Beschreibung
Nestroy, Johann
Titel: Lumpacivagabundus
Reych: Nr. 296 Auf der Mauer (Wien)
Geb.: 07.12.1801 in Wien
Gest.: 25.05.1862 in Graz
Volltext
österreichischer Schauspieler und Bühnendichter Als Sohn eines Advokaten geboren, studierte er in Wien Jura, gab aber schon vor dem Abschluss des zweiten Jahres diese Laufbahn wieder auf und wurde nach einmaligem Probesingen an das Hofoperntheater am Kärntnertor in Wien engagiert. 1822 betrat er zum erstenmal die Bühne und erntete Beifall. In den nächsten Jahren sang er in Amsterdam. 1825 kam er nach Brünn und trat hier schon in einigen Sprechrollen auf, darunter in Possen und Lustspielen. Während seines Engagements in Graz 1826-29 entdeckte er seine schauspielerische Eigenart als Komiker, die er mehr und mehr pflegte. 1831 wurde er vom Direktor Carl an das Theater an der Wien engagiert. Hier fand er den eigentlichen Boden seiner Wirksamkeit. Bereits in Graz hatte er einige Stücke geschrieben, aber keinen besonderen Beifall gefunden. Von 1832 bis 34 schuf er vierzehn Stücke, von denen die meisten mit bedeutendes „Lumpacivagabundus". Gleichzeitige Parodien auf Opern und Dramen zeigen am deutlichsten Nestroys Eigenart. Schon damals galt er neben Raimund als erster Volksdichter. 1835 wandte er sich von den sogenannten Zauberstücken ab und näherte sich einem volkstümlichen Realismus. Der Zeitraum von 1835-45 gehörte zunächst der Posse, unter denen „Zu ebener Erde und erster Stock", „Das Mädel aus der Vorstadt", „Einen Jux will er sich machen" und „Der Zerrissene" die bedeutendsten sind. Sei 1845 spielte Direktor Carl nur noch am Leopoldstädter Theater, das er neu bauen ließ und unter dem Namen Carltheater noch heute besteht. Nestroy ging inzwischen zu bürgerlichen Sittenstücken über, die vieles mit den Volksstücken Anzengrubers gemeinsam haben. 1846 wurde „Der Unbedeutende" aufgeführt, der dem Dichter den stärksten Erfolg seines Lebens einbrachte. Das beste Stück dieser Gattung war die ebenso erfolgreiche Posse „Kampf'. Nestroys Werke erhielten ihre volle Wirkung erst durch seine eigene Spielweise. Mit seiner langen schlottrigen Gestalt, mit der Beweglichkeit seiner Glieder und Mienen, brachte er die komischsten Wirkungen zustande. Unterstützt von dem glänzenden Ensemble des Carltheaters, schlug er das Publikum in seinen Bann und wurde zur volkstümlichsten Gestalt Wiens. Im Jahre 1854 übernahm er nach dem Tode Carls die Direktion des Theaters, das er bis 1860 führte. Darnach war ihm nur noch eine kurze Zeit des Ausruhens in Graz und Ischl vergönnt, bis er verstarb. Seine Stücke werden noch heute gerne auf den Theaterbühnen gespielt. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt