Reych Nr. 181

Misson, Joseph

Unbekannt ·M-O

Beschreibung

Misson, Joseph
Titel: Da Naz
Reych: Nr. 181 Castellum Cornoviae (Korneuburg)
Geb.: 14.03.1803 in Mühlbach
Gest.: 28.06.1875 in Wien

Volltext

österreichischer Priester, Lehrer und Mundartdichter Der Sohn des italienischen Handelsmannes französischer Abkunft, Johann Baptist Misson, trat nach dem Besuch des Gymnasiums in den Orden der frommen Schulen der österreichischen Provinz ein und wurde 1825 als Gymnasialprofessor zu Horn angestellt, in welcher Eigenschaft er an verschiedenen Piaristen-Lehranstalten bis zum Jahre 1843 tätig war. Von dem Übel der Schwerhörigkeit betroffen, wurde er noch in demselben Jahr von seinen Ordensoberen zu einer Heilkur nach Wien beordert. Nach fruchtloser Behandlung kam er 1845 in das Kremser Piaristen- Collegium und hielt 1848 im Ratssaal zu Stein eine gehaltsvolle Rede für das Kaiserhaus, die auch in Druck ging. 1849 hielt er im St. Antoniokirchlein zu Weinzierl religiöse Vorträge mit Hinblick auf Vaterlandsliebe und Treue zu seinem Regenten. Nebst kleineren poetischen Arbeiten schrieb er in den folgenden Jahren das Gedicht in unterennsischer Volksmundart: „Da Naz". (Hochdeutsch bedeutet der Name „Da Naz" „Der Ignaz"). Der Inhalt beschreibt einen niederösterreichischen Bauernbub, der in die Fremde geht. Leider fand dieses Gedicht keine Fortsetzung, da der Gesundheitszustand sich sehr verschlechterte. Ein Exemplar des Gedichtes befindet sich in der k.k. Hofbibliothek zu Wien. Im Jahre 1853 wurde er nach Wien berufen, machte 1856 eine Reise nach Kärnten, wurde in Klagenfurt Mitglied des dortigen Geschichtsvereins und setzte die Reise nach Italien fort. Zwei Jahre später bereiste er in Gesellschaft Deutschland und Frankreich, verweilte an einigen größeren Universitäten, wo man ihn zu bereden versuchte, sich um den Doktorgrad an der Ludwigs-Universität in Hessen zu bewerben. Eine weitere Zeit lebte er, wissenschaftlich beschäftigt, als Bibliothekar und emeritierter Gymnasialprofessor im Piansten-Collegium zu Sankt Thekla auf der Wieden in Wien. Interessant ist auch seine Herkunft bzw. Abstammung, deren Richtigkeit nicht ganz bewiesen ist: Allem Anschein nach ist Joseph Misson, so ist die Schreibweise seines Vornamens ebenfalls umstritten, ein Abkömmling Maximilian Missons, eines reformierten Franzosen, der bei Verfolgung der Hugenotten nach England flüchtete und sich bei dem Herzog von Ormond so beliebt machte, dass ihm dieser seinen Enkel, den Grafen von Arram, zur Erziehung übergab. Mit diesem ging er 1687 über Holland und Deutschland nach Italien. Nach dieser Zeit geriet er unter die Sevennischen Propheten, die ihn dergestalt einnahmen, dass er nach Rom und Konstantinopel reiste, um den Papst zu bekehren und dem Großsultan das Evangelium zu verkünden. Den Sevennischen Propheten zu gefallen schrieb er auch: „Le theatre sacré de Sevennes". Von einigen hierüber spöttisch angegriffen, schrieb er zur Verteidigung: „Melange curieux". . . (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt