Beschreibung
Torberg, Friedrich
Titel: Anekdoteles der Sehnsüchtige
Reych: Nr. 318 Aquae Salis (Bad Aussee), erk. 11.12.156
Geb.: 16.10.1908 in Wien
Gest.: 10.11.1979 in Wien
Volltext
österreichischer Schriftsteller und Herausgeber Der unter dem Namen Friedrich Ephraim Kantor-Berg geborene wuchs im Wien zur Zeit der zu Ende gehenden k.u.k.-Monarchie wohlbehütet auf. Nach einem dreisemestrigen Versuch des rechtswissenschaftlichen Studiums in Prag war für den jungen Friedrich, damals schon mit seinem Pseudonym „Torberg“, klar, dass er die journalistische Laufbahn einschlagen 1930 erschien sein Erstlingsroman „Der Schüler Gerber“, in dem, durchaus autobiographisch, über die autoritäre schwarze Pädagogik berichtet wird. Zwei Jahre später erschien der Roman „…und glauben, es wäre Liebe“. Es folgte „Die Mannschaft“, in welchem er seine besondere Affinität zum Mannschaftssport ausdrückte. Das Café Herrenhof in Wien war sicher das „Wohnzimmer“ des Nachtschwärmers Friedrich Torberg. Hier traf sich die Elite des literarischen Schaffens in Wien, wie z.B. Alfred Polgar, Hermann Broch, Elias Canetti, Robert Musil u.v.a. Von hier aus führte eine illustre Gesellschaft Streifzüge durch das nächtliche Wien. Frequentierte Etablissement waren das Café Rebhuhn oder das Café de l‘Europe. Zu seinen Weggefährten zählte die intellektuelle Elite, darunter einige Rechtswissenschafter und Persönlichkeiten der Wiener Theaterszene. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland 1933 wurden seine Werke verboten. Im Juni 1938 emigrierte Friedrich Torberg in die Schweiz. Um der drohenden Ausweisung zu entgehen, floh er im Juni 1939 nach Paris, wo er sich im Oktober desselben Jahres der tschechoslowakischen Exilarmee anschloss. Im Juni 1940 gelangte er über Spanien nach Portugal, wobei er in den Wirren der Flucht alle seine Manuskripte verlor. Die Ausreise nach New York gelang im Oktober 1940. Bis 1944 war er bei der Filmproduktionsfirma Warner Brothers als einer von fünf „Outstandig Anti-Nazi-Writers“ engagiert. Im Sommer 1944 übersiedelte er nach New York. Im November 1945 heiratete er Marietta Bellak. Im selben Jahr erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. Sein literarisches Schaffen beschränkte sich in der Zeit des amerikanischen Exils auf sehr wenige Werke. Es entstand die Liebeserklärung „Sehnsucht nach Altaisee“. 1951 kehrte Friedrich Torberg mit seiner Gattin, wieder über Paris und die Schweiz führend, aus dem amerikanischen Exil nach Wien zurück. Sein Werk spiegelt in jeder Hinsicht die Sehnsucht der jüdischen Bevölkerung nach Normalität, nach Lebensfreude, nach kultureller Identität wieder. Er trat auch als Übersetzer vieler Werke des jüdischen Autors Ephraim Kishon in Erscheinung, an deren Popularität er im deutschsprachigen Raum maßgeblich beteiligt war. Sein größter Wunsch war es einmal ein eigenes Haus in Altaussee zu besitzen, dies gelang ihm aber leider nicht. Drei Säulen stützen unseren Bund, die da sind Freundschaft, Kunst und Humor. Als vierte unsichtbare Säule umrankt uns die Toleranz. Dies sind aus meiner Sicht auch die Werte, die Friedrich Torbergs, nicht nur künstlerisches Leben geprägt haben und warum wir ihn zum Ehrenschlaraffen unseres Reyches machen. Die Namensfindung fand bei einem Gespräch mit Torbergs langjähriger, in Altaussee lebenden Sekretärin Ursula Kahls-Friese statt. Sie erzählte uns, dass der Autor und Journalist Milan Dubruvic, Torberg den Spitznamen „Anekdoteles“ geben hat und dass, diesen sehr bezeichnenden Namen viele Kollegen und Freunde fortan auch verwendet haben. (Text: (gekürzt) Rt. Drah-die-Wad´l (318))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt