Reych Nr. 385

Molière

Unbekannt ·M-O

Beschreibung

Molière (auch Poquelin, Jean Baptiste)
Titel: Sganarelle
Reych: Nr. 385 Lulutetia Parisiorum (Paris)
Geb.: 14.01.1622 in Paris
Gest.: 17.02.1673 ebenda

Volltext

französischer Schauspieler und Dichter Sein Vater, Tapetenwirker und Stoffhändler von Beruf, war am Hofe des Königs Louis XIII. Tapezierer und zugleich Kammerdiener, der auch für seinen Sohn Jean Baptiste Poquelin, das war der ursprüngliche Name, diese Laufbahn ausersehen hatte. Unter dem Einfluss des Großvaters, einem leidenschaftlichen Theaterliebhaber, der seinen Enkel oft in die einzige in Pans sesshafte Theatergruppe im „Hotel de Bourgogne" mitnahm, wuchs sein Interesse mehr und mehr für das Theater. Fünf Jahre widmete er sich dem Studium im Jesuitenkloster in Clermont, lernte dort seinen späteren Gönner, den Prinzen von Conti kennen und wurde Schüler des Mathematikers Gassendi. Baptiste musste jedoch bald seinen kränklichen Vater beruflich vertreten. So bereiste er unter der Gefolgschaft des Königs ganz Südfrankreich. Mit einigen talentierten jungen Leuten fing er an, in den Stadtvierteln St. Germain, Pont-Neuf und St. Paul als Schauspieler aufzutreten. Bald gesellten sich auch Berufsschauspieler zu ihm. Immer mehr Zeit widmete er seiner Liebhaberei und wurde bald selbst Dichter, Spielleiter und Komödiant in einer Person. Es war an der Zeit, sich einen Künstlernamen zuzulegen und so durchstreifte er als „Molière“ mit seiner Truppe „Illustre Théatre'' ganz Frankreich. Sein einflussreicher Mäzen, Prinz de Conti, stellte ihn alsbald dem Bruder des Königs als „Monsieur“ vor, der ihn seinerseits dem König weiterempfahl. Der Sonnenkönig, der sich gerne mit „Männern von Genie" umgab, verstand es auch, Molière an seinen Hof zu ziehen. Die Theatertruppe nannte sich nun „Troupe de Monsieur" und führte von 1658- 73 alle Werke Molières am Hofe auf. Die Bewunderung Ludwigs XIV. für Moliere ging sehr weit, denn als dieser im Alter von 41 Jahren seine 17jährige Geliebte heiratete, was bei Hofe Skandal hervorrief, bot er ihm an, um alle bösen Zungen zum Schweigen zu bringen, die Patenschaft des ersten Kindes zu übernehmen. Molière verstand es, sein Publikum zu erziehen, indem er auf der Bühne nicht nur mit Fehlern belastete Menschen, sondern die menschlichen Laster an sich vor Augen führte. Theaterstück eingebildete Gesundheitszustandes - er war schwer lungenkrank - ließ er es sich nicht nehmen, die Titelrolle selbst zu spielen. Als das Stichwort „Juro“ fiel, erlitt er einen Blutsturz, der rasch zum Tode führte. Molière starb im Alter von erst 51 Jahren nach einer Aufführung. Immer wieder habe ich Molieres Werke durchgelesen, ehe allmählich ein Name immer klarer hervortrat, der in Molières Werke achtmal auftrat, achtmal eine andere Person darstellte, um schließlich sein ganzes Werk zu kennzeichnen. Nun gab es keinen Zweifel mehr, zumal bezeichnenderweise Molière die Rolle dieser acht Figuren stets sich selbst vorbehielt; er verkörperte immer in eigener Person die Rolle mit Namen „Sganarelle". (Text: Rt. Marco Polo (385))
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt