es kann also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gesagt werden, dass sich Thomé und Kalisch in Mainz kennen gelernt haben und dass Thomé die originelle Wortschöpfung „Schlaraffia“ von Kalisch erfahren hat. Auf Thomes künstlerischen Weg zwischen seinem Mainzer Engagement und seiner Berufung zum Direktor des Ständetheaters in Prag im Herbst 1887 soll hier nur kurz eingegangen werden. Er hat in dieser 15-jährigen Periode eine überaus erfolgreiche, durchaus als glänzend zu bezeichnende Karriere als Schauspieler und Regisseur und sehr bald auch als Direktor und Oberregisseur der Bühnen in Nürnberg, Laibach, Triest, Lemberg, Klagenfurt, Graz und Riga gemacht. Als im Herbst 1857 ein neuer Direktor für das Prager Ständetheater gesucht wurde, hat man sich unter neun qualifizierten Bewerbern für ihn entschieden. Er hat in dieser neuen Aufgabe den Zenit seines Künstlerlebens erreicht und das Ständetheater zu solcher Blüte gebracht haben, dass es bald zu den bedeutendsten Bühnen in Europa gezählt wurde. Als der Prager „Proletarier-Club“ im Herbst 1859 zu zerfallen drohte, hat Thomé den „Bassproletarier“ seines Opernensembles Albert Eilers und späteren Rt. Graf Gleichen veranlasst, die „Proletarier“ und dazu weitere Freunde zusammenzurufen und für den Gedanken eines neuen, seriösen Vereins zu gewinnen, der ihn wohl schon länger beschäftigt hat. Die in der „100-Jahre-Chronik“ geschilderte Urgeschichte Schlaraffias liefert etliche Beweise dafür, dass die grundlegenden, den neuen Verein prägenden Ideen und Initiativen überwiegend von Thomé - als Schlaraffe Carl II. der Frauenprüfer - ausgegangen sind. Er hat sich damit aber keineswegs in den Vordergrund gespielt, vielmehr die Realisierung seiner Ideen oft an jüngere, besonders aktive Schlaraffen seines Vertrauens delegiert. Das waren vor allem die Rtt. Graf Gleichen und Plato. Leider ist nicht von allen 23 Urschlaraffen bekannt, wie alt sie bei der Schlaraffia-Gründung waren. Carl II. war mit 52 Jahren der mit Abstand Älteste. Aber zwölf Urschlaraffen, einschließlich der Ritter Graf Gleichen und Plato, waren noch „Twens“ von maximal 29 Lebensjahren. Man fragt sich, woher Thomé bzw. Carl II. die Zeit und die Kraft nehmen konnte, zusätzlich zu seinen anspruchsvollen Verpflichtungen als Theaterdirektor während der 12-jährigen Gründungs- und Aufbauphase die führende, prägende und zukunftweisende Rolle im ersten Schlaraffenreych Praga auszufüllen. Er, der hoch geehrte Erboberschlaraffe und erste Großfürst der h. Praga, musste am 22. Mai 1872, nach zwei Schlaganfällen und erst 65-jährig, den Ritt gen Ahall antreten. Möge an seinem gut erhaltenen Grab auf dem Prager Friedhof Vinohrady dieses „Vaters der Schlaraffia“, ohne den es unseren einzigartigen Bund nicht geben würde, wann immer möglich dankbar gedacht werden. (Text (gekürzt): Rt. Kientje (45))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt