Reych Nr. 378

Grillparzer, Franz

Unbekannt ·G-I

Beschreibung

Grillparzer, Franz
Titel: Jaromir
Reych: Nr. 378 Graetz an der Mur (Graz)
Geb.: 15.01.1791 in Wien
Gest.: 21.01.1872 ebenda

Volltext

österreichischer Dichter Franz Grillparzer war der Sohn eines Advokaten, der recht früh verstarb. Die Mutter stammte aus der künstlerisch veranlagten Familie Sonnleithner, war selbst musikalisch, aber nicht in der Lage, ihre vier Söhne ordentlich zu erziehen. Unter ihnen wuchs Franz, der älteste, einsam auf, war verschlossen und seinen Träumereien hingegeben. Er besuchte erst eine Privatschule, dann das Gymnasium, war mittelmäßiger unheimlichen Universitätsjahren führte er ein ungebundenes Leben, warf sich aber bald auf das juristische Studium und bemühte sich. nebenbei seine Mutter und Geschwister durch Stundengeben finanziell zu unterstützen: Die ersten dramatischen Versuche fallen in diese Zeit. Bei seinem Widerwillen gegen den Staatsdienst trat er als Lehrer in das hochadelige Haus des Grafen Seilern. Man lebte im Winter in Wien, wo eine reichhaltige Bibliothek zur Verfügung stand, im Sommer auf einem mährischen Gut. 1813 entschloss er sich, doch in den Staatsdienst zu gehen, zunächst als unbesoldeter Praktikant der Hofbibliothek, später in der Finanzabteilung. 1815 wurde er in der Hofkammer besoldet angestellt. 1816 schrieb er in wenigen Wochen „Die Ahnfrau" und brachte sie unter Leitung seines Freundes Schreyvogel ein Jahr später im Theater an der Wien zur Aufführung. Sie hatte einen unerwartet großen Erfolg und machte den jungen Dramatiker mit einem Schlage in Deutschland und darüber hinaus berühmt. Seinem Erstlingswerk folgte die Tragödie „Sappho“ und der Versuch den Medeastoff in einer Trilogie darzustellen. Nachdem schon einige Jahre früher ein jüngerer Bruder durch Selbstmord endete, hatte sich 1819 seine Mutter in einem Anfall religiösen Wahnsinns erhängt. Um das Gleichgewicht seiner Seele wieder zu erlangen, unternahm er eine Reise nach Italien und vollendete nach der Rückkehr die Medea-Dichtung, die 1821 ebenfalls mit großem Erfolg aufgeführt wurde. Um diese Zeit lernte er die vier Schwestern Fröhlich kennen, die sämtlich hochbegabt und kunstliebend den Dichter in ihren geselligen Kreis luden. In die Zweitjüngste verliebte er sich, konnte sich aber nicht zu einer Heirat entschließen. 1849 zog Grillparzer in das Haus der Schwestern und ließ sich dort für den Rest seines Lebens umsorgen. In der Zwischenzeit hatte er noch einige große Reisen nach Deutschland, Pans, London und Konstantinopel unternommen. Nach seinen Dramen „König Ottokars Glück und Ende", „Ein treuer Diener seines Herrn", „Des Meeres und der Liebe Wellen", „Der Traum, ein Leben", geriet er in Konflikt mit der Zensur und entfremdete sich immer mehr seinem Publikum. Als sein Lustspiel „Weh dem, der lügt" bei der ersten Aufführung ausgepfiffen wurde, zog er sich tiefgekränkt aus der Öffentlichkeit zurück. Seine nächsten Dramen „Libussa“, „Ein Bruderzwist in Habsburg" und „Die Jüdin von Toledo" schuf er nur für sein Pultfach und widersetzte sich sogar einer Neuausgabe seiner Werke. Erst als Laube die Direktion des Burgtheaters übernommen hatte, wurden Grillparzers Dramen ab 1851 wieder aufgeführt, was bewirkte, dass man ihn als einen der Dichter zu würdigen begann und ihm reiche Ehrungen zuteil werden ließ. (Text: N.N. / Das Blaue Buch)
Quelle: Mediathek Schlaraffia Arnstadt