Beschreibung
Hasse, Johann Adolf
Titel: Musick-Vatter
Reych: Nr. 389 Im Sachsenwald (Reinbeck), erk. 23.01.155
Geb.: vermutl. 23.03.1699
Gest.: 16.12.1783 in Venedig
Volltext
getauft 25.03.1699 in Hamburg-Bergedorf deutscher Komponist und Kapellmeister Seine Zeitgenossen waren sich einig: Joseph Haydn verehrte ihn als Vorbild, Wolfgang Amadeus Mozart wollte gar „unsterblich werden“ wie er, Jean-Jacques Rousseau pries das von ihm geleitete Dresdner Orchester als das beste in ganz Europa, und dem englischen Musikschriftsteller Charles Burney galt er als der bedeutendste aller „itztlebenden Komponisten“. Der Italiener Giovanni Battista Mancini hat jenes Wort vom „Padre della musica“ geprägt, das auch Leopold Mozart geläufig war („Musick-Vatter“). Später dann, rund 150 Jahre nach seinem Tod, sah es der Kulturphilosoph Romain Rolland als eine der größten Ungerechtigkeiten der Geschichte an, dass „dieser bewunderungswürdige Mann so vergessen werden konnte“. Johann Adolf Hasse kam im März 1699 als Sohn eines Organisten in Bergedorf – heute ein Teil der Freien und Hansestadt Hamburg – zur Welt. Er begann seine Laufbahn als Sänger in Hamburg und Braunschweig, ehe er zur kompositorischen Ausbildung nach Italien ging und in Neapel einer der letzten Schüler von Alessandro Scarlatti wurde. Ab 1725 kam Hasses Schaffenskraft zur vollen Entfaltung: Im Lauf seines langen Lebens sollte er mehr als 60 Opern, Intermezzi und andere Bühnenwerke schreiben, dazu zahlreiche Oratorien, Messen und weitere Kirchenkompositionen sowie weltliche Kantaten und Instrumentalwerke. Im Sommer 1730 heiratete er eine europaweit gefeierte Sängerin, die Venezianerin Faustina Bordoni. Den wichtigsten und längsten Abschnitt seines Lebens bildete Hasses Amtszeit als Kapellmeister am Hof zu Dresden. Drei Jahrzehnte lang prägte Hasse das Dresdner Musikleben in einer vor- und nachher kaum jemals übertroffenen Weise. Großzügige Arbeitsbedingungen und ein hohes Einkommen ermöglichten ihm ausgedehnte Reisen, die ihn nach Berlin, Warschau, Paris, München, Wien und immer wieder in die musikalischen Zentren Italiens führten. Nach den Wirren des Siebenjährigen Krieges ließen sich die Hasses in Wien nieder, ehe sie 1773 nach Venedig übersiedelten. Dort ist der Komponist am 16. Dezember 1783 gestorben. Hasse gilt als Hauptvertreter der durch die Dichtungen von Pietro Metastasio geprägten Opera seria. Mit diesem Genre wurde er geradezu zum musikalischen Repräsentanten der letzten Pracht des Absolutismus kurz vor dem gesellschaftlichen Umbruch der Französischen Revolution; und in diesem Tatbestand liegt wohl auch einer der Gründe dafür, warum die meisten Hasseschen Werke – einige Kirchenkompositionen ausgenommen – bald in Vergessenheit geraten sind. Die heutige Musikwissenschaft ist darum bemüht, dem Komponisten den ihm gebührenden Platz in der Geschichte einzuräumen; in den letzten Jahren sind mehrere gewichtige Forschungsbeiträge erschienen, eine wissenschaftlich- kritische Werkausgabe wurde begonnen, und zahlreiche CD-Aufnahmen bezeugen das erwachte Interesse an Hasses sinnenfroher und ausdrucksstarker Musik, die auch heute noch zu faszinieren vermag. (Text: Hasse-Gesellschaft-Bergedorf e.V.)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt